Leserbrief von Beat Schurte, Breiten 19, Eschen zum Thema: LIEWO – 19. April – Mehr Krankheitstage in der Landesverwaltung

 

Die anhaltende Diskussion über steigende Krankheitszahlen bleibt aus meiner Sicht oft zu oberflächlich. Nach vielen Jahren im öffentlichen Dienst habe ich Entwicklungen erlebt, die man nicht länger beschönigen sollte. Natürlich gibt es zahlreiche berechtigte Krankmeldungen, und insbesondere psychische Erkrankungen verdienen volle Anerkennung. Doch gleichzeitig hat sich in Teilen des Systems eine Praxis etabliert, die Missbrauch zumindest begünstigt – wenn nicht sogar stillschweigend toleriert.

Krankschreibungen werden mitunter erstaunlich unkompliziert ausgestellt, teils nach minimalem Kontakt, was zwangsläufig Fragen aufwirft. Problematisch ist dabei auch die Rolle mancher Ärztinnen, Ärzte und Psychiater. So unangenehm es ist, dies auszusprechen: Wo wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen und Patientinnen und Patienten zugleich eine Art „Stammkundschaft“ darstellen, entsteht ein Spannungsfeld. Die Grenze zwischen medizinisch notwendiger Krankschreibung und gefälliger Bescheinigung kann in Einzelfällen verschwimmen – und genau diese Grauzone untergräbt das Vertrauen in das gesamte System. Hinzu kommt eine Entwicklung, die man kaum ignorieren kann: Eine schleichende Abnahme von Disziplin und Eigenverantwortung. Wenn jede Belastung sofort zur Arbeitsunfähigkeit führt und gleichzeitig kaum mit kritischen Nachfragen gerechnet werden muss, entsteht ein Klima, in dem Bequemlichkeit zumindest nicht konsequent sanktioniert wird.

Gerade im öffentlichen Dienst, der sich selbst hohen Ansprüchen verpflichtet sehen sollte, ist das ein ernstes Problem. Das Grundproblem liegt jedoch tiefer: Systeme ohne klare Rückmeldungen, ohne spürbare Konsequenzen und ohne echte Verantwortung öffnen Missbrauch Tür und Tor. Wer hier ausschließlich auf Vertrauen setzt, ohne Kontrollmechanismen zu stärken, handelt fahrlässig gegenüber der Allgemeinheit, die diese Strukturen finanziert.

Es braucht daher eine ehrlichere Debatte – ohne Tabus. Dazu gehören klarere Prozesse bei auffälligen Krankheitsmustern, eine kritischere Auseinandersetzung mit der Rolle der ausstellenden Ärzte sowie Strukturen, die Eigenverantwortung wieder stärker einfordern. Gleichzeitig darf der Schutz tatsächlich Erkrankter nicht aufgeweicht werden. Doch genau dieses Gleichgewicht ist längst aus der Balance geraten.

Wenn die Politik dieses Problem weiterhin kleinredet, riskiert sie langfristig nicht nur steigende Kosten, sondern auch einen Vertrauensverlust in staatliche Institutionen und das Gesundheitssystem insgesamt.