Leserbrief von Erich Hasler, Komitee S-Bahn NEIN

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S-Bahn: Ein überzeugendes
Projekt?

Betrachtet man die Propaganda der Befürworter, dann fragt man sich, stimmen wir über die Meinung verschiedener Persönlichkeiten (Köpfe) ab oder über Fakten des sogenannten Jahrhundertprojekts? Der Bürger sollte sich ernsthaft fragen, warum ein so zentrales Projekt mit angeblich so grossem Nutzen so viel Überzeugungsarbeit benötigt.

Ein überzeugendes, ausgereiftes Projekt spricht für sich selbst und muss nicht gebetsmühlenartig in die Köpfe der Bürger eingetrichtert werden. Auch die Vorsteher/innen sind unisono der Ansicht, dass der Ausbau der heutigen einspurigen Eisenbahn das wichtigste Element des Mobilitätskonzeptes darstelle und somit alle Gemeinden profitieren würden. Die S-Bahn St.Gallen, die mit der S-Bahn Liechtenstein und der S-Bahn Vorarlberg ein regionales Gesamtsystem bilden soll, sorge für attraktive Anschlüsse. (Liewo 9. August 2020).

Die Vorsteher/innen und der Bürgermeister arbeiten seit 20 Jahren im Agglomerationsprogramm mit. Warum haben sich die beteiligten Gemeinden in den letzten 20 Jahren nicht stärker für attraktive Anschlüsse der bestehenden S-Bahn, welche zu Stosszeiten achtzehnmal zwischen Feldkirch und Buchs verkehrt, eingesetzt? Die Frage ist, fühlen sich die Vorsteher aufgrund der Mitwirkung im Agglomerationsprogramm zu einem Ja zur S-Bahn verpflichtet? Und was hat das Agglomerationsprogramm bis heute zur Lösung der Verkehrsproblematik beigetragen? Das spärliche Resultat sind zwei Brücken für den Langsamverkehr (Radfahrer) über den Rhein mit jeweils einer nicht optimalen Lage.

In den vergangenen 20 Jahren hat jede Gemeinde versucht, ihr Verkehrsproblem eigenständig zu lösen. Woher also der plötzliche Sinneswandel der Vorsteher/innen von Ruggell bis Balzers für eine S-Bahn, welche in kaum einer Gemeinde Entlastung bringen wird? Wäre es nicht sinnvoller, die Anschlüsse für die jetzige Bahn in Feldkirch und Buchs zu optimieren und abzuwarten, wie sich die Zahl der Bahnbenutzer in den kommenden Jahren entwickelt? Im Agglomerationsprogramm könnten die Vorsteher/innen ihren Einfluss für einen solchen ersten Schritt geltend machen. Zudem könnten sich die Gemeinden in dieser Testphase mit den Möglichkeiten von flankierenden Massnahmen konkret auseinandersetzen.

Man darf auch gespannt sein, wie solche gemeindeübergreifenden Massnahmen mit oder ohne S-Bahn akzeptiert und umgesetzt werden. Interessant wäre dann auch zu sehen, wie solidarisch die Gemeinden bei der Finanzierung von Massnahmen in den betroffenen Gemeinden sein werden.