«Ich wünsche mir mehr Förderung für Sprachaufenthalte»

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Der Landtagsabgeordnete Johannes Kaiser im Gespräch mit der zielstrebigen und sympathischen jungen Erwachsenen Jana Simonetta (21) aus Gamprin.

Jana Simonetta (21) aus Gamprin durfte sich im September nach einem hervorragenden Lehrabschluss als Medizinische Praxisassistentin EFZ auf Schloss Vaduz mit der absolut Top-Note von 5.7 ins Goldene Buch eintragen. Derzeit arbeitet sie mit grosser Freude in einer Arztpraxis in Ruggell. Ihr Ziel ist es, eine Weiterbildung in der Labormedizin oder in einem anderen Fachgebiet des Gesundheitswesens zu absolvieren. Im Gespräch gibt sie einen tollen Einblick darin, wie sie über diverse Themen denkt und welche Ideen sie hat.

Wie erlebst du und wie erleben die Jugendlichen die Corona-Zeit mit ihren einschneidenden gesellschaftlichen Massnahmen?
Jana Simonetta:
Es ist eine sehr spezielle Zeit für uns alle. Man ist es sich gewöhnt, zu jeder Zeit überall hingehen zu können. Die Umstellung ist für uns daher mühsam, jedoch notwendig. Jetzt sind Durchhaltevermögen und Disziplin von der gesamten Bevölkerung – einschliesslich uns Jugendlichen – gefragt. Der Freiheitsdrang und die Ermöglichung neuer Erfahrungen wie Reisen, Freunde treffen, Sport etc. werden insbesondere den Jugendlichen durch die Masssnahmen eingeschränkt.

Welche Massnahmen der Politik findest du richtig und welche sind für dich problematisch?
In dieser Frage bin ich zwiegespalten. Ich finde es gut und richtig, dass strenge Massnahmen ergriffen worden sind. Die Eindämmung des Virus‘ hat momentan höchste Priorität. Jedoch habe ich grosses Mitgefühl mit all denjenigen, die durch die Massnahmen hohe Verluste einfahren und in finanzielle Nöte geraten. Was zudem meiner Meinung nach nicht ausser Acht gelassen werden sollte, sind die gesellschaftlich-psychologischen Folgen, die diese Einschränkungen mit sich bringen.

Gerne wird das Lippenkenntnis gegeben, dass die Jugend sowie deren Ausbildung eine unserer wichtigsten Ressourcen ist. Wird in der Bildung für die Schüler und Jugendlichen in Liechtenstein genug getan?
In Liechtenstein wird meines Erachtens viel in Schulen und Ausbildungsstätten für die Bildung getan. Das duale Bildungssystem ist meiner Ansicht nach eine gute Vorbereitung auf den Berufseinstieg. Dies ist einzigartig in Liechtenstein und der Schweiz. In meiner Schul- und Ausbildungszeit wurde auf die englische Sprache Wert gelegt. Eine selbststimmte und intensivierte Förderung  ist mir vor allem in der Oberschule und im Freiwilligen 10. Schuljahr zugutegekommen. Ich fühle mich in dieser Sprache gut ausgebildet. 

Sollte die Sprachkompetenz in den Schulen mit Sprachaufenthalten nicht wesentlich besser gefördert werden?
Meines Wissens werden viele Sprachaufenthalte auf eigene Initiative durchgeführt und wenige werden durch die weiterführenden Schulen ermöglicht. Ich selbst hatte Glück und durfte durch die Schule an einem zweiwöchigen Sprachaufenthalt in Cambridge teilnehmen. Das war eine sehr bereichernde Erfahrung für mich. Ich wünsche doch sehr, dass mehr Jugendlichen mit Sprachaufenthalten gefördert werden. 

Welchen gesellschaftspolitischen Themen sollte sich die Politik deines Erachtens dringend stärker annehmen? Wo erwartest du mehr Mut von den Politikern?
Ich erwarte mir, dass die Politiker Themen wie Lohngleichheit von Mann und Frau, öffentlicher Verkehr, Leben im Alter und Umwelt auf ihre Agenda setzen. Ich denke, dass jedes einzelne dieser Themen Mut und eine intensive Auseinandersetzung im Landtag bedingt. Alle diese Themen sind dringend, da sie von aktueller Bedeutung sind. Dies empfinde wahrscheinlich nicht nur ich so, sondern auch viele andere Jugendliche.

Wie denkst du über ein mögliches Wahlalter mit 16?
Gemäss Wahlbarometer von «Vielfalt in der Politik» liegt das Durchschnittsalter der Abgeordneten bei 54 Jahren. Das ist sehr hoch, die junge Gesellschaftsschicht ist nicht genügend im Landtag vertreten. An dieser Tatsache wird allerdings auch das Wahlalter 16 nicht viel ändern. Ich denke, die heutige Regelung ist gut. Mit 18 Jahren ist man reifer und setzt sich vermehrt mit politischen Themen auseinander. Was meiner Meinung nach wichtiger ist als das Wahlalter 16, ist, die jungen Leute für die Politik zu interessieren und sie für junge Menschen zugänglich zu machen.