Studie des Liechtenstein-Instituts über Mediennutzung: Ohne staatliche Förderung wird das Überleben der Medien schwierig

Regierungsrat Hubert Büchel an der Medienorientierung zur Präsentation der Ergebnisse zur Umfrage «Mediennutzung und Informationsverhalten in Liechtenstein»

Die Medienlandschaft Liechtensteins hat sich innerhalb kurzer Zeit massiv verändert. Traditionelle Medien wie «Volksblatt» und Radio L sind verschwunden, neue Medien kamen auf den Markt. Die im Auftrag der Regierung erstellte Studie über die Nutzung der Medien gibt Aufschluss über das Medienverhalten der Bevölkerung, aber auch über die zunehmende Medienabstinenz.

Das «Liechtensteiner Volksblatt» stellte aus wirtschaftlichen Gründen das Erscheinen ein. Radio L wurde bei einer Volksabstimmung der staatlichen Finanzierung beraubt, was zum Sendeschluss und nicht zur erhofften Privatisierung führte. Seither gibt es verschiedene Bestrebungen, die mit dem Verschwinden von «Volksblatt» und Radio L verarmte Medienlandschaft zu beleben. Die vorläufige Schlussfolgerung aus dem Geschehen lautet: Wenn der Staat nicht verstärkt zur Medienförderung beiträgt, dürfte das Überleben für die etablierten Medien schwierig werden, während neue Anbieter kaum auf einen grünen Zweig kommen. Eine Studie der Stiftung Zukunft.li zeigt zwar mögliche Szenarien auf, wie die Medienlandschaft belebt oder verbreitert werden könnte, bis zum dort skizzierten Aufbau einer «zweiten Stimme» neben dem «Liechtensteiner Vaterland» oder einer liechtensteinischen Nachrichtenagentur dürfte noch einige Zeit vergehen – wenn es überhaupt zu einer Verwirklichung kommt.

Stabile Zahlen zur Mediennutzung
Wertvolle Hintergrundinformationen über die Mediensituation liefert die im Auftrag der Regierung vom Liechtenstein-Institut vorgelegte Studie über «Mediennutzung und Informationsverhalten in Liechtenstein». Aufschlussreich ist auch der Vergleich mit der vor drei Jahren durchgeführten Meinungsumfrage in der Bevölkerung zum gleichen Thema. Gleich am Anfang der aktuellen Studie stellen die Autoren «stabile Einstellungen trotz Medienumbruchs» fest: «Trotz verschiedener Veränderungen in der Medienlandschaft hat sich die Mediennutzung im Land im Grossen und Ganzen kaum verändert.»

Erwartungsgemäss, weil es keine Alternative mehr gibt, blieb das «Vaterland» die meistgenutzte Quelle für Informationen: Ein Anteil von 63 Prozent der Befragten gab an, mindestens gelegentlich die noch einzige Tageszeitung im Land zu lesen. Auch die kostenlos in alle Haushalte verteilten Zeitungen lie:zeit und Liewo erreichen mit ihren Informationen unverändert seit der ersten Umfrage «einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung». Die «lie:zeit» wird von 21 Prozent der Bevölkerung immer oder oft gelesen, dazu geben 20 Prozent der Befragten an, das Angebot der zehn Ausgaben pro Jahr gelegentlich zu studieren.

Etwas mehr als früher greifen viele Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner auf ausländische Medienangebote aus der Schweiz, Österreich und Deutschland zurück, um sich die informieren. Dort allerdings finden sie eher selten Informationen aus Liechtenstein, während der Fernsehsender 1FLTV ausschliesslich über lokale Ereignisse berichtet, was zu seinen stabilen Zuschauerwerten bei einem Vergleich der zwei Meinungsumfragen beiträgt. Neue Medien wie Radio Vaterland, Radio 2go Liechtenstein oder das Magazin Der Stammtisch erreichen erst relativ kleine Anteile der Bevölkerung. Diese Erkenntnis aus der Umfrage bestätigen Annahmen, dass es neue Medien während der Startphase schwer haben, ihr Publikum zu finden. Und dies trotz der weitverbreiteten Forderung, in der Medienlandschaft sollte es mehr und frische Konkurrenz geben.

Mehr Medienvielfalt gewünscht – aber nicht um jeden Preis
Beinahe zwei Drittel der Befragten wünschen eine stärkere Medienvielfalt. Dies ist vor allem auf das Verstummen von Radio L und auf das Verschwinden des «Volksblatts» zurückzuführen. Die meisten Befragten geben sich keinen Illusionen hin, dass die Herausgabe einer Zeitung, das Betreiben eines Radio- oder Fernsehsenders oder der Aufbau eines Online-Portals ohne eine staatliche Förderung möglich ist. Die bestehende Medienförderung des Staates geniesst deshalb eine hohe Akzeptanz. Knapp drei Viertel der Befragten halten eine staatliche Medienförderung für richtig oder zumindest eher richtig. Diese Meinung hat sich seit dem Verlust von Radio L und «Volksblatt» noch etwas akzentuiert: Gegenüber der Befragung von 2023 stieg der Anteil der Befürworter um sieben Prozentpunkte an. Als bemerkenswert stufen die Autoren der Umfrage die Tatsache ein, dass keine gesellschaftliche Gruppe die Medienförderung mehrheitlich ablehne: «Selbst Personen, die Medienangebote kaum nutzen, halten staatliche Unterstützung häufig für sinnvoll oder notwendig.»

Wie schon bei der Abstimmung über die Privatisierung von Radio L erkennbar, sind der Unterstützung allerdings Grenzen gesetzt. Eine Mehrheit der Befragten könnte sich eine staatliche Förderung für ein öffentlich-rechtliches Medienangebot in Form eines Onlineportals oder sogar eines Radiosenders vorstellen, allerdings nur bis zu einem Kostenrahmen von jährlich rund 1 Million Franken. Eine Finanzierung bis etwa 2 Millionen Franken pro Jahr hält die Studie noch für mehrheitsfähig. Jenseits dieser Grenze jedoch sinkt die Zustimmung bei den Befragten: «Modelle mit Kosten von 4 Millionen Franken oder mehr hätten keine Aussicht auf eine Mehrheit.» Um eine Summe in dieser Grössenordnung handelte es sich bei der Abstimmung über die Privatisierung von Radio L: Die Mehrheit der Stimmberechtigten lehnte einen Beitrag in dieser Höhe ab, um das Überleben des Senders zu sichern. Optimisten glaubten vor jener Abstimmung, ein Radiosender liesse sich auch mit deutlich weniger Kosten realisieren, doch bis heute wartet Liechtenstein noch auf Investoren, die ein solches Wagnis eingehen wollen.

Die Erwartungen an die Medienlandschaft Liechtenstein
Die Medienlandschaft Liechtensteins präsentiere sich bemerkenswert stabil, fasst die Studie einen Vergleich der Umfragen von 2023 und 2026 zusammen. Mehr noch: «Klassische journalistische Medien bleiben wichtige Informationsquellen, und das Vertrauen in Medien ist im internationalen Vergleich weiterhin relativ hoch.» Den Nutzern der klassischen Medien stehen nach dem Aus von «Volksblatt» und Radio L allerdings weniger Angebote zur Verfügung, zumindest was die Tagesaktualität und die Abdeckung aller gesellschaftlichen Bereiche betrifft. Ein Angebot wie die «lie:zeit», die als Printmedium im Monatsrhythmus erscheint, dient mit der Ausrichtung auf Hintergrundgeschichten als Ergänzung, was sich in der stabilen Bewertung bei den beiden Umfragen zeigt: Jeder fünfte Befragte gehört zur «lie:zeit»-Leserschaft.

Die Studie gibt nicht nur Hinweise über das Medienverhalten und die Mediennutzung, sondern auch über die Erwartungen an die Medien, die in harter Konkurrenz zu den Sozialen Medien und Online-Plattformen stehen. Besonders wichtig erachten die Befragten regelmässige Informationen über die liechtensteinische Wirtschaft. Schon in der ersten Umfrage hatten sich beinahe 80 Prozent für Wirtschaftsinformationen ausgesprochen, und die zweite Umfrage bestätige die zentrale Bedeutung von wirtschaftlicher Berichterstattung. Stark nachgefragt sei auch die Berichterstattung über die Landespolitik: Dabei würden politisch Interessierte den Berichten über die Politik naturgemäss eine höhere Bedeutung beimessen als Personen, die an der Politik weniger interessiert seien. Lokale Informationen, also Vereinsnachrichten, Unfallmeldungen oder Todesanzeigen, geniessen laut Studie ebenfalls einen hohen Stellenwert: «Diese Befunde unterstreichen die Rolle der Medien als zentrales Informationsforum für das gesellschaftliche Leben im Land.» Beim Sport gehen die Meinungen auseinander: Die einen messen der Sportberichterstattung einen hohen Stellenwert zu, für eine ebenso grosse Gruppe hat das sportliche Geschehen nur eine geringe Bedeutung. Ebenso gespalten zeigen sich die Medienkonsumenten bei den Leserbriefen. Entgegen der landläufig oft gehörten Meinung, die Leserbriefe gehörten zu den am meisten gefragten Rubriken, werden die Lesermeinungen nur von einer Minderheit als wichtig bewertet. Wird die Haltung zu den Leserbriefen mit den politischen Sympathien der Befragten verglichen, zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede. Die Studie fasst die Unterschiede salomonisch zusammen: «Während sie für Teile des politischen Spektrums ein notwendiges Gegenwicht zur subjektiv wahrgenommenen Medienlinie darstellen, scheinen sie für andere eher einen begrenzten oder sogar verzichtbaren Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung zu leisten.» Kurzum, die Erwartungen der Leserbriefschreiber decken sich nicht ganz mit der Einschätzung der Leserschaft.

 


 

«lie:zeit» und Mediennutzung

Die «lie:zeit», die seit 2011 als Monatsmagazin kostenlos an alle Haushalte verteilt wird, habe sich seit geraumer Zeit in der liechtensteinischen Medienlandschaft etabliert, heisst es im Historischen Lexikon. Als «drittmeist gelesene Printpublikation» sei die «lie:zeit» damit Teil der öffentlichen Meinungsbildung in Liechtenstein. Auch das Liechtenstein-Institut befasste sich in der kürzlich veröffentlichten Befragung mit der Reichweite der Medien und stellte bei der Mediennutzung fest, die «lie:zeit» erreiche «einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung».

Das Liechtenstein-Institut befragte die Bevölkerung auch über die parteipolitische Ausrichtung der liechtensteinischen Medien. Die «lie:zeit» wird laut der in diesem Jahr publizierten Umfrage überwiegend als politisch neutral eingeschätzt. Damit wird der schon in der Studie 2023 festgestellte Befund der politischen Neutralität bestätigt.

Etwas mehr als jeder fünfte Befragte gab an, die «lie:zeit» immer oder zumindest sehr oft zu lesen. Als positiv wird vom Publikum die Online-Präsenz der «lie:zeit» gewertet, wo überdies ein umfassendes Medienarchiv zur Verfügung stehe. Zudem wird die «lie:zeit» in der Bevölkerung über die Präsenz in den sozialen Medien wahrgenommen. Die «lie:zeit» leistet aufgrund der Hintergrundberichte und den Interviews zu aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen einen wichtigen Beitrag zur Medien- und Meinungsvielfalt in Liechtenstein.