Warum dieses Festival auch zu Ihrer Osterwoche gehört

Frau Domjanic, Sie sind nicht nur Geigerin aus Liechtenstein, sondern auch die künstlerische Leiterin des Festivals Musik Arte. Wie beginnt für Sie die Arbeit an einem Programm, das Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen ansprechen soll?

Sara
Für mich steht immer die Frage im Raum, welchen Raum Musik im Alltag der Menschen öffnen kann. Wir alle kennen Momente, in denen eine Melodie etwas in uns weckt, das wir nicht benennen können. Beim Zusammenstellen des Programms denke ich an diese Erfahrung und daran, wie sich Werke gegenseitig spiegeln und erweitern. In diesem Jahr wollte ich den Klang bewusst verbreitern und den Bläsern einen starken Platz geben. So entstehen Kontraste, die neugierig machen und einladen, Neues zu entdecken.

Ihr Eröffnungskonzert verbindet Beethoven und Mozart in derselben Besetzung und Tonart, gefolgt von Dvoraks farbigem Klavierquintett. Was reizt Sie an dieser Kombination?

Sara
Mozart und Beethoven nebeneinander zu hören, ist wie in zwei vertraute Gesichter zu blicken, die doch eine ganz eigene Art haben, Ihnen zuzuwinken. Beide Es Dur Quintette zeigen die Wärme der Bläser und das Gespräch zwischen fünf Stimmen, aber immer mit unterschiedlichem Charakter. Dvorak erweitert den Raum danach in Richtung Spätromantik und weckt Erinnerungen an slawische Tänze und an dieses besondere Ziehen zwischen Melancholie und Lebensfreude. Viele Menschen sagen mir, dass gerade solche Kontraste sie wieder an das eigene Hören heranführen.

Auffällig ist, dass Sie Musikerinnen und Musiker eingeladen haben, die international gefragt sind und in grossen Orchestern wirken. Welche Rolle spielt Ihr persönliches Netzwerk?

Sara
Eine sehr grosse. Viele der Künstlerinnen und Künstler kenne ich seit Jahren von gemeinsamen Projekten. Dieses Vertrauen erlaubt Programme, die sonst schwer umzusetzen wären. Dass Musikerinnen und Musiker aus dem WDR Sinfonieorchester, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder international ausgezeichnete Solistinnen nach Nendeln kommen, ist ein Geschenk. Gleichzeitig entsteht eine Atmosphäre, in der sich auch das Publikum getragen fühlt. Meine Wurzeln in Liechtenstein spielen dabei eine stille, aber wichtige Rolle. Ich weiss, wie sehr Menschen hier kulturelle Qualität zu schätzen wissen, wenn sie ihnen auf Augenhöhe begegnet.

Der Ostersonntag führt zu Bachs Chaconne und selten gespielten Kammermusikwerken von Mozart und Dvorak. Warum gerade diese Stücke?

Sara
Die Chaconne ist für mich eine Einladung zur Sammlung. Viele Besucherinnen und Besucher schätzen solche Momente der inneren Ruhe, gerade in der Osterzeit. Die darauffolgenden Werke sind kleiner besetzt, fast intim, und erlauben eine Nähe, die im Konzertalltag selten geworden ist. Man hört einzelne Stimmen, ihr Aufeinanderhören, ihr Fragen und Antworten.

Ein weiterer Abend bringt das Sárközy Collective auf die Bühne, das Roma Traditionen mit Klassik und Jazz verbindet.

Sara
Ich wollte einen Abend, der uns daran erinnert, dass Musik immer auch Bewegung ist. Das Ensemble ist virtuos, aber vor allem authentisch. Ihr Klang überschreitet Grenzen, ohne sie zu leugnen. Viele Besucherinnen und Besucher erzählen mir später, dass gerade solche Abende unerwartet viel mit ihnen zu tun haben.

Was wünschen Sie sich für die Menschen, die das Festival besuchen?

Sara
Vielleicht entdecken sie in einem Satz von Schubert oder im leisen Zurücktreten der Klarinette bei Brahms etwas, das sie an sich selbst erinnert. Wenn Musik das schafft, hat ein Festival seinen Sinn erfüllt.

Wer diese Woche in Nendeln miterlebt, spürt, wie sich aus einzelnen Abenden ein stiller roter Faden formt. Und vielleicht entsteht gerade daraus eine kleine Tradition für die eigene Osterzeit. Reservieren Sie sich Ihren Platz frühzeitig, wenn Sie diese besondere Woche erleben möchten.

 

Bilder: Sara Domjanic, künstlerische Leiterin des Festivals Musik Arte.Credit für Foto: Daniel Gassner.

 

Musikakademie_Liechtenstein – MusikArte 2025. In Nendeln, am 9.05.2025. (Credits: Daniel Gassner)