Die Position der Freien Liste zum Landesspital

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Parteienbühne: Eine Stellungnahme der Landtagsfraktion und des Präsidiums der Freien Liste

Seit Jahren kritisiert die Freie Liste den realitätsfernen Weg, den der Landtag, die Regierung und die strategische Führung des Landesspitals gewählt haben. In der Berichterstattung der Landeszeitungen fand die Position der Freien Liste zu diesem Thema im November kaum Erwähnung. Deshalb wiederholen wir an dieser Stelle unsere Kritik an der Strategie des Landesspitals, basierend auf folgenden Argumenten:

Spitalangebot in der Region: Die Fraktion der Freien Liste erachtet es als nicht zielführend, für Liechtenstein ein Grundversorgerspital zu führen mit identischem Angebot, wie es das Regionalspital Grabs anbietet, zu dem Liechtenstein vertragsmässig ungehinderten Zugang hat. Die Fraktion der Freien Liste ist der Meinung, dass diese Doppelspurigkeiten in der Konsequenz zu einem Überangebot und damit zu Kostensteigerungen im Gesundheitswesen führen. Dies gilt umso mehr, als das Spital Grabs derzeit erweitert und erneuert wird. Auch die Liechtensteiner Patientinnen und Patienten werden sich mehrheitlich für Qualität und somit für eine Behandlung im Spital Grabs entscheiden.

Unzureichendes Einzugsgebiet: Die Fraktion der Freien Liste ist der Überzeugung, dass ein Chefarztspital mit 24-Std-Notfallversorgung für knapp 40‘000 Menschen nicht rentabel geführt werden kann. Aufgrund der kleinen Fallzahlen wird das Spital Vaduz auch bei weitem nicht die notwendige Qualität bieten können. Medizinisch gesehen ist die Situation mittelfristig so nicht haltbar. Daran ändern auch Nationalstolz und Bekenntnisse zum Standort nichts.

Ruinöser Umgang mit der Versorgungssicherheit der Bevölkerung: Die Regierung versucht z.B. mittels Beschränkung der OKP-Zulassungen oder einschlägigen Informationen die Stellung der Hausärzte zu untergraben, um so dem Landesspital zu mehr Fallzahlen zu verhelfen. Dabei ist bekannt, dass die ambulante Behandlung im Spital ein Mehrfaches an Kosten verursacht als bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Hier übergeht die Regierung das Argument der steigenden Gesundheitskosten, das sonst ständig ins Feld geführt wird.

Qualitätssicherung durch Zentralisierung:Die Fraktion der Freien Liste ist überzeugt, dass die Zukunft der stationären Versorgung noch mehr in Richtung Zentralisierung und Konzentration gehen wird; dies aus finanziellen und aus qualitativen Gründen. Hingegen ambulant eine Dezentralisierung und Stärkung des Hausarztsystems günstiger und qualitativ besser ist.

Die Fraktion der Freien Liste ist der Überzeugung, dass ein Landesspital mit Schwerpunkt Geriatrie, Rehabilitation sowie Palliativpflege und als Ergänzung zum Akutgrundversorger Grabs für die wachsende alternde Bevölkerung Liechtensteins einen wirklichen Mehrwert bringt und alle Generationen entlastet. Das muss der Gesellschaft auch etwas wert sein und darf somit auch etwas kosten.

Die Haltung der Landtagsmehrheit zum Landesspital ist der Haltung der Freien Liste diametral entgegengesetzt. Die Mehrheit der Abgeordneten wünschte für die nationale Identität Liechtensteins ein eigenes 24-Std-Grundversorgerspital und blendet die finanziellen und qualitativen Probleme bewusst aus.

Soll das Landesspital als Notfall- und Grundversorgungsspital künstlich am Leben gehalten werden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung auf info@freieliste.li.