Vito Troisio, Cheftrainer des FC Ruggell

Nach dem historischen Aufstieg spielt der FC Ruggell erstmals in seiner Vereinsgeschichte in der 2. Liga Interregional. Cheftrainer Vito Troisio spricht über den bisherigen Saisonverlauf, die Unterschiede zur 2. Liga regional, seine Spielphilosophie und darüber, weshalb für ihn der Ligaerhalt zunächst über allem steht. Gleichzeitig soll der Schritt in die höhere Interregionalliga langfristig neue Möglichkeiten für den gesamten Verein und insbesondere für junge Liechtensteiner Spieler eröffnen.

Interview: Olcay Gür, Leiter Aktive / Sportchef

Vito, die vergangene Saison endete mit dem historischen Aufstieg in die 2. Liga Interregional. Wenn du heute mit etwas Abstand auf diesen Erfolg und die Entwicklung der Mannschaft zurückblickst: Was hat diesen Aufstieg möglich gemacht und was bedeutet er dir persönlich?

Vito Troisio: Wenn ich heute darauf zurückblicke, haben wir etwas Unglaubliches geschafft. Um aufzusteigen, musst du nicht nur gut sein – du musst besser sein als alle anderen. Und genau das waren wir. Mit Montlingen hatten wir eine sehr starke Konkurrenz und mussten Woche für Woche unsere Punkte sammeln, um uns diesen Traum schliesslich zu erfüllen. Dass wir es geschafft haben, erstmals mit dem FC Ruggell in die 2. Liga Interregional aufzusteigen, ist etwas ganz Besonderes. Dieser Erfolg wird für immer in den Geschichtsbüchern des Vereins stehen.

Wie fällt dein Zwischenfazit nach den ersten Meisterschaftsspielen aus? Wo hat sich die Mannschaft bereits gut an das höhere Niveau angepasst und in welchen Bereichen siehst du noch Entwicklungspotenzial?

Wir haben definitiv das Potenzial, die Liga zu halten. Stand heute fehlen uns zwar ein paar Punkte in der Tabelle, aber davon dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir kennen unsere Qualitäten und müssen versuchen, von Spiel zu Spiel das Maximum herauszuholen. Dann ist einiges möglich. An das höhere Tempo gewöhnen wir uns immer besser. Der Unterschied gegenüber der 2. Liga regional liegt für mich aber nicht nur im Tempo, sondern vor allem in der Pflege der Details. Auf diesem Niveau kannst du dir kaum Fehler erlauben – sie werden sehr schnell bestraft. Genau daran müssen wir weiterhin arbeiten und uns als Mannschaft entwickeln.

 

Der langjährige Stürmer Alexander Ospelt im Einsatz gegen Tabellenführer FC Seefeld/Zürich.

 

Der Kader hat sich im Sommer verändert und wurde für die neue Herausforderung verstärkt. Welche Spielphilosophie möchtest du mit dieser Mannschaft verfolgen – und was muss einen FC Ruggell unter Vito Troisio auf dem Platz auszeichnen?

Ich möchte meiner Linie treu bleiben und das Spiel kontrollieren. Mir ist bewusst, dass uns dies vor allem zu Beginn in dieser Liga noch nicht in jedem Spiel gelingen wird. Aber genau dorthin will ich mit der Mannschaft kommen. Unabhängig vom Gegner und vom Spielverlauf muss mein Team in jedem Spiel sein Herz auf dem Feld lassen und an sich glauben. Das ist für mich eine Grundvoraussetzung. Spiele gewinnt man zuerst im Kopf und danach auf dem Feld.

Du kennst den FC Ruggell seit vielen Jahren. Wie würdest du dich selbst als Trainer beschreiben? Was ist dir im Umgang mit deinen Spielern besonders wichtig und wie hast du dich über die vergangenen Jahre als Trainer entwickelt?

Die beste Weiterentwicklung eines Trainers ist die Erfahrung. Aus jeder Erfahrung kann man etwas lernen – egal, ob sie positiv oder negativ ist. Ich habe das Glück, mit einem super Staff und in einem hervorragenden Umfeld arbeiten zu dürfen. Der FC Ruggell ist ein sehr familiärer Verein, und ich fühle mich sehr wohl. Sonst wäre ich wohl auch nicht schon seit 15 Jahren Mitglied.

Als Trainer bin ich ein Fan der richtigen Mischung. Manchmal muss man durchgreifen, manchmal den Spielern Raum lassen. Teilweise muss ich meine Idee durchsetzen, in anderen Situationen wiederum auf das Teamgefüge hören. Ich habe einen offenen und ehrlichen Umgang mit meinen Spielern. Das ist mir sehr wichtig. Man sieht sich immer zweimal im Leben – und gerade im Amateurfussball braucht es diesen respektvollen und ehrlichen Umgang miteinander.

Zum Abschluss der Blick nach vorne: Welche Ziele hast du mit dem FC Ruggell in dieser Saison – und wo möchtest du die Mannschaft beziehungsweise den Verein mittelfristig sportlich sehen?

Das grosse sportliche Ziel für diese Saison ist ganz klar der Ligaerhalt. Persönlich denke ich aber auch, dass der FC Ruggell versuchen sollte, sich langfristig in dieser Liga zu etablieren. Gemeinsam mit der sportlichen Leitung haben wir uns zudem zum Ziel gesetzt, jungen, talentierten Liechtensteiner Spielern die Möglichkeit zu geben, den Schritt in die 2. Liga Interregional zu machen und sie auf diesem Niveau nachhaltig in unsere erste Mannschaft zu integrieren. Wir möchten ihnen eine echte Perspektive bieten und gleichzeitig von der höheren Spielklasse profitieren lassen, um sie sportlich weiterzuentwickeln.

Mir ist bewusst, dass gegenüber der 2. Liga regional etwas von der Regionalität verloren geht. Sportlich macht dieser Schritt den Spielern aber mehr Spass und bietet für ihre Entwicklung sehr viel.

Es ergeben dadurch auch immer wieder neue und schöne Geschichten. Ein aktuelles Beispiel ist die Nominierung von Florian Allgäuer für die Nationalmannschaft. Florian ist ein sehr gutes Beispiel für junge Ruggeller, die aus dem Breitenfussball kommen und sich entsprechend entwickeln können. Ich bin der Meinung, dass diese Nominierung ohne unseren Aufstieg in die 2. Liga Interregional in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

 

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