Wie aus dem früheren «Café Kaiser» das Casino Schaanwald wurde

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Die Gemeinden Liechtensteins durchlebten in den vergangen drei
Jahrzehnten einen gewaltigen Wandel im äusseren Erscheinungsbild. Dies zeigt sich vor allem im für das kleine Land gigantischen Ausmass von Wohnneubauten. Alte Häuser verschwinden von der Bildfläche und mit ihnen ein Grossteil der allen Zeit.  

Ein gutes Beispiel – und davon gibt es in Liechtenstein viele – liefert uns die Geschichte des Café Kaiser in Schaanwald samt Wohnhaus und Kolonialwarengeschäft. Das Gebäude wurde nach rund 150 Jahren komplett abgerissen und an seiner Stelle Wohn- und Geschäftsimmobilien errichtet. In diesem Gebäude befindet sich heute das Casino Schaanwald.

Zur Geschichte des Hauses und der Kaiser-Familien
Jakob Kaiser (1813 – 1878), genannt der «Nagler Joggele», wohnte zuerst im Maurer Ortsteil Krummenacker und zog 1857 nach Schaanwald ins Haus Nr. 153/23, Vorarlbergerstrasse 220 (heutige Fahrzeugbau Kaiser). Er stammt aus dem Geschlecht der sogenannten «Obera Kaiser» aus dem Kirchenbot im früheren Gasthaus «Rössle», jetzt Kulturhaus Mauren. Von Beruf war Jakob Kaiser Nagelschmied. Er ist der Stammvater der Schaanwälder Kaiser. Er bewohnte das kleine, einstöckige «Kaiser-Hüsle» an der Vorarlbergerstrasse Nr.153/23/220, ca. 100 Meter vom Grenzübergang nach Vorarlberg entfernt. Nagelschmieds Jakob Kaisers Ehefrau Barbara Kaiser, geb. Marxer (1819 – 1972), aus dem Geschlecht der «Hoopa-Bascha» erbte dieses Häuschen von Regina Marxer, geb. Ludescher, per Einantwortung vom 23. April 1869. Auf diesem Anwesen entstand später die Weberei des Jakob Kaiser (1850 – 1924), aus welcher später das Unternehmen Kaiser Fahrzeugbau herauswuchs.

Einige Meter weiter Richtung Süden, an der Vorarlbergerstrasse Nummer 212 (136/1), wo sich heute das Casino Schaanwald befindet, errichtete Andreas Matt, Steinhauer und Maurer (1807 – 1887), im Jahre 1846 ein kleines Haus. Es stand auf seiner Wiese, die sich über mehr als 1000 Klafter in Richtung Maurer Berg erstreckte. Es bekam die Nummer 1 in Schaanwald und lag nur wenige Meter vom heutigen Grenzübergang nach Vorarlberg entfernt.

«Café Kaiser», späteres Restaurant Pirandello: Haus und Geschäft wurden an eine Investorengruppe verkauft. Abbruch im November 2007.

Andreas Matt baute sein Haus in Schaanwald in den Jahren 1847 – 1857. Am 20. November 1843 heiratete er seine zweite Ehefrau Kreszenzia Kaiser aus dem Haus Nr. 56 alt (1819 – 1889). Am 30. Mai 1887 starb Steinhauer Andreas Matt im Maurer Armenhaus, das Anwesen samt Umschwung ging laut Urkunde schon am 1. Mai 1858 in die Hände seiner Frau Kreszenz, das allerdings aufgrund einer Erklärung vom 31. Juli 1884 – also 26 Jahre später – beiden Ehegatten je zur Hälfte zugesprochen
wurde. 

Mit Vertrag vom 28. Februar 1887 trat Jakob Kaiser (1850 – 1924), ein Sohn von Jakob Kaiser (1813 – 1878), als Käufer des Hauses Nr.1 in Erscheinung. Später war Georg Kaiser (1881 – 1949) Besitzer, der mitansehen musste wie es am 16. Januar 1931 ausbrannte, sodass er gezwungen war, es komplett abzubrechen. Georg Kaiser erstelle am gleichen Ort ein neues Haus. Es war der Beginn einer langen Kaiser Ära, die bis heute durch die Nachkommen weitergetragen wird. 

Georg Kaiser heiratete 1920 die Schrunserin Mathilde Heller (1895 – 1957). Von Beruf war Georg Kaiser Schreinermeister. Dem Ehebund waren sechs Kinder beschieden: Walter Kaiser (1920 – 1998), verheiratet mit Marlies Hermann (1924) aus Schaan, Reinhilde Kaiser (1923), Sr. Theresia im Karmeliter-Orden in Innsbruck, Laura Kaiser (1925), verheiratet mit Roman Kranz (1924 – 1994) aus Eschen, Elsa Kaiser (1926) verheiratet mit Paul Mory aus der Schweiz, Fritz Kaiser (1928 – 1992), verheiratet mit Blanda Kieber (1932) von Schellenberg und Maria Kaiser (1931), verh. mit Anton Konrad. 

Walter Kaiser, von Beruf Schlosser und Installateur, arbeitete bis zu seiner Pensionierung bei der Firma Fahrzeugbau Kaiser AG, Schaanwald. Die Familie Kaiser lebte neun Jahre lang in Argentinien. Dort kamen die Söhne Jürg und Günther zur Welt. Der älteste und der jüngste Sohn von Walter und Marlies Kaiser wurden in Liechtenstein geboren. 

Fritz Kaiser sen. (1928 – 1992), Sohn von Georg und Mathile Kaiser-Heller kam laut Kaufvertrag vom 23. November 1951 in den Besitz des Anwesens. Er heiratete im Jahre 1952 die Schellenbergerin Blanda Kieber (1932) und bezog das Haus Nr.1/136. Fritz Kaiser baute um 1970 daneben das «Café Kaiser» (später Restaurant Pirandello) und betrieb zusammen mit seiner Frau ein Kolonialwarengeschäft, das er 1955 von seinen Eltern übernommen hatte. Fritz und Blanda Kaisers Ehe ist mit vier Kindern gesegnet: Silvia Kaiser *1952, Fritz Kaiser *1955, Kurt Kaiser *1957 und Peter Kaiser *1961. 

Fritz Kaiser kam laut Kaufverträgen vom 13. Juni 1994 und vom 23. April 1997 in den Besitz des grossen Kaiser-Anwesens. 

Riba Anstalt, Balzers übernahm die Liegenschaft per Kaufvertrag vom 20. Oktober 2005 und erstellte dort Wohn- und Geschäftsimmobilien, in welchen 2017 das Casino Schaanwald eingerichtet wurde.

Quellen

  • Grundbuchamt, Vaduz 
  • Buchreihe: Menschen, Bilder & Geschichten, Mauren von 1800 bis heute, Bd.2 des Vereins für  Ahnenforschung, Pflege der Kultur und des Brauchtums Mauren, 2007, Autor: Herbert Oehri
  • Die alten Häuser von Mauren 1800 – 1900, Hans Jäger, 2001
  • Familien-Stammbuch der Bürger von Mauren-Schaanwald, Adolf Marxer, 1978
  • Bilder: von den Kaiser-Familien, Gemeindearchiv