An Ostern 1946 strömten Schaulustige nach Schaan. Angesagt waren Flugtage mit Passagierflügen, Akrobatik und Fallschirmabsprüngen. Auch die Briefmarkenfreunde kamen auf ihre Rechnung, denn von Masescha nach Schaan fand ein Postflug statt: Die mit einem Segelflugzeug transportierten Briefe erhielten einen Aufkleber mit der Bezeichnung «Luftpost» sowie einen Sonderstempel.

 

Brief mit Sonderstempel und Luftpost-Kleber, der auf den Postflug von Masescha nach Schaan
mitgegeben wurde. Foto aus dem Buch «50 Jahre Liechtensteinische Postwertzeichen.

 

Mit dem Abschluss des Postvertrages mit der Schweiz hatte sich Liechtenstein den Zugang zum internationalen Luftpostnetz gesichert. Die Philatelie Liechtenstein, in früheren Zeiten noch Verschleissstelle für Postwertzeichen genannt, entdeckte mit der Luftpost ein attraktives Geschäftsfeld – Sonderbriefmarken, Sonderstempel und Sonderflüge. Einer dieser Sonderflüge, der die Phantasie der Philatelisten anregte, wie speziell frankierte Briefe zeigen, fand von Masescha nach Schaan statt.

Schaan war für den Segelflug, der auf der Triesenberger Sonnenterrasse Masescha startete, für die Landung auserkoren worden, weil die Gemeinde damals einen Flugplatz hatte. Das Flugfeld befand sich gegenüber der Firma Ivoclar, im Volksmund einfach Zahnfabrik genannt. Heute erinnert nur noch der Name einer kleinen Strasse, welche die Tröxlegass mit dem Rosengartenweg verbindet, an die einstigen Flugbewegungen. Eingerichtet hatte den Flugplatz im Jahr 1935 eine Segelfluggruppe, die dort zwei Segelflugzeuge stationiert hatte und auch eine Flugschule betrieb. Aber nicht nur für Segelflugzeuge war das kleine Flugfeld offiziell zugelassen. Auch kleinere Motorflugzeuge durften landen und starten. Leider ereignete sich 1950 ein Unfall, bei dem ein Pilot sein Leben verlor, weshalb das Eidgenössische Luftamt die Einstellung des Flugverkehrs verfügte. Für die Weiterführung des Flugplatzes wäre ein Ausbau des Flugfeldes notwendig gewesen, worauf 1952 aus wirtschaftlichen Erwägungen jedoch verzichtet wurde.

 

Brief vom letzten Postflug aus Anlass des Jubiläums «30 Jahre Flugpostmarken». Foto aus dem Buch «50 Jahre Liechtensteinische Postwertzeichen.

 

Briefmarkenfreunde verschickten 70 Kilo Briefe und Postkarten
An Ostern 1946, als die Zeitungen Werbung für «Flugtage in Schaan» machten, stand der Flugplatz noch für Attraktionen zur Verfügung. Eine davon war der Postflug. Dem Aufruf der Philatelie Liechtenstein, dieses Ereignis für die Erweiterung der Postflug-Sammlung zu nutzen, war ein voller Erfolg beschieden. Zu jener Zeit gab es noch viele Philatelisten, die das «Hobby mit den gezähnten Freunden» mit Leidenschaft betrieben. Rund 70 Kilo Briefe und Postkarten wurden dem Piloten in das Segelflugzeug mitgegeben, das bei schönster Witterung auf Masescha startete. Die Flugpost erhielt nach der Landung auf dem Flugfeld in Schaan den begehrten Sonderstempel «Erster liechtensteinischer Segelgpostflug 1946. Masescha – Schaan 21. April 1946.» Auf Briefen wie auf Postkarten prangte zudem der blaue Aufkleber «Luftpost – Par Avion – Via Aerea», der sonst für Flugpostsendungen nach Übersee verwendet wurde.

Die Briefmarkengeschichte Liechtensteins weist eine Reihe von Sonderbriefmarken mit Flugpost auf, die teilweise in Verbindung mit Sonderflügen ausgegeben wurden – mit Segelflugzeugen, mit Helikoptern oder einem Zeppelin. Der erste Postflug fand 1930 statt und führte von Vaduz nach St. Gallen, wozu speziell für diesen Flug Luftpostmarken herausgegeben wurden. Mehrmals diente auch das Luftschiff «Graf Zeppelin» als Transportmittel für liechtensteinische Luftpost-Aktionen. Der Zeppelin konnte wegen seiner Grösse zwar nicht in Liechtenstein landen, flog aber sehr tief und warf Seile aus, an denen die Postsäcke mit Briefen und Postkarten an Bord gezogen wurden.

Der beschriebene Postsegelflug, der 1946 innerhalb Liechtensteins von Masescha nach Schaan durchgeführt wurde, war gleichzeitig die letzte derartige Flugveranstaltung. In der Nachkriegszeit hatte die Begeisterung der Philatelisten für die Postflüge und die Luftpost etwas nachgelassen. Einmal gab es aber noch eine spezielle Liechtenstein-Flugpost, nämlich zum Jubiläum «30 Jahre Flugpostmarken in Liechtenstein». Am Ausgabetag, dem 7. April 1960, erschienen vier Briefmarken mit den Motiven Helikopter und Flugzeug. Die mit solchen Briefmarken frankierten Briefe und Postkarten wurden mit einem Helikopter von Vaduz nach Zürich geflogen und dort mit einem Zürich-Ankunftsstempel versehen. Das Jubiläum führte nochmals zu einer Begeisterung unter den Philatelisten: Der Hubschrauber transportierte total 16’787 Postsachen –10’185 für Liechtenstein und die Schweiz, 3’889 Briefe ins Ausland sowie 1’631 Inland-Postkarten und 1’082 Ausland-Postkarten.

Rundflüge, Fallschirmabsprung und spektakulärer Segelflug-Start
Wer an Ostern 1946 die Flugtage in Schaan besuchte, kam auch auf die Rechnung, wenn wenig Interesse an der Philatelie, an Sonderbriefmarken oder an Postflügen vorhanden war. Viele nahmen die Gelegenheit wahr, einmal mit einem Flugzeug einen Rundflug zu absolvieren. Die für Passagierflüge bereitgestellten Maschinen hätten den Andrang kaum bewältigen können, schrieb das «Volksblatt», obwohl die zwei Flugzeuge «unermüdlich Rundflüge» ausführten. Wer keinen Platz für einen Rundflug ergatterte, konnte sich an anderen Attraktionen erfreuen, etwa an einem Fallschirmabsprung oder einen «Fesselungsstart» eines Segelflugzeugs. Bei einem solchen Start wurde das Schleppseil nicht an der Rumpfspitze eingehängt, sondern an einer Spezialklinke unter dem Sitz des Piloten. Aufgrund dieser Befestigung bäumte sich das Flugzeug beim Anziehen des Seils spektakulär vorne hoch und stieg wie ein Drachen in die Luft. Wie die Zeitungen damals berichteten, gelang so ein Start zur Begeisterung der zahlreichen Zuschauer.

Weniger Glück hatte dagegen ein Fallschirmspringer, der von einem Flugzeug etwa in eine Höhe von 1000 Metern gebracht wurde. Er sei zwar mustergültig in die Tiefe gestürzt, berichtete ein Reporter, der Fallschirm habe sich kunstgerecht entfaltet – doch der Zielpunkt inmitten der Zuschauer wurde deutlich verfehlt. Die Landung war so weit vom Zielpunkt entfernt, dass der unglückliche Fallschirmspringer mit dem Auto abgeholt werden musste. Mehr Meisterschaft zeigten Segelflugzeuge bei einem Wettbewerb, der am Ostermontag durchgeführt wurde. Für die Piloten war das Regenwetter, das nach einem strahlenden Ostersonntag eingesetzt hatte, offensichtlich kein Problem: Der Sieger setzte den Segler nur ganz knapp neben den Landungspunkt – lediglich 96 Zentimeter.

Über die Flugschau 1946 in Schaan zeigten sich Organisatoren wie Zuschauer begeistert. Weil das Flugfeld relativ klein und damit nicht für alle Flugzeugtypen geeignet war, gab es Diskussionen über die Zukunft des Flugplatzes Schaan. Die Experten gelangten zur beruhigenden Auffassung, mit wenigen Eingriffen könnten bessere Verhältnisse geschaffen werden, insbesondere bei der Anrollpiste. Bei einer Verlängerung auf 200 Meter, lautete die Expertenmeinung, könnte das Flugfeld «in einen ganz idealen Sport- und Tourenflugplatz umgewandelt» werden. Bekanntlich kam es anders. Unmittelbar nach dieser Flugschau wurde keine Verlängerung des Flugplatzes vorgenommen, und nach dem bereits erwähnten tödlichen Unfall 1950 musste der Flugplatz auf Anordnung des Eidgenössischen Luftamtes geschlossen werden. Zwei Jahre nach dem Unfall wurde das Ende des Flugplatzes endgültig besiegelt: Die Gemeinde Schaan, die Regierung und das Schweizer Luftfahrtamt kamen überein, auf einen Ausbau und eine Weiterführung zu verzichten.