Expertenberatung

Leserbrief von Jo Schädler, Bendern

Nun wuchs dem Wellensichtig der Dame Eisenfink aus Triesen, plötzlich und gänzlich unerwartet ein grosses Geschwulst am Genick heran. In der Tierklinik riet man zur sofortigen Operation, die dort zum erstmöglichen Termin liebevoll durchgeführt wurde. Schon wenige Tage später konnte Frau Eisenfink mit dem geliebten Vogel wieder Singübungen machen, mit dem Ziel, die Landeshymne singen zu können.

Ein ähnliches Vogelschicksal trug sich bei Herrn Adolf Weinstöber zu. Weinstöber, seines Zeichens Experte und erfolgreicher Berater von Regierungen und regierungsnahen Organisationen in bestimmten Sach- und Fachfragen jeglicher Art im Allgemeinen und spezieller im Besonderen. Auf einem Mauervorsprung an Weinstöbers Villa hatte ein Spatz sein Nest angelegt. Spatzen nehmen es beim Nestbau nicht so genau, denn Ästhetik sagt dem Spatz nix. Wie bei der Dame Eisenfink geschah auch bei Weinstöber völlig unerwartet, dass der Spatz oft bewusstlos am Boden unter dem Nest lag. Experte Weinstöber wusste aus seiner Beratertätigkeit, dass nur das forsche Tun die Handlung trägt und die Einnahmen sichert. Und so brachte er den Spatz ohne Umschweife zur Klinik. Dort stellte man fest, der Spatz habe einen grossen schweren Klumpfuss, der ihm den horizontalen Flug verunmögliche und er darob an die Hauswand knallt.

Zusammen mit den Ärzten kam Weinstöber zum Schluss, dass es das Beste wäre, wenn man dem Spatz an den zweiten Fuss, auch einen schweren Klumpen annähen würde. Damit erlange er wieder die zum Fliegen notwendige Balance. Erholt von der Operation, stellte der Spatz ernüchtert fest, dass er zwar mit zwei Klumpfüssen wieder horizontal fliegen konnte, aber die Flughöhe zum Nest nicht schafft und weiterhin gegen die Wand kracht.

Was zeigt; etwas mit Menschenverstand und Liebe gemacht, blüht wieder auf. Aber expertenhörige Ärzte, Regierungen und Stammesfürsten, die auf ein Problem noch das nächste nähen, ermüden die Menschen und lassen sie immer wieder unsanft zu Boden sinken.