Leserbrief von Initiative A
Das Interview mit Neuroimmunologin Lara Diem im Vaterland verengt die Diskussion über die gesundheitlichen Folgen von «Corona» weitgehend auf «Long Covid», ohne auf «Post-Vac», mögliche Impffolgen oder eine Kombination aus Infektion und impfassoziierten Folgen einzugehen. Bereits auf Seite 1 wird auf die Kontroversen rund um die Behandlung hingewiesen und vor ideologischen Grabenkämpfen gewarnt. Dies kann als Immunisierungsversuch vor Kritik gedeutet werden.
Die wissenschaftliche Literatur beschreibt Long Covid zu Recht als ein heterogenes Multisystem-Syndrom mit mehreren möglichen Mechanismen, darunter virale Persistenz, Immunfehlsteuerung, Dysautonomie, Mikrogerinnung, Autoantikörper, mitochondriale Dysfunktion sowie ME/CFS-ähnliche Verläufe.
Die grösste Leerstelle des Interviews ist jedoch die Nicht-Berücksichtigung des Post-Vaccination-Syndroms (Post-Vac). Symptomatisch überschneiden sich Long Covid, ME/CFS, Dysautonomie, Post-Vac in erheblichem Umfang. Müdigkeit, Belastungsintoleranz, Post Exertional Malaise, neurologische Beschwerden oder autonome Funktionsstörungen lassen sich klinisch häufig nicht eindeutig voneinander abgrenzen.
Gerade deshalb wäre eine sorgfältige Differenzialdiagnostik zentral. Stattdessen besteht im deutschsprachigen Raum ein strukturelles Dunkelfeld. Post-Vac verfügt bislang weder über eine international standardisierte Falldefinition noch über eine vergleichbare Versorgungsinfrastruktur. Faktisch erhalten viele Betroffene häufig erst dann Zugang zu spezialisierten Ambulanzen, Rehabilitationsleistungen oder Off-Label-Behandlungen, wenn ihre Beschwerden als Long Covid, Post-Covid oder ME/CFS kodiert werden können. Dadurch drohen Fehldiagnosen, statistische Verzerrungen und eine systematische Unterschätzung impfassoziierter Krankheitsbilder.
Bemerkenswert ist, dass Interviewerin Sabine Kuster mit der Frage «Was ist Long Covid tatsächlich?» diese Problematik vollständig ausblendet. Gerade angesichts inzwischen publizierter Fallserien und Reviews zum Post-Vac-Syndrom wäre zumindest eine Einordnung angezeigt gewesen.
Ein guter Wissenschaftsjournalismus sollte deshalb weder therapeutischen Optimismus noch eine bestimmte Krankheitsdeutung privilegieren. Er müsste vielmehr die bestehenden Unsicherheiten, konkurrierenden Hypothesen, möglichen Interessenkonflikte und insbesondere die Versorgungslücken rund um das strukturelle Dunkelfeld des Post-Vac-Syndroms sichtbar machen.
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