Der digitale Blick in den Boden – Moderne Archäologie ohne Spaten

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Bild 1: Zerstörungsfreie Erfassung archäologischer Überreste mittels Georadars in Schaanwald. Quelle: Amt für Kultur

Zerstörungsfreie Untersuchungen beim römischen Gutshof in Schaanwald

Vaduz – Oktober 2017 wurden im Auftrag des Amts für Kultur in Schaanwald Bodenmessungen zur Ortung des römischen Gutshofs durchgeführt. Am 1. März werden die spannenden Ergebnisse im Vereinshaus Zuschg in Schaanwald der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Vortrag beginnt um 19:00 Uhr.

Schutz des archäologischen Erbes

Die Erhaltung und Erforschung des archäologischen Erbes zählen zum gesetzlichen Auftrag der Abteilung Archäologie im Amt für Kultur.

Dazu gehört auch die zerstörungsfreie Ortung und Dokumentation von Mauern, Gruben, Gräbern und Strassen, die sich im Boden befinden. Im Idealfall lassen sich die Zeugnisse aus früherer Zeit im freien Gelände erfassen und damit besser schützen. Zudem können überall dort, wo sie in Zukunft durch bauliche Bodeneingriffe gefährdet oder zerstört würden, rechtzeitig geeignete Massnahmen zur archäologischen Dokumentation eingeleitet werden.

Der römische Gutshof

1927 wurden in Schaanwald im Gebiet „Wesa“ die baulichen Überreste eines römischen Hauses entdeckt und in den Folgejahren unter der Leitung des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein teilweise freigelegt. Nach Abschluss der Grabungsetappen überdecke man das archäologische Bodendenkmal wieder mit Erde. Die vollständige Grösse des Gutshofs mit den Nebengebäuden sowie mögliche Gräber, Strassen und Plätze wurden nicht erfasst. Weil die Lage nur grob vermessen worden ist, liess sich nicht ganz genau definieren, wo im Gelände sich die Fundamentreste befinden.

Geophysikalische Untersuchungen

Bild 2: Erste Sichtung der Radarbilder am PC. Quelle: Amt für Kultur

Vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie werden moderne digitale Prospektionssysteme entwickelt und in grossflächigen Fallstudien in ganz Europa zur Erkundung archäologischer Siedlungsräume angewendet. Die Kombination von flugzeuggestützten und terrestrischen Laserscannern mit präzisen Magnetfeld- und Radarmessungen am Boden ermöglicht einen detailreichen Blick in den Untergrund, der archäologische Überreste am Computerbildschirm wieder sichtbar macht. Mit diesen Systemen haben die Forscher die Landschaft rund um Stonehenge in Grossbritannien durchleuchtet oder das Gebiet der römischen Metropole Carnuntum östlich von Wien erkundet. Die Fallstudien gehören zu den grössten wissenschaftlichen Unternehmungen ihrer Art und haben weltweites Aufsehen erregt. Im letzten Jahr wurde erstmals die bedeutende römische Fundstelle in Schaanwald mit den modernen Radarsystemen untersucht.

Öffentlicher Vortrag

Der Leiter des Forscherteams, Wolfgang Neubauer, zeigt in einem Multimedia-Vortrag ausgehend von den digitalen Prospektionsdaten die virtuelle Rekonstruktion von archäologischen Landschaften und damit die Entstehung einer lebendigen Vergangenheit – auch am Beispiel der aktuellen Ergebnisse der Messung beim Gutshof in Schaanwald. (Wolfgang Neubauer)

 

Factbox:

Der digitale Blick in den Boden –
Moderne Archäologie ohne Spaten

Fallstudien zur Archäologischen Prospektion von Stonehenge, Carnuntum und Schaanwald. Wolfgang Neubauer
Donnerstag, 1. März 2018, 19:00 Uhr
Schaanwald, Vereinshaus „Zuschg“
Eintritt frei