Leserbrief von Jo Schädler, Bendern

Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde, so Heinz Erhardt. Man stelle sich vor, die Schweiz hätte die Autobahn von Zürich bis Sargans und die A 13 von St. Gallen nicht gebaut und es gäbe auch die Autobahn von Lindau bis Innsbruck nicht. Wollten wir weit fortfliegen, müssten wir uns durch endlose Staus am Walensee entlang, durch die Dörfer und dann über den Kerenzer weiter am Zürichseeufer und dann auch noch durch Zürich bis Kloten mühen.

Nach Innsbruck, hätten wir die Altstadt von Feldkirch, Bludenz, über den Arlberg, dann den Imsterberg hinauf, Dorf um Dorf zu bewältigen. Nach München wäre es noch abenteuerlicher. Hätten also unsere Nachbarn nicht eine für uns sehr komfortabel Rinde gebaut, wären wir von der Welt vollständig abgeschnitten, praktisch kaum erreichbar und vor jedem Haus wäre noch ein stinkender Misthaufen.

Den „Wohlstand“, der über uns hereingebrochen ist, haben wir einzig und alleine unseren tüchtigen Nachbarn und unserer glücklichen Lage zu verdanken. Denn ohne die vielen Tunnels, Autobahnen, Strassen und Brücken, von denen wir wie die Maden zehren und uns mästen, lebten wir noch im finsteren Mittelalter. Woraus folgt: Heisst es nun: „Made in Liechtenstein“, oder „Die Made Liechtenstein“?

Oft scheint es, dass den Gegnern jeder Verbesserung und Vervollständigung der Verkehrsstrukturen gar nicht bewusst ist, wohin ihre Ziele uns brächten und wenn sie Erfolg haben auch noch bringen werden. Unser „Reichtum“ ist ja ohnehin eine ganz trügerische Geschichte. Ihn zu mehren sind wir gezwungen, uns im Hamsterrad immer schneller zu bewegen. Ein Stillstand wäre unser schnelles Ende. Die Märkte und ein ausufernder Staat diktieren die Reise.

Wollen wir das nicht mehr, dann müssen wir unseren Wohlstand über Bord werfen und beginnen, kleinere und am Ende sogar ganz kleine Brötchen backen. Ein Teufelskreis in einer Gesellschaft, die zügig überaltert und die Renten ohne kräftiges Wachstum jedes Jahr, schon bald nicht mehr wird aufbringen können.

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