Vaduz – Vom 4. bis 9. Oktober 2026 nahm die IPU- Delegation des Landtags mit den Abgeordneten Dagmar Bühler-Nigsch und Daniel Salzgeber sowie Delegationssekretärin Jessica F. Bucher an der Konferenz der Interparlamentarischen Union (IPU) in Arusha, Tansania, teil. Unter dem Konferenzthema «Stärkung der staatlichen Strukturen und Gemeinschaften durch Inklusion, Vertrauen und Chancengerechtigkeit für alle» tauschten sich rund 700 Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus über 130 Ländern aus.
Vielseitige Konferenz
An der IPU-Vollversammlung hat jedes Land die Möglichkeit, sich zum aktuellen Konferenzthema zu äussern. Delegationsleiterin Bühler-Nigsch gab Einblicke in Liechtensteins starke Organisationen, welche sich mit grossem Engagement für Inklusion und Chancengerechtigkeit einsetzen. «Diese enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft ist der Erfolgsfaktor Liechtensteins». Der Abgeordnete Salzgeber betonte in seiner Ansprache die Wichtigkeit von Einbezug der Bevölkerung in den politischen Entscheidungsprozess. «Politik kann nur Vertrauen schaffen, wenn sie nahe bei den Menschen bleibt», so Salzgeber.
Im Rahmen der Konferenz nahm die Delegation auch an verschiedenen Foren und Veranstaltungen teil. Die Abgeordnete Bühler-Nigsch verwies im Forum der Parlamentarierinnen auf die Verantwortung der Politikerinnen. «Wir müssen Frauen in Führungspositionen nicht nur fördern, sondern auch sichtbar machen, denn wo Frauen führen, entstehen Vorbilder für die nächste Generation», so Bühler-Nigsch. Der Abgeordnete Salzgeber vertrat Liechtenstein im Forum der Jungparlamentarier und verwies darauf, dass 32 Prozent der Landtagsabgeordneten in Liechtenstein unter 40 Jahre alt sind. Zudem erwähnte er die derzeit laufende Erarbeitung einer Kinder- und Jugendstrategie, in deren Prozess junge Menschen einbezogen werden. Ein wichtiger Bestandteil der Konferenz ist der Austausch innerhalb der geopolitischen Gruppe 12-Plus. Die liechtensteinische Delegation nutzte die Treffen für Gespräche mit Parlamentariern insbesondere aus europäischen Staaten über aktuelle politische und gesellschaftliche Herausforderungen. Im Zentrum standen dabei auch Themen, die aufgrund der geografischen Nähe und gemeinsamer Rahmenbedingungen für die Mitglieder der Gruppe von besonderer Bedeutung sind. Neben dem parlamentarischen Programm besuchte die Delegation zwei Projekte des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes (LED) im Schwerpunktland Tansania. Die Projektbesuche ermöglichten der Delegation, sich vor Ort ein Bild von der konkreten Umsetzung und Wirkung der liechtensteinischen Entwicklungszusammenarbeit zu machen und mit Verantwortlichen sowie Begünstigten ins Gespräch zu kommen.
Neuer Präsident, neues Mitglied
Der Sprecher des australischen Repräsentantenhauses, Milton Dick, wurde mit 55,7% zum neuen Präsidenten der IPU für die nächsten drei Jahre gewählt. Er trat gegen Sahiba Qafarova aus Aserbaidschan und Rojo Edwards Silva aus Chile an. Die australische Delegation setzt sich als aktives Mitglied in der geopolitischen Gruppe der Asien-Pazifik-Staaten ein, gehört jedoch als Teil des Commonwealth auch der 12-Plus-Gruppe an. Milton Dick traf sich im Vorfeld seiner Wahl mit der liechtensteinischen Delegation zu einem bilateralen Austausch. Weiters wurde der Inselstaat Naoero als 184. Mitglied in die IPU aufgenommen. Die Republik im Südpazifik gilt mit einer Fläche von nur 21 Quadratkilometern und knapp 11`000 Einwohnern als das drittkleinste Land der Welt. Der Cremer-Passy-Preis 2026 für aussergewöhnlichen Einsatz für die IPU wurde der paraguayischen Abgeordneten Rocío Abed de Zacarías für ihre parlamentarische Arbeit in den Bereichen Gesundheit, Frauenrechte und soziale Inklusion verliehen.
Appell für mehr Inklusion
Zum Abschluss der 153. IPU-Versammlung in Tansania haben die Delegierten die Erklärung von Arusha verabschiedet, die auf eine Stärkung der Demokratie durch Inklusion und Vertrauen abzielt. Angesichts globaler Krisen und des technologischen Wandels verpflichten sich die Parlamente, die Kluft zur Bevölkerung aktiv zu schliessen und politische Prozesse transparenter zu gestalten. Das Kernziel der Erklärung ist es, die Lebensrealitäten der Menschen – insbesondere von marginalisierten Gruppen und der Jugend – direkt in die Gesetzgebung einzubinden.
«Die Teilnahme an der Konferenz bot unserer liechtensteinischen Delegation die Gelegenheit, sich in den internationalen parlamentarischen Dialog einzubringen und sich mit Vertretenden anderer Parlamente über gemeinsame Herausforderungen auszutauschen. Die Besuche der LED-Projekte ergänzten diesen politischen Austausch um konkrete Einblicke in das liechtensteinische Engagement vor Ort und dessen Wirkung für die lokale Bevölkerung», so Abgeordnete Bühler-Nigsch.
Die nächste IPU-Konferenz findet im Mai 2027 in Genf statt. (PD)
BILD: Liechtensteinische Delegation mit dem Abgeordneten Dagmar Bühler-Nigsch (mitte) und Daniel Salzgeber sowie Delegationssekretärin Jessica F. Bucher (Bild: PD)

