Die ehemaligen Skirennfahrer Christina Bühler und Marco Pfiffner sprechen über den Abschied vom Spitzensport – und weshalb Eigenschaften aus dem Sport auch ausserhalb der Piste tragen.

Interview: Tilmann Schaal

Der Rücktritt vom Spitzensport ist ein grosser Einschnitt. Wie habt ihr diesen Moment erlebt?

Christina Bühler:
Für mich war der Rücktritt lange nicht absehbar. Ich hatte grosse Ziele und Träume. Nach einer weiteren Verletzung musste ich den Gedanken aber akzeptieren. Ich sprach intensiv mit meinem Umfeld, brauchte Zeit. Aber war der Entscheid erst einmal ausgesprochen, wurde es leichter. Heute kann ich dahinterstehen, auch wenn ich den Skisport vermisse.

Marco Pfiffner: Bei mir war es ein schleichender Prozess. Ende der vergangenen Saison merkte ich, dass die bedingungslose Entschlossenheit fehlte, Risiko zu nehmen und alles auf eine Karte zu setzen. Als Speed-Fahrer ist das aber entscheidend. Damit war klar: So, wie ich eigentlich arbeiten und fahren möchte, fühlt es sich nicht mehr an.

Was verändert sich, wenn der strukturierte Alltag des Spitzensports plötzlich wegfällt?

Christina Bühler: Als Athletin war praktisch alles auf Training, Wettkampf, Ernährung und Erholung ausgerichtet. Nach einem Rücktritt muss man sich anders organisieren und Prioritäten neu setzen. Die Umstellung fiel mir leichter, da ich vorher verletzt und in der Abschlussphase meines Bachelorstudiums war.

Marco Pfiffner: Ich habe mir bewusst etwas Zeit gelassen, weil ich wusste, dass auch neue Aufgaben Energie brauchen. Ich trainiere weiterhin, aber für die Gesundheit. Früher war sehr klar, worauf alles ausgerichtet ist. Jetzt muss ich mir neue Ziele setzen.

Was hat euch im Übergang besonders herausgefordert?

Christina Bühler: Jetzt ist es schwieriger, den Fokus auf nur eine Sache zu legen. Man verliert sich schnell in unterschiedlichen Aufgaben und hat am Abend manchmal das Gefühl, nicht genug erreicht zu haben. Die Arbeitswelt, besonders das Arbeiten in Teams, fühlt sich nochmals ganz anders an als im Sport. Zwar war ich durch mein Fernstudium an Eigenverantwortung gewöhnt, musste mich aber dennoch auf viele neue Situationen einlassen.

Marco Pfiffner: Ich musste mich an fixe Abläufe gewöhnen, etwa daran, Ferien Monate im Voraus einzuplanen. Als Sportler ist man viel spontaner und flexibler. Auch die Dauer mancher Aufgaben habe ich unterschätzt: Ein gutes E-Mail ist nicht einfach in zwei Minuten geschrieben. Im Sport weiss man ziemlich genau, wie lange ein Training dauert und wie viel Erholung es braucht. Für die Arbeitswelt muss man dieses Gefühl erst entwickeln.

Welche Erfahrungen aus dem Spitzensport helfen euch heute?

Marco Pfiffner: Die Hartnäckigkeit sicher. Als Sportler ist man gewöhnt, Verantwortung zu übernehmen, Ziele zu setzen und Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten. Damit kann man im Berufsleben andere mitziehen. Gleichzeitig muss man lernen, dass nicht alle Menschen gleich arbeiten und es auch Anpassungsfähigkeit braucht.

Christina Bühler: Rückschläge und Verletzungen haben mich gelehrt, auf neue Ausgangslagen zu reagieren. Jede Rückkehr nach einer Verletzung ist anders und erfordert enorm viel Arbeit. Das sieht man von aussen kaum. Heute weiss ich: Man kann nicht alles planen, aber man kann immer wieder schauen, was unter den aktuellen Bedingungen möglich ist, und den eigenen Weg weitergehen.

Was schätzt ihr an eurem neuen Alltag?

Marco Pfiffner: Ich war immer gerne unterwegs, aber jetzt geniesse ich es sehr, mehr zu Hause zu sein. Ich freue mich ausserdem auf neue Herausforderungen und darauf, neue Menschen kennenzulernen. Die Skiszene ist klein. Nun gilt es, die grosse Welt ausserhalb davon zu entdecken.

Christina Bühler: Ich schätze die grössere Ruhe und Planbarkeit. Im Skisport kann sich wegen Wetter oder Schneeverhältnissen jede Woche alles ändern. Heute ist vieles besser absehbar. Gleichzeitig bin ich noch frisch in diesem neuen Alltag und finde es spannend, dass nun mehr Freiheit da ist.

Wer oder was gibt euch in dieser neuen Lebensphase Halt?

Christina Bühler:
Mein Umfeld: Familie, Eltern und einzelne Vertrauenspersonen – bisher waren es auch Trainer, Physios und Ärztinnen oder Ärzte. Es braucht nicht viele Menschen, aber eine stabile Vertrauensbasis. Den Austausch und dieses Netzwerk nehme ich in jeden Lebensbereich mit.

Marco Pfiffner: Meine Familie und meine Frau geben mir halt – und auch ehemalige Sportler, die diesen Übergang schon gemeistert haben. Sie geben mir Ratschläge, was ihnen in dieser Situation geholfen hat.

Welchen Rat gebt ihr Menschen, die vor einem grossen Wandel stehen?

Marco Pfiffner:
Mutig sein. Wer einen Traum oder eine Idee hat, sollte es versuchen. Man hat meistens weniger zu verlieren, als man denkt. Und es gibt Menschen, die einen unterstützen. All das hat mir gezeigt: Dieser Schritt ist nicht bloss ein Jobwechsel, sondern ein neues Leben.

Christina Bühler: Man sollte offen für Neues sein, dynamisch bleiben und mit Zuversicht weitergehen. Nicht alles muss von Anfang an komplett feststehen. Wichtig ist, sich auf die eigenen Möglichkeiten einzulassen, Verantwortung zu übernehmen und Schritt für Schritt herauszufinden, was passt.

Förderin des Skisports
Die LGT und den liechtensteinischen Skisport verbindet eine lange Erfolgsgeschichte. Seit vielen Jahren unterstützt die LGT den Liechtensteinischen Skiverband (LSV) und war für zahlreiche Athletinnen und Athleten Sponsoringpartnerin. Besonders am Herzen liegt ihr die Förderung junger Talente. Über eine Partnerschaft mit dem Skigebiet Malbun engagiert sich die LGT darüber hinaus für den Breitensport.

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