Homeoffice – rechtliche Hürden abbauen

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Doris Quaderer, Projektleiterin der Stiftung Zukunft.li

Homeoffice bietet viele Vorteile und vergleichsweise wenige Nachteile. Gerade eine Mischform aus Arbeit zu Hause und im Betrieb scheint ein Modell mit viel Potenzial zu sein. Zunächst gilt es jedoch, eine rechtliche Hürde zu überwinden, wie Doris Quaderer, Projektleiterin bei der Stiftung Zukunft.li und Autorin eines Fokuspapiers zum Thema Homeoffice, aufzeigt.

«Wenn die Politik das Thema nicht aufgreift, haben wir ein Problem», sagte Stiftungsratspräsident Peter Eisenhut bei der Präsentation des Fokuspapiers zum Homeoffice. Warum das? Bis Mitte März hatten wir ja auch kein Problem mit einer niedrigen Home-office-Rate?
Doris Quaderer:
Die Ausgangslage hat sich geändert. Der Homeoffice-Trend ist ja nicht neu, die Pandemie hat dieser Arbeitsform jedoch massiv Schub verliehen. Unsere Umfrage, an der sich 125 Liechtensteiner Unternehmen mit 14’000 Angestellten beteiligt haben, zeigt, dass heute viele Führungskräfte und Mitarbeitende deutlich positiver zu Homeoffice eingestellt sind als vorher. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass sich künftig eine Mischform von Homeoffice und Präsenz am Arbeitsplatz etablieren wird. Bei den Grenzgängern, die hierzulande 56 Prozent der Beschäftigten ausmachen, stossen die Unternehmen jedoch bezüglich Homeoffice an rechtliche Grenzen. Es ist ein Nachteil für unseren Werkplatz, wenn Unternehmen zeitgemässe Arbeitsformen nicht in gewünschtem Umfang anbieten können.  

Was finden Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit den neuen Erkenntnissen aus dem Shutdown plötzlich so gut an der Arbeit von zu Hause aus? Worin liegen die Vorteile?
Zwei Drittel der von uns befragten Unternehmen gaben an, dass dadurch die Arbeitgeberattraktivität steigt, sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen und das Verkehrsproblem eingedämmt werden könnte. Andere Umfragen zeigen, dass sich die Option, im Homeoffice zu arbeiten, positiv auf Arbeitszufriedenheit und -leistung auswirkt. Die gewonnene Freizeit durch den Wegfall des Arbeitsweges ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Wer diesbezüglich Flexibilität bieten kann, hat auf dem Arbeitsmarkt einen Vorteil. 

Gibt es, bei aller Begeisterung, auch Nachteile?
Natürlich. Neben all den rechtlichen Aspekten, die problematisch oder unklar sind, gaben mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen an, dass Führung und Organisation anspruchsvoller werden. Für rund 70 Prozent sind mangelnde Team-Zusammengehörigkeit oder der grössere Aufwand bei der Datensicherheit ein Problem. 

Als Hauptproblem bei einer stärkeren Nutzung von Homeoffice hat Zukunft.li die rechtlichen Vorgaben zu den Sozialversicherungen ausgemacht. Worin liegt konkret das Problem?
Sowohl mit den EU/EWR-Staaten als auch mit der Schweiz wird die sozialversicherungsrechtliche Unterstellung in speziellen Übereinkommen geregelt. Diese kommen dann zur Anwendung, wenn eine Person parallel in zwei Staaten tätig ist. Damit betreffen sie auch Grenzgänger, die teilweise im Homeoffice arbeiten. Wenn ihr Homeoffice-Anteil die Schwelle von 25 Prozent übersteigt, müssen sie am Wohnort den Sozialversicherungen, also Altersvorsorge, Unfallversicherung, Arbeitslosengeld usw. unterstellt werden – mit entsprechenden administrativen und finanziellen Konsequenzen. 

Wie könnte die Lösung aussehen und was kann Liechtensteins Politik konkret unternehmen?
Die Politik könnte versuchen, bilaterale Lösungen mit den Nachbarländern auszuhandeln. Dabei könnte beispielsweise angestrebt werden, Homeoffice von dieser Regelung auszunehmen oder diese 25-Prozent-Schwelle zu erhöhen. Ein von uns in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zeigt, dass bei vorhandenem politischen Willen Spielraum besteht.

Hand aufs Herz: Wird die Euphorie nicht abebben, sobald einmal ein Impfstoff gefunden ist oder das Virus seinen Schrecken auf andere Art und Weise verliert?
Umgekehrt gefragt: Wenn Homeoffice technisch möglich ist und erwiesenermassen gut funktioniert, warum sollte man sich den Pendlerstress und die unter Umständen nervigen Arbeitskollegen noch jeden Tag antun? Vertrauensarbeitszeit galt auch lange als undenkbar, heute ist sie vielerorts Normalität. Warum sollte das bei Homeoffice anders sein? 

Wir sollten uns daher auf diese Entwicklung einstellen und Rechtssicherheit schaffen.