FMA präsentiert Bericht zur Stabilität des Liechtensteiner Finanzsektors

105
  • Der diesjährige Bericht legt einen speziellen Fokus auf die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen.
  • Der Liechtensteiner Finanzsektor befindet sich trotz des globalen Wirtschaftseinbruchs weiterhin in einem stabilen Zustand. Der Bankensektor hat die Krise bisher bemerkenswert gut überstanden.
  • Die privaten Haushalte in Liechtenstein sind aufgrund der hohen Verschuldung verwundbar bei Zinsanstiegen.

Die FMA hat heute die Ausgabe 2020 des Finanzstabilitätsberichts zum Liechtensteiner Finanzsektor veröffentlicht. Da Liechtenstein über keine eigene Zentralbank verfügt, liegt die rechtliche Verantwortung, zur Finanzmarktstabilität in Liechtenstein beizutragen, bei der FMA. Insgesamt zeigt sich der Liechtensteiner Finanzsektor stabil. Der Bericht beurteilt die systemischen Risiken als relativ begrenzt.

Finanzsektor bleibt auch in turbulentem Umfeld stabil
Der Liechtensteiner Finanzsektor befindet sich trotz des konjunkturellen Einbruchs aufgrund der Corona-Pandemie in einem guten Zustand. Als kleine und offene Volkswirtschaft ist Liechtenstein zwar stark vom globalen Wirtschaftseinbruch betroffen. Regierung und Landtag haben aber schnell reagiert und ein umfassendes Fiskalpaket auf den Weg gebracht, um die Folgen der globalen Rezession abzuschwächen und den Arbeitsmarkt während des Lockdowns zu schützen. Der Finanzsektor hat sich in der Krise bisher als sehr widerstandsfähig erwiesen.

Der Bankensektor hat ebenso wie der gesamte Finanzsektor den globalen Wirtschaftseinbruch bislang bemerkenswert gut überstanden. Trotz eines erheblichen Rückgangs der verwalteten Kundenvermögen im Zuge der Finanzmarktkorrektur konnte der liechtensteinische Bankensektor im ersten Halbjahr seine Profitabilität sogar steigern, wobei auch die Kapitalisierung entgegen dem internationalen Trend zunahm. Die Unsicherheit bleibt im aktuellen Finanzmarktumfeld jedoch hoch. Neben den negativen Effekten der Rezession, die im Finanzsektor wohl erst mit erheblicher Verspätung sichtbar werden, stellen niedrige Zinssätze und hohe Bewertungen an den Aktienmärkten zusätzliche Herausforderungen für die zukünftige Profitabilität der Finanzintermediäre dar.

Risiken bei privaten Haushalten
Liechtensteins privater Haushaltssektor ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich verschuldet. Die Verschuldungsquote der liechtensteinischen Haushalte beträgt etwa 121% des BIP oder 226% des verfügbaren Einkommens – beides sind im europäischen Vergleich absolute Spitzenwerte. Die hohe Verschuldung wird hauptsächlich durch Hypotheken getrieben, wobei in Liechtenstein – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – ein Kreditmodell üblich ist, bei dem in vielen Fällen die erste Hypothek nicht amortisiert wird. Daraus ergibt sich, dass nicht nur junge Haushalte, die gerade Eigentum angeschafft haben, hoch verschuldet sind, sondern auch solche, bei denen der Erwerb des Eigentums schon deutlich länger zurückliegt.

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld seit der globalen Finanzkrise hat die Anreize für eine hohe Verschuldung dabei weiter verstärkt. Eine hohe Verschuldung macht die Haushalte anfälliger für abrupte Zinsanstiege oder andere negative makroökonomische Entwicklungen. Die Rückkoppelungseffekte auf die Realwirtschaft wären im Falle einer Immobilienkrise in Liechtenstein jedoch schwächer als in anderen Ländern, da der Binnenmarkt eine geringere Rolle spielt.

System zur Gewährleistung der Finanzstabilität hat sich bewährt
Liechtenstein hat in den vergangenen Jahren ein ausgewogenes System zur Gewährleistung der Finanzstabilität eingerichtet. Zu diesem System zählt auch der Ausschuss für Finanzmarktstabilität, der im vergangenen Jahr geschaffen wurde.

In der Krise hat sich das System bewährt und die Kooperation und den Austausch zwischen den verantwortlichen Institutionen erleichtert. Vor dem Hintergrund des grossen Finanzsektors und seiner Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft ist eine laufende und sorgfältige Analyse der verschiedenen Risikofaktoren unabdingbar, um die verfügbaren makroprudenziellen Instrumente angemessen kalibrieren zu können und somit nachhaltig zur Stabilität des Finanzsektors beizutragen.