Gastbeitrag: Solidarität ist eine Gemeinschaftsleistung

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Das Wort der Stunde – wenn nicht sogar des Jahres ist «Solidarität». Regierungsrätin Katrin Eggenberger über einen Begriff, der uns alle beruflich und privat begleitet.

Durch die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie hat sich 2020 zu einem Jahr entwickelt, in dem die einzelnen Bürgerinnen und Bürger dazu angehalten werden, sich wieder verstärkt als Einheit zu begreifen und sich miteinander solidarisch zu zeigen. Dass das schwierig ist, ist völlig verständlich. Es ist ein harter Schwenk in einem Zeitalter, das massiv vom Individualismus geprägt ist. Heutzutage ist es modern, anders als die anderen zu sein, es ist modern, seine Eigenheiten zu kultivieren und es abzulehnen, in der Menge unterzugehen. 

Genau heute vor einem Jahr, am 7. November 2019, veröffentlichte das St.Galler Tagblatt einen Artikel mit dem Titel «Im Fürstentum regiert künftig eine ehemalige Synchronschwimmerin mit». Darin hiess es: «Eggenberger bringt zwar keine politische Erfahrung mit, als ehemalige Synchronschwimmerin dürfte sie mit dem Kollegialprinzip aber bestens vertraut sein.» Als positivste Eigenschaft wurde demnach meine Fähigkeit genannt, meine Individualität für das grosse Ganze zu opfern. Wenn auch vielleicht wenig schmeichelhaft, war diese Einschätzung des Tagblatts doch völlig korrekt. Als Synchronschwimmerin war ich es durchaus gewohnt, persönliche Befindlichkeiten für das grosse Ganze – für den Wettbewerb zu zweit oder als Team – beiseite zu lassen. 

Auch die Einwohnerinnen und Einwohner Liechtensteins sind eine Einheit. Ein Team, das zu grosser Solidarität fähig ist. Als Aussenministerin weiss ich, wovon ich spreche, denn ein wichtiger Pfeiler der liechtensteinischen Aussenpolitik ist die Solidarität. Unser finanzielles Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit belegt das deutlich. Als Staat zeigen wir uns solidarisch mit verschiedenen Regionen der Welt und tragen dazu bei, dort Not und Armut zu lindern. Die Internationale Humanitäre Zusammenarbeit und Entwicklung (IHZE) Liechtensteins umfasst alle Formen des Engagements unseres Landes im humanitären und entwicklungspolitischen Bereich: von Flüchtlings- und Migrationshilfe über Not- und Wiederaufbauhilfe bis hin zur bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit.

Und als Kulturministerin kann ich bestätigen, dass sich wir Liechtensteinerinnen und Liechtensteinerinnen uns auch im Inland solidarisch mit jenen zeigen, die darauf angewiesen sind. Um die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie zu lindern, haben wir unter anderem das Projekt KULTURKANAL geschaffen, eine Plakatausstellung zum Thema «Solidarität», die im Sommer vor dem Regierungsgebäude stattgefunden hat. Und bei «Mit Abstand auf Kultour» wurde in der heissen Jahreszeit die kleinste Bühne Liechtensteins bespielt. Aktionen, die von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurden. Schritt für Schritt war es möglich, den professionell arbeitenden Kreativen und ihrer Kunst wieder einen Platz zu geben. Dieser Erfolg freute mich als Kulturministerin ganz speziell. 

Als Regierung sind unsere Mittel begrenzt, gegen die Folgen des Coronavirus anzukämpfen. Wir können wirtschaftliche Stützmassnahmen, Hygienekonzepte und Solidaritätsprojekte beschliessen. Aber ohne die Mithilfe der Bevölkerung, ohne die gelebte Solidarität von Ihnen allen, funktionieren die Massnahmen nicht. Die nächsten Monate werden schwierig. Ich bitte Sie, halten Sie sich an die beschlossenen Massnahmen. Zeigen Sie sich solidarisch mit jenen, die es im Moment schwerer haben als Sie selbst. Die Möglichkeiten dafür sind zahlreich: Bestellen Sie bei Ihrem liebsten Restaurant Speisen zum Mitnehmen, besuchen Sie kulturelle Veranstaltungen, fragen Sie jemanden aus einer Risikogruppe, ob er Hilfe braucht… Werden Sie Teil des «Teams Liechtenstein». Denn nur gemeinsam können wir erfolgreich sein.