Die grosse Mediendebatte bringt Aufbruchstimmung nach Triesen
Die liechtensteinische Medienlandschaft ist in Bewegung: Bei der ersten Live-Videopodcast-Produktion von podcasthus.li im vollbesetzten Gemeindesaal Triesen debattierten Spitzenvertreter aus Politik und Medien über die neu formierte Medienkommission, innovative Fördergeldmodelle und die Zukunft des Journalismus im Land. Die hochkarätige Runde machte unmissverständlich klar: Unabhängige Information ist kein Luxusgut, sondern die kritische Infrastruktur unserer Gesellschaft.
Die Debatte zeigte eindrücklich, dass sich in der liechtensteinischen Medienpolitik ein fundamentaler Wandel vollzieht. Statt dem Blick zurück in die Vergangenheit stand der konstruktive Aufbruch im Fokus. Andreas Krättli, Moderator sowie Geschäftsführer und Mitinhaber von podcasthus.li, hielt fest: „Trotz unterschiedlicher Geschäftsmodelle eint uns das Ziel: Starker Qualitätsjournalismus für ein informiertes Liechtenstein.“
Zarte Pflänzchen auf dem Vormarsch
Medienminister Hubert Büchel blickte positiv auf die eingeleiteten strukturellen Massnahmen und zog Bilanz zu einem viel diskutierten Zitat aus seiner Amtszeit: „Das Zitat mit der Geröllhalde von einem der ersten Interviews von mir hält sich. War vielleicht im jugendlichen Leichtsinn am Anfang meiner Karriere als Regierungsrat, dass ich den Ausdruck gewählt habe. Ich wollte damit nur sagen, wir hatten das Volksblatt verloren, dann das Radio L. Es sind ein paar zarte Pflänzchen gesprossen.“
Dass dieser Neustart auch von der neu zusammengesetzten Medienkommission aktiv gestaltet wird, unterstrich Dr. Marion Flatz-Mäser: „Mir persönlich wäre es recht, wenn es nicht so kleine Pflanzen geben würde, sondern auch schon grössere, nämlich so ein bisschen ein Gegengewicht auch zum Medienhaus, zumindest in geringen Ansätzen.“
Gerald Hosp (Stiftung Zukunft.li) legte den Finger in die finanzielle Wunde der aktuellen Struktur: „Das Medienhaus ist ein Quasi-Monopolist und bekommt mehr als 80 Prozent der Medienförderung. Das Medienhaus kann eigentlich nur mit Medienförderung derzeit Profite machen.“
Zwei der neuen Medienprojekte präsentierten sich direkt in der Expertenrunde. Rita Feger (Onlinemedium Lie24) berichtete engagiert aus der anspruchsvollen Praxis: „Bis jetzt läuft es ganz gut. Als Portal können wir nur funktionieren, indem wir auch freie Mitarbeiter bezahlen und so gesehen sind wir eigentlich schon an unseren Grenzen. Zum Durchhalten wird es in Zukunft schwierig sein.“ Demgegenüber blickte Thomas Mandel (Gratiszeitung & Onlineplattform –Der Stammtisch) nach dem Erhalt der neuen Anschubfinanzierung optimistisch nach vorne: „Uns hat das sehr gefreut, dass das Medium auch in der Regierung in der Prüfung so viel Anklang gefunden hat, dass es gefördert wird. Das Ziel ist, dass wir es so lange betreiben, dass es förderungswürdig ist. Ehrlich und auf Augenhöhe.“
Internationaler Blick und publizistischer Mut
Auch die geladenen Gäste aus dem Ausland betonten den Stellenwert des Journalismus für die Bevölkerung. Markus Klement, Landesdirektor des ORF Vorarlberg, stellte klar: „Ich denke, man hat der liechtensteinischen Seele ein bisschen das Herz herausgerissen. Medien sind immer auch ein Abbild der Gesellschaft.“ Henriette Engbersen, Leiterin Public Value bei der SRG SSR, warnte derweil vor den Herausforderungen des digitalen Zeitalters: „Viele Menschen können heute kaum noch zwischen Influencern und Journalisten unterscheiden. Journalismus ist kein Nice-to-have, es ist Basis.“
Die einheimischen Medienmacher forderten für die Zukunft klare Kriterien. Johannes Kaiser (LIE-zeit) plädierte für Reibung: „Das Marktumfeld ist viel rauer geworden. Vielfalt entsteht nur dort, wo Medienhäuser sich trauen, auch unbequeme Fragen zu stellen.“ Für Carmen Dahl (Liechtensteiner Presseclub LPC) steht das journalistische Handwerk über allem: „Guter Journalismus soll nichts weglassen, er soll aber auch nichts dazu machen. Und das ist das Entscheidende.“ Silvia Abderhalden (exclusiv.li) definierte die Nähe zur Bevölkerung und die Jugend als Fundamente des Neustarts: „Ich glaube auch, dass die Konsumenten daran interessiert sind, etwas zu erfahren, was in der Region passiert. Ich finde ganz wichtig, dass wir auf die Jugend schauen, dass wir die Zukunft fördern.“ Einen wichtigen Impuls für künftige Modelle lieferte schliesslich Gregor Meier (Landesspiegel): „Das Format ist ja nicht entscheidend. Der Output ist für die Förderung irrelevant und das finde ich schon irgendwo schade.“
Jetzt streamen: Alle Links und die gesamte Debatte im Überblick
Die vollständige, rund einstündige Mediendebatte steht ab sofort in voller Länge als Video- und Audio-Podcast zur Verfügung.
👉 Hier geht es direkt zum offiziellen Blog-Artikel auf podcasthus.li – dort finden Sie alle Direktlinks und eingebetteten Player zu den einzelnen Plattformen.
Alternativ kann der Podcast auch direkt über die folgenden Kanäle abgerufen werden:
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- Audio: Die Debatte als Podcast auf Spotify, Apple Podcasts und SoundCloud
BILD:
FOTO: Podiumsdiskussion mit Medienminister Hubert Büchel, Henriette Engbersen (SRG), Markus Klement, RF-Landesdirektor und ganz links Andreas Krättli, Managing Partner, Besitzer AK Digital Media GmbH und Mitgründer ·Podcasthus Liechtenstein als Organisator der Veranstaltung. Foto: Silvia Abderhalden.

