Zu Besuch beim «Weltmeister» in der Villa Turm

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Im März sorgte der Kabarettist Michel von Tell mit einem Weltrekord für weltweites Aufsehen. Mehr als 1700km in 24 Stunden in Liechtenstein auf einem neuen HighTech E-Bike aus dem Hause Harley Davidson.

Damit war der alte Weltrekord um mehr als 400km überboten. Die Fahrt durch die Bodenseeregion fand ihren Höhepunkt im schönen Liechtenstein. Globale Presse und große Networks wie CNBC berichteten von Amerika bis Australien in fast 100 Ländern berichteten über das Motorsportereignis. Heute besuchen wir Michel von Tell in seinem Haus im schönen Thurgau. Ein kleines, hohes, Mittelalter-Haus, erste Reihe, direkt am Wasser, wie es schöner kaum gelegen seien könnte.

Der malerische Name Villa Turm lässt vermuten das wir angekommen sind. Nach kurzer Wartezeit öffnet uns ein freundlicher Mitarbeiter und begleitet uns in das kleine Büro mit der Bitte um einen Moment Geduld. Das Büro wirkt direkt sehr heimelig, was wohl hauptsächlich der geringen Grundfläche des Gebäudes geschuldet war. Mein erster musternder Blick durch den kleinen Raum blieb direkt an einigen eindrucksvollen Diplomen und Urkunden hängen, welche ich an der Wand entdeckte. Harvard, Penn und das NYIF waren nur einige der Highlights. In diesem Moment trat aber auch schon Herr von Tell in den Raum, der uns direkt das „Du“ anbot. Nach einem kurzen netten Smalltalk sollte es nun um das gehen, warum wir uns heute hier verabredet hatten. Wir wollten mehr von dem Weltrekord, Michel und seinen sonstigen Aktivitäten erfahren und hatten hierfür eine Menge Fragen im Gepäck.

Warum der Weltrekord und warum in Liechtenstein, Michel?
(Lächelt) Nun, zum einen bin ich Motorrad und Harley Fan und zum anderen, dachte ich mir, es sei an der Zeit mal wieder etwas für die Umwelt zu tun. Ganz praktisch und selbst, in Abgrenzung an die Menschen, die immer nur darüber reden und Forderungen an Dritte stellen. Was natürlich sehr bequem ist. Die E-Mobilität hat einen Ruf der schlechter ist als sie es verdient hätte.

Da gerade die erste E – Harley erschienen war, dachte ich mir, dies wäre doch eine gute Gelegenheit  hier einige Dinge positiv miteinander zu verbinden. Außerdem wollte ich schon immer mal 24 Stunden auf der Straße verbringen. (Lächelt)

Wie kommt es das du Liechtenstein in den Rekord einbezogen hast?
Mich verbindet viel mit dem Fürstentum, ich bin öfter vor Ort und als Liberaler auch ein großer Fan des Fürsten, der hier das wohl liberalste und freiste Land der Welt geschaffen hat. Eine Meisterleistung für die man ihm nicht genug Respekt zollen kann.

Ursprünglich wollten wir den Rekord 4 Wochen zuvor, auf seinem 75. Geburtstag legen, quasi als kleines Geburtstagsgeschenk. Allerdings spielte das Wetter nicht mit und wir mussten es einige Tage nach hinten schieben..

Darf ich dies als Liebeserklärung an Liechtenstein verstehen?
(Lacht) Absolut. Ich würde für einen Staatsbürgerschaft eine Woche Schlange stehen! Die Bevölkerung hätte es kaum besser treffen können als mit diesem Fürstenhaus. Nicht nur der Wohlstand, sondern auch die außergewöhnlich freiheitliche und liberale Verfassung sind weltweit konkurrenzlos .

Liechtenstein wird wie ein mittelständisches Familienunternehmen geführt und dies wie es besser kaum möglich wäre. Man kann als Bürger dieses tollen Landes nicht oft genug Danke sagen wie ich finde. Da wurde ein großartiger Job gemacht.Ich wünschte uns allen mehr solcher Liechtensteins.

Wo sehen Sie die größten Probleme in Liechtenstein?
Das ist jammern auf hohem Niveau. Ein bisschen Start-up- und Staßenunternehmer- Mentalität würde evtl. noch eine weitere Steigerung des ohnehin sehr hohen Standards führen. Das liegt aber in der Natur der Sache, dass ein Familienunternehmen an dieser Stelle leichte Defizite hat. Die richtige Balance zwischen modern und konservativ ist allgemein ein Problem. Auch in anderen Ländern. Da braucht es  gute Berater und diese sind leider mehr als rar und oft selbst weniger modern und jung als sie glauben.

Hättest du Zeit und Lust?
Wenn das Fürstenhaus ruft, stehe ich immer parat (lacht).

Aktuell arbeitest du auch als Berater im Deutschen Bundestag. Wir Deutschland also nun moderner?
Ja, ich berate einen Abgeordneten der FDP. Leider ist dieser nicht in Regierungsverantwortung, daher sind die Möglichkeiten hier etwas praktisch zu gestalten eher gering.

Hast du bereits weitere Motorsport Events geplant?
Es sind 1-2 Dinge im Gespräch. Unter anderem ein Straßenrennen auf der Harley LiveWire mit Evan McGregor, aber da ist nichts spruchreif. Konkretes steht momentan nicht an und zeitlich sieht es momentan auch eher eng aus. Momentan bin ich sehr ausgelastet mit dem Wechsel meines Hauptwohnsitzes.

Du ziehst um? Ist die das Haus zu klein geworden?
Nein, das nicht. Das Haus ist toll. Mein Mitarbeiter übernimmt es. Es bleibt also quasi in der Familie. Ich habe mehrere Wohnsitze und möchte in nächster Zeit mehr im Ausland machen. Ich bin auch dabei ein Projekt am Schwarzen Meer zu starten.

Am Schwarzen Meer? Was wird das für ein Projekt?
Aktuell versuchen wir mit einigen Leuten etwas im Bereich Tierschutz am Schwarzen Meer zu machen. Eine Art Gnadenhof für Tiere die keiner mehr will. Diesen würden wir gerne eine Platz auf einem Oldschool Bauernhof bieten.

Du giltst auch als YouTube Urgestein, allerdings ist es hier etwas ruhig um dich geworden im letzten halben Jahr. Wird es dort künftig wieder mehr geben?
Ja, ich bin quasi seit den ersten Tagen  bei YouTube und seit ca. 10 Jahren habe ich dort auch regelmäßig Videos beigesteuert. Neben Leuten wie Holger Kreymeier, TomBoShere und Mirko Drotschmann, die ähnliche Formate hatten oder Leuten wie Gronkh und Monte in anderen Bereichen waren wir da wohl mit bei den Vorreitern in diesem Bereich der neuen Medien.

Natürlich auch einige Andere, die mir jetzt nicht spontan alle einfallen. Vielleicht könnte man sagen, dass wir quasi zur ersten Generation gehören. Auch wenn sich die Plattform leider nicht gerade zum positiven entwickelt und es einiges von dem Spaß und der Leichtigkeit der Anfangsjahre verloren hat.

YouTube werde ich aber vermutlich  weiter machen bzw. wieder mehr machen, wenn es meine Zeit zulässt.

Zu Beginn hattest du eine für YouTube äußerst außergewöhnlich hochkarätige Gästeliste. Ulrich Kienzle, Verfassungsrichter Hassemer, Rainer Langhans, den Bundesinnenminister a.D. Wie kam es dazu das Sie derart tolle Gäste hatten und welcher war Ihr Lieblingsgast?
Mein Freund Peter Scholl-Latour. Keine Frage. Ein absolut außergewöhnlicher Mann. Wie es dazu kam das wir eine gute Gästeliste hatten. Nunja, vielleicht haben wir gut gefragt!? Ich weiß es nicht. Ich habe nur Leute eingeladen die ich spannend fand und in der Regel haben wir es auch ermöglichen können.

Sie haben über 10 Millionen Aufrufe online. Ist das Leben als YouTuber so toll wie man überall hört?
(Lacht) Das weiß ich nicht, ich schätze schon. (Lacht) Ich bin ja nur so ein “Mittelgroßer”. Die richtigen YouTuber wie Monte haben da deutlich mehr Aufrufe, verdienen richtig Geld und waren auch in sehr jungen Jahren erfolgreich. Ich bin ja schon etwas älter und habe mein Geld noch klassisch verdienen müssen. YouTube ist für mich mehr Spaß als Arbeit. Aber ich vermute die Gerüchte treffen bei den wenigen echten „Stars“ die es gibt schon zu. Da musst du aber eher mit Monte oder Tanzi besprechen.

Wie hast du die „Corona Krise“ erlebt?
Ruhig. Ich habe viel zuhause gemacht. Ich war allerdings enttäuscht, dass es nicht etwas liberaler, etwas freiheitlicher, gehandhabt wurde. Auch hier war Liechtenstein wieder vorbildlich liberal wie mir zu Ohren gekommen ist.

Sie haben während des Lockdowns eine Nachbarschaftshilfe organisiert?
Ja, wir haben einige Leute organisiert und zusammen ältere Menschen aus der Risikogruppe mit dem Einkauf unterstützt. Diese sollten nicht gezwungen sein, unnötigerweise unter Menschen und in den Supermarkt zu gehen, wie ich fand. Es macht ja wenig Sinn sich einem unnötigen Risiko auszusetzen. Keine große Sache. Wir haben nur einmal die Woche eine Tüte mit Einkäufen vor die Tür gestellt. Eine Selbstverständlichkeit.

Abschließend noch eine Corona Frage. Gibt es etwas, das dich heute interessiert, was dich bislang nie interessiert hat?
Ob ich für meine Zukunft eher einen Epidemio-, Viro-, -Pneumologen brauche oder ob ein Wohnsitz in Liechtenstein doch die günstigere Alternative wäre. (lächelt)