Industriezubringer Vaduz-Triesen – ein Trauerspiel in Zeitlupe
Leserbrief des Mobilitätsvereins Liechtenstein (Move-li.li)
Bereits 2006 vereinbarten die Gemeinden Vaduz und Triesen mit dem Land den Bau des Industriezubringers. Die Gemeinderäte stimmten der Grundstücksabtretung entlang des Rheindamms zu. Seither sind 20 Jahre vergangen. Statt das Projekt zügig voranzutreiben, bewegten sich fünf Regierungen nur im Schneckentempo. Der Vorschlag der Gemeinden für eine komfortable, grün überdeckte Galerie-Strasse wurde wegen angeblicher Kosten verworfen. Stattdessen wird die Fortführung der Vaduzer Rheinstrasse vom Stadion zur alten Rheinbrücke kopiert, die 2000-2002 realisiert wurde.
In den letzten 50 Jahren hat das Land – abgesehen von der kurzen Umfahrung Schaan – keine einzige neue Strasse gebaut. Während Nachbarorte wie Feldkirch und Buchs mit Umfahrungen und Tunneln ihre Zentren entlasten, setzt Liechtenstein aufs Abwarten. Bestehende Strassen werden für Millionen verengt, um den Verkehrsfluss bewusst zu behindern. Das Ziel, Autofahrer zum Umstieg zu zwingen, scheitert kläglich: Von 1990 bis 2025 stieg der Anteil des Autoverkehrs von 66 % auf 75 %. Die Anteile von LIEmobil (ca. 11 %) sowie des Fuss- und Radverkehrs (ca. 12 %) stagnieren – trotz teurer Vorrang-Radwege. Stattdessen stehen 98 % der Verkehrsteilnehmer in Schaan regelmässig vor geschlossenen Bahnschranken für die schwach besetzte ÖBB. Sogar Sevelen hat seit fast 30 Jahren eine Unterführung, Die Lösungssuche wird in Schaan trotz Versprechen vor einigen Jahren wohl Wunschdenken bleiben.
Nun die nächste Hiobsbotschaft: Der Baubeginn des Industriezubringers VADUZ – TRIESEN verschiebt sich von Herbst 2026 auf 2027. Die Begründung: Verzögerte Ausschreibungen, aufwendige Bewilligungen (des Landes selbst?) und „schwierige Bodenverhandlungen“ – und das, obwohl fast alle Grundstücke seit zwei Jahrzehnten von den Gemeinden zugesagt sind.
Was ist da eigentlich los in der Verkehrsplanung und Amtsführung? Landtag und Regierung schauen weg, während die Bevölkerung vertröstet wird.
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