TV-Duell zur US-Wahl: Unwürdiges Schauspiel

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Donald J. Trump und Joe Biden vor US-Flagge (Fotomontage). Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2020 ist für den 3. November 2020 vorgesehen. Es ist die 59. Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. | Verwendung weltweit

 

Washington – Das erste TV-Duell von US-Präsident Donald Trump und seinem Wahl-Herausforderer Joe Biden, das in der Nacht zum Mittwoch überragen wurde, war geprägt von Chaos, Unterbrechungen und gegenseitigen Beleidigungen. «Das war ein unwürdiges Schauspiel, was die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Joe Biden rund 100 Mio. TV-Zuschauern beim ersten TV-Auftritt zeigten», äusserten sich USA-Korrespondenten.

Trump gab in der Fernsehdebatte den Ton vor, indem er dem Herausforderer Biden der oppositionellen Demokraten ständig ins Wort fiel.

Biden wiederum bezeichnete Trump als „Lügner“, „Clown“ und „Rassisten“ – und fuhr ihn einmal mit den Worten „Halt den Mund, Mann!“ an.

Trump verweigert Zusage

Für Aufsehen sorgte auch, dass Trump fünf Wochen vor der Präsidentschaftswahl am 3. November erneut eine Zusage verweigerte, seine mögliche Niederlage anzuerkennen. Vielmehr wiederholte der republikanische Amtsinhaber seine Behauptung, bei Briefwahlen werde es zu massivem Betrug kommen.Der Rechtspopulist weigerte sich auch, rassistische Gruppen zu verurteilen. Stattdessen sagte er mit Blick auf eine rechtsextreme Gruppierung: „Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit.“

Trumps Aggressivität überraschte gar eigene Parteikollegen

Beobachter hatten erwartet, dass der in Umfragen zurückliegende Präsident aggressiv in das in Cleveland im Bundesstaat Ohio ausgetragene Fernsehduell gehen würde. Wie weit Trump in der Debatte 35 Tage vor der Wahl ging, überraschte aber selbst Parteikollegen.

Neben den ständigen Unterbrechungen mit lauter Stimme warf Trump seinem Rivalen vor, die „radikale Linke“ habe ihn um den „kleinen Finger gewickelt“. Der frühere Vizepräsident sei zudem alles andere als „schlau“.

Der Präsident attackierte Biden auch für Geschäfte von dessen Sohn Hunter in der Ukraine und mit China. Außerdem machte er sich darüber lustig, dass sein 77-jähriger Herausforderer wegen der Corona-Pandemie so häufig eine Schutzmaske trage – „die größte Maske, die ich jemals gesehen habe“.

Biden bezeichnete Trump als „Lügner“

Biden hielt aber dagegen – und fuhr selbst scharfe Attacken gegen den Präsidenten. „Alle wissen, dass er ein Lügner ist“, sagte der Ex-Vizepräsident. Er machte Trump für das verheerende Ausmaß der Corona-Krise in den USA mit bislang mehr als 205.000 Toten verantwortlich und bezeichnete ihn als „schlimmsten Präsidenten, den Amerika jemals hatte“. Trump sei außerdem ein „Hündchen“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin.Auf die ständigen Unterbrechungen Trumps reagierte Biden mit scharfen Äußerungen. „Halt den Mund, Mann!“, sagte er zu einem frühen Zeitpunkt der Debatte. Später sagte er: „Es ist schwer, bei diesem Clown zu Wort zu kommen.“

Trump liegt in Umfragen weit zurück 

Moderator Chris Wallace vom konservativen Fernsehsender Fox News versuchte Trump wiederholt Einhalt zu gebieten und ermahnte ihn, die Regeln der Debatte einzuhalten. Der angesehene Journalist blieb dabei allerdings meist erfolglos.

Biden wiederum lachte immer wieder – um deutlich zu machen, dass er sich von dem Präsidenten nicht provozieren lassen wollte. Häufig sprach er auch direkt in die Kamera, um sich an die Fernsehzuschauer zu wenden.

Anders als Trump sagte Biden zu, seine mögliche Wahlniederlage anerkennen zu wollen – er werde das Ergebnis „akzeptieren“.

Laut Umfragen liegt der Amtsinhaber sowohl landesweit als auch in wichtigen Schlüsselstaaten hinter seinem Rivalen. Die beiden Kontrahenten werden vor der Wahl noch in zwei weiteren TV-Debatten am 15. Oktober und 22. Oktober aufeinandertreffen. Quelle: (afp)