Mit einem Tausch-Kauf-Projekt hat die Gemeinde Ruggell mit drei Partnern eine Win-win-win-Situation geschaffen, die für die Zukunft Entwicklungs- und Gestaltungsfreiraum schafft.

Die Gemeinde Ruggell hat für die Entwicklung der Dorf- und erweiterten Zentrums-gestaltung klare Zielsetzungen. Wie Vorsteher Christian Öhri ausführt, habe eine Zusammenarbeit mit der Universität Liechtenstein vom vergangenen Jahr gezeigt, dass die Dorfkernzone und besonders die Dorfstrasse grosses Potenzial haben. «Der Fakt, dass dort aber je länger, je mehr Häuser leer stehen und teilweise baufällig sind, gibt umso mehr Anlass, diese Gestaltungsmöglichkeiten aktiv anzugehen», sagt Christian Öhri und führt weiter aus: «Die Strasse und das angrenzende Gebiet sollen attraktiver gestaltet werden, weg von der jetzigen Wahrnehmung als Durchfahrtsstrasse. Wir möchten das Zentrum beleben und einladender gestalten.» Um eine zukunftsgerichtete Planung in diesem Bereich zu ermöglichen, arbeitet die Gemeinde derzeit auch aktiv an der Überarbeitung der
Bauordnung, die aktuell noch sehr strenge Vorgaben für die Dorfkernzone macht. Es ist das
Ziel, diese etwas lockerer zu gestalten, damit eine potenzielle Bauherrschaft mehr Freiheiten hat bei Neubauten, die eine gewünschte Entwicklung des Dorfcharakters begünstigen.

Tang, Ruggell.
Foto: Paul J. Trummer

Entwicklungspotenzial sichern
Damit sich eine Gemeinde im Zentrumsbereich flexibel entwickeln kann, sind die
Besitzverhältnisse von verfügbaren Grundstücken vielfach sehr entscheidend. In diesem
Sinn ergibt sich für die Gemeinde Ruggell mit dem Angebot, die Liegenschaft an der
Dorfstrasse 29 mit einer Fläche von rund 1700 Quadratmetern zu erwerben, eine einmalige
Chance, genau dieses Entwicklungspotenzial für kommende Generationen zu sichern.
Vorsteher Christian Öhri betont: «Für den Gemeinderat steht dabei in erster Linie die
exzellente Lage der Parzelle im Vordergrund, die in einem Generationenprojekt zum
Dorfcharakter passend gestaltet werden kann. Die langfristige Sicherung dieses
Grundstückes ist das Ziel der Gemeinde. Mit einem Angebot der Eigentümerschaft hat sich
dazu in jüngster Vergangenheit die Möglichkeit ergeben.»

Innovative Unternehmen stärken den Wirtschaftsstandort Ruggell
Im selben Zeitfenster hat sich für den Gemeinderat eine zweite Liegenschaftsthematik
aufgetan. Thomas Büchel von der Büchel Holding dazu: «Wir sind bereits vor einiger Zeit auf den Gemeindevorsteher zugegangen und haben unser Interesse am Erwerb des Bodens im Industriering bekundet, auf dem sich unsere Gebäude im Baurecht befinden. Uns war
bekannt, dass in der Vergangenheit auch andere Unternehmen entsprechende Flächen
erwerben konnten.» Da kleinere Gemeinden bezüglich vorsorglichem Bodenerwerb meist
limitierte finanzielle Mittel haben, ist es wichtig, dass sie Tauschgrundstücke im Besitz
haben. Solche können für eine Gemeinde auch vergebene Baurechte sein. Vorsteher
Christian Öhri: «Dass die Büchel Holding auf die Gemeinde zugekommen ist mit der
Anfrage, das Grundstück, auf dem sie ihre Gebäude im Baurecht errichtet hat, zu kaufen, hat uns somit einige Möglichkeiten eröffnet. Im Sinn der langfristigen und nachhaltigen Planung können wir den Wunsch des Unternehmens nachvollziehen.» Thomas Büchel sagt
seinerseits: «Gerade in einem wirtschaftlichen Umfeld, das zunehmend von Unsicherheiten
geprägt ist, stellt dies ein wichtiges Signal dar – sowohl intern als auch nach aussen. Der Kauf ist gleichzeitig ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Ruggell.» Es freue die
Gemeinde sehr, so Vorsteher Christian Öhri, dass die Büchel Holding damit ein klares
Zeichen für ihre Zukunft am Standort Ruggell setzt.

Kauf- und Tauschgeschäft – eine optimale Option
Die Anfrage der Holding Büchel hat sich, wie dargelegt, vom Zeitpunkt her beinahe mit den
Gesprächen rund um einen möglichen Erwerb der Liegenschaft an der Dorfstrasse 29
gedeckt. «Aufgrund dieser zeitlichen Überschneidung kam schnell die Idee auf, die beiden
Kauf- beziehungsweise Tauschgeschäfte zu kombinieren.» Das Win-win-Ergebnis: So kann
die Büchel Holding im Sinn einer langfristigen Standortplanung ihr bisheriges
Baurechtsgrundstück von der Gemeinde erwerben, und mit diesen Einnahmen kauft die
Gemeinde wiederum die Parzelle samt Liegenschaft an der Dorfstrasse 29.

Gastronomiebetrieb will in die Zukunft investieren
Es kommt noch ein drittes «Win» dazu, wie Vorsteher Öhri hervorhebt: «Dass mit dem
Erwerb des Gebäudes, in dem sich das Restaurant Tang befindet, auch das vorläufige
Weiterbestehen eines beliebten Gastronomieangebots gesichert werden kann, ist natürlich
das I-Pünktchen. Der Gemeinde ist dabei auch wichtig zu betonen, dass sich Yun Yun Ye,
Geschäftsführerin des Restaurants Tang, bei der Ertüchtigung des Gebäudes bereits sehr
stark finanziell beteiligt hat, damit die Infrastruktur für die kommenden Jahre weiter genutzt werden kann. Das Gebäude soll mittelfristig so ausgestaltet werden, dass das für Ruggell wichtige Restaurant das Gastronomieangebot weiterhin beleben kann.

Geschäftsführerin Yun Yun Ye blickt in die Zukunft: «Um den Betrieb zuverlässig
weiterführen zu können, sind gezielte Investitionen notwendig. Dabei geht es insbesondere
um technische Anpassungen, die für einen zeitgemässen Betrieb unerlässlich sind. Unser
Ziel ist es, diese Massnahmen umzusetzen, um unseren Gästen auch künftig ein konstantes
und qualitativ hochwertiges Angebot machen zu können.» Die Restaurantinhaber wollen
diesen besonderen Gastronomietreffpunkt für die Ruggeller Bevölkerung, der auch über die
Gemeindegrenze hinauswirkt, behutsam weiterentwickeln. «Die anstehenden Investitionen
sind für uns nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch eine Herzens-angelegenheit», sagt Yun Yun Ye.

Kreativen und initiativen Gestaltungsspielraum beibehalten
In diesem Sinn ist das Tausch-Kauf-Projekt nicht nur ein klug angelegtes Dreiecksgeschäft,
sondern für alle drei Partner – die Gemeinde, der Eigentümer der Liegenschaft Dorfstrasse
29 und die Büchel Holding – eine Win-win-win-Situation. Vorsteher Christian Öhri zeigt sich
sehr angetan: «Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden: Die Gemeinde hat dadurch die
einzigartige Chance erhalten, die längerfristige Zentrumsentwicklung aktiv anzugehen, und
die Unternehmen können ebenfalls für die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte am
bewährten Standort Ruggell festhalten und weiterplanen. Dies gibt allen einen kreativen und initiativen Gestaltungsspielraum, von dem die Einwohnerinnen und Einwohner von Ruggell profitieren werden.»