Forum/Parteibühne: Martin Seger, DpL-Abgeordneter, Eschnerstrasse 12, Schaan

Geehrte Frau Fritz vom Vaterland: Muss nun auch noch die Satire-Spalte dafür herhalten, die Positionen eines VU-Regierungsrates zu verteidigen? Diese Frage drängt sich auf, wenn anstelle einer sachlichen Auseinandersetzung erneut zur Zuspitzung gegriffen wird. Wo Argumente fehlen, wird karikiert das wird weder der Debatte noch den Bürgerinnen und Bürgern gerecht.

Ich bin demokratisch gewählter Abgeordneter und vertrete die Anliegen vieler Menschen im Land. Dazu gehören auch Sorgen, die man nicht einfach als «Rosinenpickerei» abtun kann.

Erstens: Ihre Frage, wo Liechtenstein ohne die rund 22’000 Grenzgänger stünde, greift zu kurz. Entscheidend ist, was bei den Bürgern ankommt. Wenn tausende Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich liegen, während Mieten und Krankenkassenbeiträge stetig steigen und gleichzeitig über mehr Sozialwohnungen diskutiert wird, dann zeigt das eine Schieflage. Wirtschaftlicher Erfolg allein bedeutet noch nicht soziale Stabilität.

Zweitens: Sie stellen implizit die Integration der rund 35 % ausländischen Bevölkerung sowie der Schutzsuchenden als gegeben dar. Diese Einschätzung teile ich nicht. Integration ist mehr als Erwerbstätigkeit. Sie umfasst Sprache, Werte und gesellschaftliche Teilhabe. Der soziale Zusammenhalt darf nicht allein vom wirtschaftlichen Nutzen abhängen. Geld kann vieles überdecken, aber es ersetzt keine gewachsene gesellschaftliche Basis.

Drittens: Zur Kriminalität. Es geht nicht darum, pauschal zu verurteilen, sondern Entwicklungen ernst zu nehmen. Eine deutliche Übervertretung in Statistiken ist ein Fakt, den man weder relativieren noch tabuisieren sollte. Wer verantwortungsvolle Politik macht, schaut auch auf die Herkunftsländer und deren gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Die Annahme, dass vor allem hochqualifizierte Fachkräfte zu uns kommen, ist zumindest optimistisch.

Vorausschauende Politik bedeutet, Risiken frühzeitig zu erkennen und zu steuern nicht erst zu reagieren, wenn Probleme bereits manifest sind. Humanität und Verantwortung schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil: Eine nachhaltige Migrationspolitik muss beides vereinen und dabei die Belastbarkeit des eigenen Landes im Blick behalten.

Die Bürger Liechtensteins leisten bereits heute einen erheblichen Beitrag humanitär, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Dies anzuerkennen wäre ein erster Schritt zu einer ehrlichen Debatte.