LLS: Planlosigkeit und fehlende Glaubwürdigkeit

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Das Liechtensteinische Landesspital in Vaduz genügt den Anforderungen nicht mehr.

Neben vielen unkorrekten Aussagen zum Spital ist die Feststellung, dass die Mehrheit der Bevölkerung ein Spital möchte, unbestritten. Es gibt jedoch sehr unterschiedliche Vorstellungen, was für ein Spital gewünscht wird. 

Die einen sehnen sich nach dem ehemaligen Belegarztspital zurück, das in der Bevölkerung eine hohe Anerkennung genoss und nicht ständig vom Staat Millionen für das Überleben benötigte. Andere bevorzugen ein Chefarztspital mit einer grossen Zahl an Kaderärzten. Die Auswertung der Abstimmung Ende 2011 machte es deutlich: Eigentlich wollte die Mehrheit ein Spital, allerdings herrschten bezüglich Standort, Leistungsumfang, Kooperationen, Organisationsform – um nur einige Faktoren zu erwähnen – sehr unterschiedliche Vorstellungen vor. Das hat letztlich zu einer Ablehnung geführt.

Der Stiftungsratspräsident hat 2014 bei der Eröffnung der Notfallstation stolz verkündet, dass sich das Liechtensteinische Landesspital (LLS) in Zukunft vermehrt aus der eigenen Tasche finanzieren werde. Nach dem vom Stiftungsrat zu verantwortenden Wegzug wichtiger Belegärzte waren die Verantwortlichen überrascht, dass die Patienten spürbar ausblieben. Das hat in der Spitalrechnung zu tiefroten Zahlen geführt. Beim Antrag an den Staat auf Rettungsgelder in Millionenhöhe wurde versprochen, dass es sich lediglich um eine momentane Schwäche handle. Nach Überbrückung dieser vorübergehenden Schwäche werde das LLS noch etwa 10 Mio. Franken benötigen, um das Spital baulich definitiv auf einen zeitgemässen Stand und damit auf Erfolgskurs zu bringen.

Dann wurde plötzlich die Karte «Neubau auf der grünen Wiese» aus dem Ärmel gezogen. Die Kosten sind von 10 Mio. auf stolze 70 Mio. Franken angewachsen. Überraschenderweise hat der Stiftungsratspräsident nach den vorherigen positiven Verlautbarungen plötzlich festgestellt, dass aus dem bisherigen Haus nie ein Spital für eine effiziente Medizin werde. Erstaunlich, dass sich diese Erkenntnis erst durchgesetzt hat, nachdem Millionen an Steuergeldern ans LLS geflossen sind.

Besorgnis erregt hat auch der häufige Wechsel an Kaderpersonal. Sowohl bei den Chefärzten wie in der Direktion ist es zu häufigen Wechseln gekommen, was, wie das Finanzdebakel, an der Kompetenz der Führung zweifeln lässt.

Regierung wählt Weg des geringsten Widerstandes
Die Regierung schlägt nun den Standort «Wille-Areal» vor. Regierungsrat Pedrazzini begründet diese Wahl damit, dass er sich an der politischen Machbarkeit orientieren müsse. Nichts gegen die politische Machbarkeit, aber für eine Spitalplanung müssen Qualitätskriterien im Vordergrund stehen. Es ist Aufgabe der politischen Instanzen, eine optimale Lösung erfolgreich zu vertreten. Der Weg des geringsten Widerstands ist in dieser Sache fehl am Platz. Der politisch machbare kleinste Nenner ist keine Grundlage für ein Spital. Hier müssen zum Wohle der Patienten medizinische Qualitätskriterien im Vordergrund stehen.

Das «Wille-Areal» war auch beim letzten Spitalprojekt in der engeren Wahl. Damals sprach die Notwendigkeit einer Umleitung der durch das Areal führenden Gasleitung gegen diesen Standort. Es erstaunt, dass die erforderliche Umleitung heute kein Problem mehr darstellt. Auch nicht die äusserst stark befahrene Zubringerstrasse zur Autobahn, die direkt hinter dem Spitalneubau verläuft. 

Regierungsrat Pedrazzini hat mehrfach dezidiert erklärt, dass die Einhaltung der Anforderungen des «Zürcher Modells» eine zwingende Voraussetzung für einen Spitalbetrieb darstelle. Wie weit diese Anforderungen am LLS erfüllt sind, ist nach aussen nicht bekannt. Immerhin: Da die erforderlichen Qualitätskriterien nicht erfüllt werden konnten, wurde die Geburtenabteilung geschlossen. 

Der Wunsch nach einem Spital ist klar vorhanden, die Frage ist nur, wie es ausgestaltet werden soll.

Dr. Hansjörg Marxer

Schliessung der Geburtenabteilung ein Dauerbrenner in der Kritik
In der Bevölkerung ist die Schliessung der Geburtenabteilung noch heute in der Kritik. Interessanterweise ist es für den Stiftungsrat offenbar kein Problem mehr, am LLS wieder eine Geburtenabteilung zu führen. Das ist natürlich im Vorfeld einer möglichen Volksabstimmung eine wichtige Aussage. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass mit einer personellen Aufstockung zwar ein Teil der Qualitätskriterien erfüllt werden kann. Die Anzahl der Geburten in Liechtenstein wird damit jedoch nicht angehoben. 

Die Politik kann zwar den erwarteten vermehrten Finanzbedarf in Kauf nehmen, nicht aber eine Gefährdung der Gesundheit von Mutter und Kind. Es geht um Fragen der medizinischen Qualitätssicherung und nicht um politische Opportunität.

Der fragwürdige Umgang mit der Geburtenabteilung zeigt, wie Ministerium und Spitalleitung die Bevölkerung manipulieren und die freundnachbarschaftliche Beziehung zu Grabs überstrapazieren: Nach der Schliessung der Geburtenabteilung am LLS ist Grabs eingesprungen und hat diese Aufgaben übernommen. Die Verantwortlichen haben aber kein Problem damit, heute den Grabsern über die Medien mitzuteilen, dass am LLS die erneute Eröffnung einer eigenen Geburtenabteilung in Diskussion ist.

Affront gegenüber Grabs
Regierungsrat Pedrazzini kann es drehen und wenden wie er will: Die Vorgabe, ohne weitergehende Kooperationen 50 % der stationären Grundversorgung am LLS zu behandeln, ist Ausdruck einer Konkurrenzstrategie. Die von Stiftungsrat und Ministerium bevorzugte vertikale Kooperation mit Chur erfordert bezüglich Grabs Konkurrenz statt Kooperation. Für einen grossen Teil der Bevölkerung ist Grabs naturgemäss das nächste Spital. Dieser Affront gegenüber Grabs trifft auf beiden Seiten des Rheins auf breites Unverständnis.

Der Wunsch nach einem Spital ist klar vorhanden, die Frage ist nur, wie es ausgestaltet werden soll. Ebenso ist es vielen ein Anliegen, mit Grabs ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu pflegen. Das in Grabs vor der Fertigstellung stehende, moderne Spital muss in unsere Planung einbezogen werden. 

Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt
Die Verantwortlichen für die Gesundheitsversorgung in Liechtenstein haben durch ihren Umgang mit den Nachbarn nachdrücklich Zweifel an der Partnerschaftsfähigkeit Liechtensteins geschürt. Die Öffentlichkeit wurde in den letzten Jahren mit beträchtlichen Kostenfolgen mehrfach an der Nase herumgeführt. Die Bevölkerung, die ein neues Spital unterstützt, hat das Recht, dass die Planung und Umsetzung nicht in jenen Händen liegen, die das bisherige Desaster zu verantworten haben.