Nachhaltiger Transformationsprozess – Herausforderung bei Erdgas

Verwaltungsratspräsident Peter Gerner und Geschäftsleiter Michael Baumgärtner (v. l.)

Die Liechtensteinische Gasversorgung (LGV) blickt auf ein äusserst anspruchsvolles Geschäftsjahr 2021 zurück. Sie versorgte rund 5’000 private und gewerbliche Kunden mit Erdgas / Biogas und setzte die Strategie des Ausbaus des zweiten Geschäftsfelds Wärmeversorgung / Erneuerbare Energien konsequent fort. Dabei ist sichdie LGV ihrer ökologischen Verantwortung bewusst und wirkt bei der Gestaltung der künftigen Energielandschaft Liechtensteins nachhaltig und tatkräftig mit.

Der Gewinn der LGV betrug im vergangenen Jahr etwa 1,9 Millionen Franken. Die Gewinnausschüttung an dasLand Liechtenstein als Eigentümer der LGV beläuft sich auf rund 570’000 Franken, die Steueraufwendung auf zirka 80’000 Franken.

Der Absatz von Erdgas / Biogas steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr um über 9 Prozent auf 292,8 Millionen Kilowattstunden. Um etwa 31 Prozent oder 2,1 Millionen Kilowattstunden gesteigert werden konnte der Absatzvon Biogas. Er betrug 8,8 Millionen Kilowattstunden. Dadurch konnten 1’740 Tonnen CO2 eingespart werden.

Die positive Entwicklung der Anzahl der Fernwärmekunden um knapp 14 Prozent auf 201 war auch im Geschäftsjahr 2021 äusserst erfreulich. Infolge der kühlen Witterung sowie der zusätzlichen Abnahme thermischer Energie durch Neukunden steigerte sich der Wärmeverkauf auf 25,1 Millionen Kilowattstunden und somit um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau.

Geschäftsentwicklung 2021
Über die vergangenen Jahrzehnte war die Versorgungssicherheit mit Erdgas in Europa stets gegeben. Die geopolitischeLage wird jeweils über die Börsen eingepreist und beeinflusst somit auch den Beschaffungspreis der LGV für Erdgas. Seit Sommer 2021 beobachteten wir einen deutlichen Anstieg dieser Beschaffungspreise. Prognosen von Analysten gingen mehrheitlich davon aus, dass der starke Anstieg nicht dauerhaft sei. Aufgrund der schwierigen Prognostizierbarkeit der Entwicklung des Erdgaspreises hat sich die LGV bewusst entschieden, die Kundinnen und Kunden im Sinne einer fairen und partnerschaftlichen Beziehung nicht vollumfänglich mit dem Anstieg der Preise imzweiten Semester 2021 zu belasten. Dies führte schliesslich erstmals zu einem Verlust in der Sparte Gashandel. Die Sparten Gasnetz, Wärmeversorgung und Biogasanlage entwickelten sich hingegen unseren Erwartungen entsprechend.

Im Sinne der Wichtigkeit und ungebrochenen Aktualität halten wir an dieser Stelle unsere aus der Energiestrategie 2030 abgeleiteten Zielsetzungen in Richtung CO2-Reduktion fest:

→ Nah- und Fernwärme werden weiter forciert.

→ Die LGV will ihre Nah- und Fernwärme bis 2030 zu 90 Prozent CO2-neutral betreiben.

→ Bis 2050 sollen die Nah- und Fernwärme zu 100 Prozent CO2-neutral sein.

→ Die LGV will ihr Gasnetz bis 2030 zu 30 Prozent ökologisieren (Biogas, synthetische Gase, Wasserstoff).

→ Bis 2050 soll das Gasnetz zu 100 Prozent CO2-neutral sein.

→ Die wirtschaftliche Produktion von Biogas, synthetischen Gasen und allenfalls Wasserstoff soll forciert werden.

Das Wachstum der Nah- und Fernwärme entwickelt sich weiterhin entsprechend unseren Erwartungen. Die angestrebte Dekarbonisierung und Ökologisierung des Gasnetzes ist jedoch anspruchsvoll – insbesondere für eine Steigerung der inländischen Produktion von Biogas.

Thermische Energie 2021
Die LGV hat sich in der Vergangenheit im Zeichen des Service public etabliert und steht für Versorgungssicherheit sowie Wirtschaftlichkeit. Dabei rückte über die vergangenen Jahre zusätzlich die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit vermehrt in den Fokus. Die Umsetzung eines Teils der Energiestrategie 2030 mit der Forcierung der Wärme- und Kälteversorgung steht ebenfalls klar im Einklang mit dem Service public.

In den Nahwärmeversorgungen Bendern, Eschen, Triesen und Triesenberg wurde jeweils der Versorgungsradius erweitert. Etliche Neukunden wurden akquiriert und zahlreiche Liegenschaften angeschlossen.

In Mauren entsteht beim Neubau des Kindergartens und der Turnhalle ebenfalls eine neue Heizzentrale, welche mit der Heizzentrale Gemeindezentrum verbunden wird. In diesem Zusammenspiel sollen im Winter ein Holzkessel und im Sommer eine Luft-Wärmepumpe die wichtigsten Erzeugungsanlagen für thermische Energie sein.

Im Zuge der Sanierung der Landstrasse wurde vergangenes Jahr die zweite Etappe des Hauptleitungsprojekts einerneuen Wärmeversorgung Ruggell realisiert. Weiter wurden im Jahr 2021 in diesem Zusammenhang Abklärungen bezüglich der thermischen Nutzung des Grundwassers erfolgreich abgeschlossen.

Die Hauptleitungen der Fernwärmeversorgung Schaan ab der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Buchs wurden imvergangenen Jahr ab der Zollstrasse in Richtung Süden über Im Krüz zur ÖBB-Bahnlinie verlängert. Diese sollen kurzfristig in Richtung Süden bis zur Wiesengass erweitert werden. Ab diesem Punkt sollen die Hauptleitungen aufgeteilt werden – ein Strang nach Osten ins Schaaner Zentrum und einer nach Süden in Richtung Vaduz.

Im Jahr 2021 wurde der Grundstein für das derzeit für die Energiestrategie 2030 wohl bedeutendste Projekt gelegt. Im Zuge von grossflächigen Erweiterungs- und Neubauten, aber auch bestehender Liegenschaften des Dienstleistungssektors und der öffentlichen Verwaltung konnte mit der Gemeinde Vaduz und der Landesverwaltung innerhalb kürzester Zeit ein gesamtheitliches Fernwärmeprojekt von der Schaaner- bis zur Triesner Gemeindegrenze bzw. über das gesamte Vaduzer Gemeindegebiet ausgearbeitet werden.

Gleichzeit mit dem Bau der Fernwärmeversorgung wird auch eine Kälteversorgung im Vaduzer Zentrum erstellt. Dafür soll im Gebiet Haberfeld das Grundwasser thermisch genutzt werden.

Ausblick 2022
Das Geschäftsjahr 2022 steht weiter und nochmals akzentuierter im Zeichen des Transformationsprozesses vom reinen Gasversorger zum allgemeinen Wärmedienstleistungsunternehmen. Die Ökologisierung der Gas- undWärmeversorgung steht dabei auch künftig im Fokus, wofür verschiedenste Investitionen in Höhe von 17,4 Millionen Franken geplant sind. 94 Prozent davon werden voraussichtlich in den weiteren Ausbau der Nah- und Fernwärme fliessen. Dabei ist im Besonderen die Fernwärme- und Kälteversorgung Vaduz als wichtigster Meilenstein und Leuchtturmprojekt hervorzuheben. Die LGV wird die Energielandschaft Liechtensteins auch über die nächsten Jahre proaktiv mitprägen, um so nachhaltige Fortschritte in der Umsetzung der Energiestrategie 2030 und der Energievision 2050 zu ermöglichen. Dabei freut sich die LGV auf die weiterhin konstruktive und professionelle Zusammenarbeit mit dem liechtensteinischen Gewerbe als starkem Partner.

Gaspreis-Anpassung per 1. April 2022
Die vergangenen Wochen und Monate waren im europäischen Energiemarkt äusserst dynamisch und von so nichtgekannten Steigerungen der Beschaffungspreise für Primärenergie geprägt. Dies hat auch erhebliche Auswirkungen aufdie Energiepreise in Liechtenstein. Derzeit erfährt die Branche eine Marktsituation, die bis anhin so nicht gekannt war.Beim Erdgas haben sich die Preise der Termingeschäfte für das Frontjahr seit Ende 2020 fast verzehnfacht und Anfang 2022 nochmals neue Höchstwerte erreicht. Solche Höchststände sind noch nie dagewesen. Die historischen Höchstwerte im Terminmarkt zeigten sich im Sommer 2008, als die Ölpreise ebenfalls historische Rekordwerte erzielten, allerdings drei- bis viermal geringer als Ende 2021. Tagespreise sind seit den historischen Tiefstwerten nachAusbruch der Corona- Pandemie gar teilweise um mehr als das Fünfzigfache gestiegen und erreichen ebenfalls neue Höchstwerte. Diese Preis-Rally ist auch Anfang 2022 ungebrochen, und in den letzten Wochen sind die Preise im Kontext des Russland-Ukraine-Krieges nochmals regelrecht in die Höhe geschossen.

Da die Gasbeschaffung für die Kundinnen und Kunden zeitlich gestaffelt vorgenommen wird, ist die LGV von dieser Markt- und Preisentwicklung je länger desto mehr betroffen. Der fortwährende massive Preisanstieg macht eine Preiskorrektur unumgänglich. Aufgrund der partiell im Voraus getätigten Beschaffung muss die LGV lediglich einen Teil des markanten Preisanstiegs weiterbelasten. Dies bedeutet, dass per 1. April 2022 eine Preiserhöhung auf Erdgas von 3,0 Rappen pro Kilowattstunde und auf Biogas von 1,0 Rappen pro Kilowattstunde vorgenommen werden muss. Die LGV-Preise sind im Benchmark zu Schweizer Energieversorgern weiterhin überaus wettbewerbsfähig.

Die Lage wurde und wird weiterhin sorgfältig beobachtet. Infolge der derzeitigen unvorhersehbaren Marktentwicklungen und Volatilitäten sind kaum fundierte Prognosen in dieser Thematik möglich.

Kennzahlen
Kennzahlen sind dem Geschäftsbericht 2021 auf den Seiten 6 und 7 zu entnehmen.