Der Gemeinderat Vaduz hat Grundsatzentscheide zur Neugestaltung des Rathausplatzes und seiner Umgebung gefasst. Damit sind die Rahmenbedingungen für die weitere Vertiefung der Machbarkeitsstudie festgelegt. Im Zentrum stehen ein attraktiver öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität sowie die Erschliessung und die Tiefgarage.

Die Neugestaltung des Rathausplatzes ist Teil der laufenden Zentrumsentwicklung der Gemeinde Vaduz. Grundlage bildet die Strategie Zentrumsentwicklung 2018, deren Bausteine in einem breiten Mitwirkungsprozess mit der Bevölkerung erarbeitet wurden. Nach dem Marktplatz mit Mobilitätsdrehscheibe und Tiefgarage bildet der Rathausplatz den zweiten Entwicklungsschwerpunkt. Grundlagen und Mitwirkung bestimmen die Planung.

In einem öffentlichen Mitwirkungsprozess im Jahr 2025 konnte die Bevölkerung beurteilen, welche Ziele der Zentrumsentwicklung für den Rathausplatz besonders wichtig sind. Die Rückmeldungen bestätigten insbesondere den Wunsch nach einem Treffpunkt für die Bevölkerung, einem Ort für kleinere und mittlere Veranstaltungen und einer ganzjährig nutzbaren Platzgestaltung mit Überdachung. Auch die Verlagerung des Reisebusterminals zugunsten von mehr Raum für die
Bevölkerung sowie weniger Verkehr und Lärm fand Zustimmung.

In die Planung fliessen zudem bestehende Vorgaben und Konzepte der Gemeinde ein. Dazu gehören der Richtplan Räumliche Entwicklung und der Verkehrsrichtplan, der Zonenplan mit Bauordnung sowie der Überbauungsplan «Städtli, Teilbereich Nord, Mitte und Süd». Berücksichtigt werden auch die Nachhaltigkeitsstrategie, das Leitbild, der Nutzungsplan Städtle sowie Erkenntnisse aus dem Vaduzer Dialog und aus der Arbeits- und Begleitgruppe. Aus diesen Grundlagen wurden Leitplanken für die Machbarkeitsstudie abgeleitet. Sie betreffen unter anderem die Aufenthaltsqualität, die Begrünung, die künftige Nutzung des Platzes, die Erschliessung und die Verlagerung des Reisebusterminals.

Am 31. März 2026 genehmigte der Gemeinderat den Verpflichtungskredit für eine Machbarkeitsstudie mit Kostenschätzung. Sie soll die räumlichen, funktionalen, betrieblichen, verkehrlichen und wirtschaftlichen Grundlagen für die Weiterentwicklung des Rathausplatzes schaffen. Dazu wurden verschiedene Varianten untersucht und hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Städtebau,
Nutzung, Betrieb, Erschliessung und langfristige Entwicklungsmöglichkeiten beurteilt. Die bisherigen Ergebnisse machten Grundsatzentscheide erforderlich. Mit diesen hat der Gemeinderat nun die Rahmenbedingungen für die weitere Vertiefung der Studie festgelegt.

 

Rathausplatz bleibt auf Niveau Städtle
Der Rathausplatz soll weiterhin auf dem Niveau Städtle liegen. Damit bleibt die räumliche und funktionale Verbindung zum Rathaus erhalten. Die Flächen auf dem Niveau Äule sollen kurz- und mittelfristig als Grünraum genutzt und langfristig eine bauliche Entwicklung entlang der Äulestrasse nicht verunmöglichen. Frühere Planungen und die ersten Varianten der Machbarkeitsstudie haben gezeigt, dass der Raum zwischen dem Rathaus und der Liegenschaft Städtle 14 eng ist. Deshalb wurde geprüft, wie sich der Rathausplatz mit und ohne diese Liegenschaft entwickeln lässt.

 

Städtle 14 wird in den Planungsperimeter einbezogen
Die Liegenschaft Städtle 14 wird in den Planungsperimeter einbezogen. Vorgesehen ist, die Nutzungen und Angebote zu verlagern und die frei werdende Fläche in die Gestaltung des Rathausplatzes einzubeziehen. Dadurch lässt sich der Platz grosszügiger und als zusammenhängender öffentlicher Raum gestalten. Zugleich verbessert sich das räumliche Verhältnis zwischen dem freistehenden Rathaus und einer flexiblen Überdachung. Auch für die unterirdische Erschliessung und die Anbindung der östlich angrenzenden Liegenschaften entstehen günstigere Voraussetzungen.

Für die heutigen Nutzungen im Städtle 14 wurden verschiedene Standorte geprüft. Die Untersuchungen zeigen, dass sie in den gemeindeeigenen, angrenzenden Liegenschaften Städtle 18, 20 und 22 untergebracht werden können. Dort bestehen Flächenreserven für eine funktionale Neuorganisation und künftige Bedürfnisse. Insbesondere könnte das Vadozner Huus im Städtle 20 mehr Raum erhalten und zugleich in unmittelbarer Nähe des Rathausplatzes bleiben. In diesem Gebäude befindet sich derzeit die Galerie am Lindenplatz. Die derzeitige Mieterschaft hat der Gemeinde bereits unabhängig von den Planungen zur Neugestaltung des Rathausplatzes mitgeteilt, dass sie das Mietverhältnis beenden und den Standort verlegen wird.

 

Tiefgarage und Erschliessung neu ordnen
Die Machbarkeitsstudie wird mit einer zweigeschossigen Unterkellerung des Rathausplatzes weitergeführt. Nach den bisherigen Untersuchungen ist eine Tiefgarage im zweiten Untergeschoss die zweckmässigste Lösung. Sie ermöglicht eine niveaugleiche Anbindung an die bestehende Tiefgarage und eine Erschliessung über die gemeindeeigene Liegenschaft Städtle 28. Oberhalb
der Garagendecke bleibt Raum für die bestehenden Werkleitungen und den eingedolten Altenbach.
Das erste Untergeschoss tritt aufgrund der Geländeverhältnisse zur Äulestrasse hin als Sockelgeschoss in Erscheinung. Vorgesehen sind dort vor allem Lager- und Nebenräume für den Betrieb des Rathausplatzes, etwa für  Veranstaltungsmobiliar. Hinzu kommen öffentliche WC-Anlagen als Ersatz für die Anlage beim heutigen Reisebusterminal. Auch technische Einrichtungen für
Veranstaltungen wie Vaduz on Ice könnten im Sockelgeschoss untergebracht werden. In der weiteren Planung wird zudem geprüft, ob eine unterirdische Verbindung zum Rathaus sowie zusätzliche Räume für die Gemeindeverwaltung möglich sind.

Ebenfalls in die weitere Planung aufgenommen wird die Verlegung der bestehenden Einfahrt zum Parkhaus Zentrum von der Nord- auf die Westseite. Damit soll der zentrale Bereich des unteren Rathausplatzes vom motorisierten Verkehr entlastet werden. Die dadurch wegfallenden oberirdischen
Parkplätze sollen grösstenteils in der neuen Tiefgarage kompensiert werden. Zwischen Städtle 28 und der Äulestrasse bleibt eine reduzierte Anzahl oberirdischer Parkplätze bestehen.

 

Mehr Grün- und Aufenthaltsraum
Der geplante Grün- und Aufenthaltsraum liegt zwischen dem Rathausplatz und der Äulestrasse. Dieser Bereich soll zu einem öffentlichen Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität weiterentwickelt werden. Die Planung sieht einen Grünraum mit natürlichen Schattenzonen sowie Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten
für verschiedene Generationen vor.

Eine wesentliche Voraussetzung für die künftige Gestaltung ist die Verlagerung des heutigen Reisebusterminals. Eine definitive Standortlösung für den Reisebusverkehr wird parallel und unabhängig von der Machbarkeitsstudie erarbeitet. Ziel bleibt ein neuer, zentrumsnaher Standort. Sollte der Terminal zu Beginn der Realisierung noch nicht verlagert sein, soll dieser Bereich etappenweise gestaltet werden können. Die bestehende WC-Anlage wird entfernt und in der neuen Gestaltung im Bereich des Rathausplatzes integriert.

Weitere Planung und Information der Bevölkerung
Auf Grundlage dieser Grundsatzentscheide wird die Machbarkeitsstudie vertieft. Parallel dazu werden die fachlichen, baulichen, betrieblichen, verkehrlichen, baurechtlichen und finanziellen Grundlagen konkretisiert. Die weiterentwickelte Machbarkeitsstudie soll dem Gemeinderat Anfang 2027 vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage soll der Gemeinderat im Frühjahr 2027 über einen Verpflichtungskredit entscheiden.

Nach der Finalisierung der Machbarkeitsstudie wird die Gemeinde die Bevölkerung an einer Informationsveranstaltung über die Ergebnisse und das weitere Vorgehen informieren.


BilD- (©Gemeinde Vaduz): Der Bereich für die Machbarkeitsstudie ermöglicht eine stimmige Gestaltung von Rathausplatz, Grünraum und Parkierung.


 

 

 

Previous articleHistorischer Staatsbesuch Liechtensteins in Indien 
Next articleAbänderung des Designgesetzes verabschiedet