Die Faszination der Macht in Eschen

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Der Künstler Arthur Jehle an der Vernissage vor einem seiner Werke. 

Zur Ausstellung „Gsechtr und Lagerfür“
des Künstlers Arthur Jehle

Unter dem Titel «Gsechtr und Lagerfür» kann seit dem 22. August und noch bis zum 1. September in den Pfrundbauten in Eschen das bisherige Lebenswerk von Arthur Jehle neu entdecken werden. Seine Retrospektive zeigt neben über 20-jährigen Bildern auch neue kreative Malereien, welche der Kunstschaffenden aus Mauren erst vor kurzem angefertigt hat.

Es sei ein traditionsreiches Kulturlokal, erklärte der Vorsitzende der Eschner Kulturkommission Kevin Beck, den zahlreich erschienenen Gästen, welche sich die Vernissage nicht entgehen lassen wollten. Die Geschichte der Eschner Pfrundbauten reiche bis ins Mittelalter zurück und es sei ihm eine ausserordentlich grosse Freude, das Lokal von einem Maler aus Eschen bespielen zu lassen. Der Angesprochene korrigierte mit einem Schmunzeln und erwähnte dabei mit stolz geschwellter Brust, dass er ursprünglich aus Mauren stamme.

Faszination Feuer und Macht

Arthur Jehle bedankte sich bei seinem Gastgeber Beck herzlich vor die Mithilfe. Eine solche Ausstellung auf die Beine zu stellen sei wirklich kein Zuckerschlecken, vor allem wenn das Gebäude, wie im Fall der Pfrundbauten nicht über einen eigenen Lift verfügt und jedes Bild von Hand die langen Treppen hinaufgetragen werden müssen. Er, dessen Vernissage auf ein ausserordentlich grosses Echo stiess, erklärte ein wenig düster und doch witzig, wie er sein erstes Lieblingsmotiv, das Lagerfeuer, damals entdeckt hatte. Da ihn die Themen Macht, Machterwerb und Machtausübung durch Menschen im Kontext der kulturellen Evolution immer sehr beeindruckt haben, sei er intuitiv beim Malen auf das Thema gestossen und sei lange Zeit daran hängen geblieben. Das Um-das-Lagerfeuer-sitzen, kochen und essen sei so alt wie die Menschheit, weshalb es ihn vor allem in den Jahren 2001-2004 beim Malen wie einen Pyromanen immer wieder zu den Flammen hingezogen habe. Nichts gebe der Gemeinschaft oder einem Individuum eine solche Kraft und Inspiration, um die Macht an sich zu reissen, wie das Feuer. Auch wenn diese ernste künstlerische Auseinandersetzung mit seinen Werken ein wenig schwer verdaulich sei, liess er es sich nicht nehmen zu erwähnen, dass die Interessierten sich doch bitte beim Thai-Buffet bedienen sollen, diese Speisen seien sicher leichter zum konsumieren.

Zwei Seelen in der Brust

Die etwas älteren Bilder aus der «Lagerfür»-Zeit, die im 1.Obergeschoss Platz fanden, malten ein düsteres Weltbild, schafften es aber durch  eine verspielte Melancholie und etwas Düsterkeit das buntdurchmischte Publikum zu Faszinieren. Durch die teils dunkeln und zerstörerisch kraftvollen Werke strahlt den Zuschauern eine Traurigkeit entgegen, welche durch die teils ungerechten Machtverhältnisse und auch die momentanen Waldbrände im Amazonasgebiet eine schaurige Aktualität erhalten und beängstigend wirken. Doch nicht nur dunkle Bilder von verbrannten Objekten wurden gezeigt, hin und wieder wirkten die Zeichnungen auch überaus positiv und farbenfroh. Und bei der aktuellen Phase habe Arthur Jehle habe diese Feuer-Phase auch ein wenig hinter sich gelassen, was ein Blick in die neueren Werke des Mannes aus Mauren zeigt.

Seit 2018 male er mit Industriefarben auf Aluminiumplatten. Bei diesen Bildern stehe ebenfalls das Thema der menschlichen Machtausübung im Fokus und doch wirken diese Werke durch ihre positive, zum Teil sogar leicht komikhafte Art, anders. Jehle, der praktisch jede und jeden Besucher an seiner Vernissage freundlich persönlich begrüsste, zeigt durch die hellen Farben, welche glänzend von den Platten strahlen, dass jeder Mensch eine helle, wie auch eine dunkle Seite hat und lässt dabei die staunenden Anhänger selbst interpretieren.

Auch wenn gewisse Bilder berühmten Persönlichkeiten aus dem Politbusiness zum Verwechseln ähnlich sehen, werde er sich zu diesem Thema nicht äussern. Anders sieht es aber bei den Techniken aus, denn kürzlich in den Ferien in Mexico habe ihn die Faszination für das analoge Fotografieren gepackt, weshalb sein jetzt schon umfassendes Werk «Gsechtr und Lagerfür» vielleicht bald um «Analogi Fötali» erweitert wird.  (Christian Imhof)