Kathinka will in die Top 100

148
August 24, 2018 - Kathinka Von Deichmann in action against Martina Trevisan during qualifying at the 2018 US Open.

Bei den US Open hat Kathinka von Deichmann kürzlich Liechtensteiner Sportgeschichte geschrieben. Die 24-jährige Vaduzerin schaffte in New York als erste Liechtensteiner Tennisspielerin den Sprung ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. Und nur sehr wenig fehlte und von Deichmann hätte sogar die zweite Runde erreicht. 

Text: Christoph Kindle

 

Von Krämpfen geplagt, musste Kathinka von Deichmann im dritten Satz gegen die Ukrainerin Angelina Kalinina aufgeben. Das nächste grosse Ziel lautet nun: Sprung in die Top 100 der Weltrangliste. Die «lie:zeit» hat mit Kathinka von Deichmann gesprochen. 

Kathinka, zunächst nochmals zurück zu den US Open und der Aufgabe in der ersten Hauptrunde. Du hattest Krämpfe in den Beinen, hast du zu wenig Flüssigkeit zu dir genommen?
Kathinka von Deichmann:
Generell bin ich eigentlich eine schlechte Trinkerin, wenn man es so bezeichnen kann. Aber an diesem heissen Tag habe ich sehr viel getrunken und zwar schon am Tag vor dem Match und auch unmittelbar vor dem Spiel. Aber die Bedingungen waren dann extrem schwer, vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit setzte mir mächtig zu, man kann sich das kaum vorstellen. Dazu kam noch die grosse Anspannung und Nervosität, irgendwann ging im dritten Satz einfach nichts mehr.

Du warst nicht die einzige Spielerin, welche mit der Hitze Probleme bekundet hat, und auch bei den Männern mussten einige aufgeben. Macht es Sinn, bei solchen Bedingungen Tennis zu spielen?
Es hat bei den Frauen nach dem zweiten Satz und bei den Männern nach dem dritten Satz 10-minütige Pausen gegeben. Aber bei dieser hohen Belastung bringt das nur wenig. Meiner Meinung nach ist es gefährlich, bei diesen äusseren Verhältnissen Hochleistungssport zu betreiben, für den Körper ist das brutal. Wie ich aber gehört habe, machen sich die Verantwortlichen des Internationalen Tennisverbandes jetzt Gedanken darüber, wie man das in Zukunft besser lösen kann.

Deine Bezwingerin durfte dann in der zweiten Runde im Hauptstadion von Flushing Meadows gegen die Titelverteidigerin Sloane Stevens antreten. Wie weh hat das getan?
Schon ein wenig, weil das genau die Momente sind, für die man Tennis spielt. Auf dem Centre Court bei einem so grossen Turnier spielen zu können, davon träumt man, und ich stand so kurz davor. Schade, aber ich bin sicher, dass die nächste Chance kommen wird.

Insgesamt überwiegt natürlich das Positive, drei Siege in der Qualifikation, 40 WTA-Punkte, knapp 50 000 Dollar Preisgeld. Du konntest mit einem guten Gefühl die Heimreise antreten?
Ich hatte definitiv schon schlechtere Wochen in meinem Leben. Ich bin happy und darf stolz auf meine Leistungen sein. Die Erfahrungen, die ich mit dem Erreichen der Hauptrunde sammeln konnte, werden mir in Zukunft sicher nützlich sein. 

Waren diese US Open vielleicht sogar ein entscheidender Schritt in deiner Karriere?
Schwer zu sagen, aber ich nehme sicher viel Motivation und Schwung daraus mit. Jetzt steht zunächst wieder hartes Training auf dem Programm, ohne dies geht gar nichts, und dann schauen wir, was die nächsten Turniere so bringen. 

Du bist seit einiger Zeit mit einem eigenen Coach von der Tennis Academy München unterwegs, wie hat sich das bewährt?
Sehr gut, wie die Resultate zeigen. Ich bin sehr zufrieden in München und kann mich dort weiterentwickeln. Das Umfeld ist sehr professionell, und es macht viel Spass in München. Der Umstand, dass bei jedem Turnier ein Coach dabei ist, hilft mir sehr, diese Unterstützung neben dem Platz macht es für mich einfacher.

Du bist ein grosser Fan von Roger Federer?
Ja, das stimmt, sein Spiel ist cool, er spielt wie ich einhändige Rückhand, und ich versuche ihm natürlich, so gut es geht, etwas abzuschauen.

Roger Federer ist 37-jährig, wird man Kathinka in diesem Alter auch noch auf der Tour sehen?
Schwierige Frage zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn ich gesund bleibe und mein Ranking stimmt, dann kann ich sicher noch eine Weile spielen. Aber 37 ist schon ein stolzes Alter für einen Tennisspieler oder eine Tennisspielerin.

Im Frauentennis spielen ausser dir nur sehr wenige eine einhändige Rückhand?
Bei den Frauen ist es wirklich etwas Spezielles, einhändig die Rückhand zu schlagen, und ich versuche natürlich, daraus auch Profit zu schlagen und die Vorteile zu nutzen.

Du stehst aktuell im Ranking so um Platz 150, das nächste grosse Ziel sind die Top 100?
Absolut, ja. Ich möchte jetzt so rasch wie möglich nahe an die besten 100 kommen. Aber das wollen viele, es ist ein harter Weg, und man darf nicht nachlassen.


FAKTEN

Geboren: 16. 05. 1994 in Vaduz, Liechtenstein
Grösse: 177 cm
Gewicht: 67 kg
Spielt: rechts (einhändig Rückhand)
Haarfarbe: braun
Augenfarbe: blau-grün
Vorbilder: Steffi Graf, Roger Federer
Hobbys: allgemein Sport, zeichnen, Musik