Hochwasserschutz und Renaturierung am Alpenrhein

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Regierungsrätin Dominique Hasler, Liechtenstein; Landesrat Christian Gantner, Vorarlberg; Regierungsrat Mario Cavigelli, Graubünden; Regierungsrätin Susanne Hartmann, St. Gallen und Joseph Eberli, Bundesvertreter CH

Die Internationale Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) hat am 9. Oktober 2020 in St. Gallen getagt. Dabei wurde sie über wichtige laufende Projekte zum Hochwasserschutz und zur Renaturierung am Alpenrhein informiert.

Die Untersuchungsergebnisse des jüngsten fischökologischen Monitorings Alpenrhein wurden präsentiert. Die Ergebnisse bestätigen die ökologischen Defizite am Alpenrhein. Sie zeigen den Handlungsbedarf für die Renaturierungsprojekte. „Die Bemühungen, den Alpenrhein gezielt ökologisch aufzuwerten, sind zeitgemäss und neben der Verbesserung des Hochwasserschutzes nach wie vor wichtig“, erklärte der Vorsitzende der IRKA, Regierungsrat Mario Cavigelli aus dem Kanton Graubünden.
Fischökologisches Monitoring Alpenrhein – Ergebnisse 2020
Im Herbst 2019 wurden im Auftrage der IRKA fischökologische Untersuchungen entlang des gesamten Alpenrheins und an seinen größeren Zuflüssen durchgeführt. Diese Untersuchungen sind ein wichtiger Teil der ökologischen Bestandsaufnahmen, welche die IRKA-Länder alle sechs Jahre gemeinsam durchführen.
Die Ergebnisse zeigen eine weitere Abnahme der Fischdichte bei fast allen Arten am Alpenrhein. Die Bewertung des fischökologischen Zustands bestätigt die bisherigen Defizite. Während im Oberlauf nur fünf Arten (Bachforelle, Seeforelle, Strömer, Groppe und Regenbogenforelle) festgestellt wurden, sind es flussabwärts der Illmündung deren 15. Dies zeigt, ebenso wie das Vorkommen der Seeforellen im gesamten Alpenrhein, die große Bedeutung der Vernetzung mit dem Bodensee.
Lediglich die europaweit geschützte Art Strömer scheint mit den sehr eingeschränkten Lebensbedingungen im Alpenrhein zurecht zu kommen und konnte ihre Dominanz sogar erhöhen. Auch die Zubringer am Alpenrhein vermögen die Defizite im Rhein nicht zu kompensieren und weisen keinen guten fischökologischen Zustand auf.
Der Bericht mit den Untersuchungsergebnissen kann unter www.alpenrhein.net/Fachmaterial/Publikationen heruntergeladen werden.
Wichtigkeit der geplanten Renaturierungsprojekte
Die Mitglieder der IRKA sind sich einig, dass die Untersuchungsergebnisse die Wichtigkeit der Weiterführung der aktuell intensiv laufenden Renaturierungsanstrengungen am Alpenrhein unterstreichen. „Es ist ein wesentliches Ziel der IRKA, auch den ökologischen Zustand zu verbessern“ betont der Vorsitzende Mario Cavigelli. Hierzu sind verschiedene Projekte in allen IRKA-Ländern bereits in Vorbereitung, wie das Hochwasserschutzprojekt Rhesi (Rhein – Erholung und Sicherheit) oder Aufweitungs- bzw. Renaturierungsprojekte in Liechtenstein, St. Gallen und Graubünden.
Information über aktuelle Projekte zu Hochwasserschutz und Ökologie
Die Vertreter der IRKA wurden im Rahmen der Sitzung über die wichtigen nationalen Projekte am Alpenrhein und seinen Zuflüssen informiert. Insbesondere wurde über das Hochwasserschutzprojekt Rhesi (Rhein – Erholung und Sicherheit) sowie über die Ertüchtigung der Rheindämme und ökologischen Verbesserungen auf der Strecke Liechtenstein / St. Gallen berichtet. Beim Projekt Rhesi werden derzeit Untersuchungen des Baugrundes, ökologische Kartierungen und Vermessungen durchgeführt. Diese Untersuchungen liefern wichtige Daten für die bevorstehenden Genehmigungsverfahren. Die Unterlagen dazu sollen bis Ende 2021 vorliegen. Beim Projekt Ertüchtigung Rheindämme wurde der Inhalt des Strategieberichts vorgestellt.
Dieser orientiert sich an den übergeordneten Planungen der IRKA und sieht auf Grundlage des gemeinsam erarbeiteten Entwicklungskonzeptes Alpenrhein ein zwischenstaatlich abgestimmtes Vorgehen vor. Die Strategie beinhaltet die Aspekte des Hochwasserschutzes und der Ökologie. Im Weiteren wurde über den Stand des Projektes zur Aufweitung in Bad Ragaz und Maienfeld orientiert. Weitere Verbesserungen sollen mit Sanierungen von Schwall und Sunk angegangen werden. Hierzu laufen bereits seit mehreren Jahren Untersuchungen, damit entsprechende Projekte umgesetzt werden können.
Wer ist die IRKA? Die Mitglieder der Internationalen Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) treffen sich einmal jährlich zu einer Kommissionssitzung. Dabei wird über den Stand der laufenden Projekte berichtet. Ebenso werden anstehende aktuelle Themen erörtert sowie Beschlüsse zu neuen Projekten gefasst.
Die Regierungen des Fürstentums Liechtenstein, des Landes Vorarlberg und der Kantone Graubünden und St. Gallen verfolgen im Rahmen der „Kooperationsvereinbarung Alpenrhein“ seit Dezember 1995 als übergeordnetes Ziel, eine sichere und nachhaltige Entwicklung zum gemeinsamen Nutzen des Alpenrheingebiets zu fördern, insbesondere die Gewährleistung der Hochwassersicherheit, die sparsame und umweltverträgliche Nutzung von Raum und Ressourcen sowie die Erhaltung und Mehrung der Naturwerte am Alpenrhein.
Mitglieder der IRKA sind Regierungsrat Mario Cavigelli (Kanton Graubünden, Vorsitz), Regierungsrätin Susanne Hartmann (Kanton St. Gallen), Regierungsrätin Dominique Hasler (Fürstentum Liechtenstein) und Landeshauptmann Markus Wallner (Vorarlberg). Als Vertreter der Republik Österreich nimmt Heinz Stiefelmeyer (Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus) und als Vertreter der Schweiz Josef Eberli (Bundesamt für Umwelt) an den jeweiligen IRKA-Sitzungen teil.