Postulat zur Prüfung eines Mehrzweckspeichers, zur Reduktion des Trinkwasseranteils und zur Weiterentwicklung der Beschneiung und Wasserbewirtschaftung in Malbun
Gestützt auf Artikel 44 der Geschä5sordnung des Landtages vom 19. Dezember 2012, LGBl. 2013 Nr. 9, reichen die unterzeichnenden Abgeordneten nachstehendes Postulat ein und stellen den Antrag, der Landtag wolle beschliessen:
Die Regierung wird eingeladen, zu prüfen, mit welchen wasserwirtschaftlichen, technischen,
ökologischen und betrieblichen Massnahmen der Trinkwasseranteil bei der Beschneiung in
Malbun deutlich reduziert, die Versorgungssicherheit und Effizienz des bestehenden
Beschneiungsbetriebs verbessert und gegebenenfalls eine Weiterentwicklung auf zusätz-liche Pistenflächen ermöglicht werden kann.
Dabei soll insbesondere geprüft werden:
- ob und unter welchen Voraussetzungen ein multifunktionaler Mehrzweckspeicher oder eine alternative Speicherlösung zur Reduktion des Trinkwasseranteils bei der Beschneiung in Malbun zweckmässig, bewilligungsfähig und wirtschaftlich vertretbar wäre;
- welche möglichen Standorte, Speichervolumen, Wasserzuführungen und technischen Varianten für eine solche Speicherlösung in Betracht kommen und wie sich Wasser-angebot und Wasserbedarf im Jahresverlauf unter heutigen und künftig zu erwartenden klimatischen Bedingungen darstellen; dabei sind insbesondere natürliche Zuflüsse, ein allfälliger Pumpbedarf, Höhendifferenzen sowie die Einbindung in die bestehende Beschneiungs- und Leitungsinfrastruktur zu untersuchen;
- in welchem Umfang der Bezug von Trinkwasser aus dem Reservoir Schneeflucht durch unterschiedliche Speicherlösungen reduziert oder ersetzt werden könnte, insbesondere während der für die Beschneiung kritischen Zeitfenster;
- welche Auswirkungen eine Speicherlösung auf Trinkwasserversorgung, Oberflächen-gewässer, Restwasser, Grundwasser, Natur, Landschaft, Boden, Alpbewirtschaftung, Biodiversität und Energieverbrauch hätte;
- wie die früheren Abklärungen und politischen Entscheide zur Wasserbereitstellung für die Beschneiung in Malbun, insbesondere die früher vorgesehene Speicherlösung und der spätere Entscheid zugunsten anderer Wasserbezugsformen, im Lichte der heutigen Verbrauchszahlen und klimatischen Entwicklungen zu beurteilen sind;
- welche Kosten, Finanzierungsmöglichkeiten und Folgekosten mit verschiedenen Varianten verbunden wären und wie diese im Verhältnis zum wasserwirtschaftlichen, ökologischen und touristischen Nutzen stehen;
- welche weiteren Massnahmen zur Reduktion des Wasser- und Energieverbrauchs möglich sind, insbesondere betriebliche Optimierungen, technische Verbesserungen, allfällige Geländeanpassungen sowie Massnahmen zur effizienteren Nutzung kurzer Kältefenster;
- ob und wie eine Speicherlösung zur Sicherung und Optimierung der heute beschneiten Pistenfläche eingesetzt werden könnte und welche zusätzlichen Anforderungen eine allfällige Erweiterung des bestehenden Beschneiungsbetriebs auf zusätzliche Pistenflächen, einschliesslich der Sareiser Seite, auslösen würde; dabei sind die Varianten miteinander zu vergleichen und insbesondere das jeweils erforderliche Speichervolumen, der zusätzliche Wasser- und Energiebedarf, die technische Infrastruktur, die Kosten, die Bewilligungsfähigkeit und die Umweltauswirkungen transparent auszuweisen;
- ob und unter welchen Voraussetzungen ein Mehrzweckspeicher auch ausserhalb der Beschneiung genutzt werden könnte, insbesondere zur Unterstützung der Alpbe-wirtschaftung, zur Wasserversorgung von Vieh und Alpen, als Löschwasserreserve sowie als landschaftsverträglicher Erholungsraum, Naturerlebnis, Biodiversitätsfläche oder sofern machbar und bewilligungsfähig, als Bade- oder Aufenthaltsbereich;
- welche rechtlichen, raumplanerischen und bewilligungsrechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen wären und welcher realistische Zeitplan für Planung, Bewilligung und Umsetzung bestünde.
Die Regierung wird eingeladen, dem Landtag die Ergebnisse in einem Bericht darzulegen und konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen.
Begründung
Die Beschneiung in Malbun ist für die Sicherung des Winterbetriebs von erheblicher Bedeutung. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, ob die heutige Wasser-bereitstellung langfristig wasserwirtschaftlich, ökologisch und politisch die beste Lösung darstellt.
Wie dem Rechenschaftsbericht 2025 der Regierung zu entnehmen ist, haben die Berg-bahnen Malbun AG in der Schneesaison 2024/2025 insgesamt 80’415 m³ Wasser für die Beschneiung verbraucht. Davon wurden 37’840 m³ aus dem Malbun- und dem Guschgerbach sowie 42’575 m³ aus dem Trinkwasserreservoir Schneeflucht bezogen.
Damit stammte mehr als die Hälfte des verwendeten Beschneiungswassers aus Trinkwasser.
Wasser ist keine beliebige Ressource. Es ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage und muss
gerade vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen, trockener Perioden und mög-licher Nutzungskonflikte besonders sorgfältig eingesetzt werden. Deshalb ist zu prüfen, wie der heutige Trinkwasseranteil bei der Beschneiung in Malbun deutlich reduziert werden kann.
Die Frage einer Speicherlösung für die Beschneiung in Malbun ist nicht neu. Bereits im Rahmen des Projekts «Unser neues Malbun» war ein Speichersee ausdrücklich vorgesehen. Der konkret geplante Speicher wurde später insbesondere aufgrund der erforderlichen
Lawinenschutzmassnahmen, des Landschaftseingriffs und der Kosten verworfen; statt-dessen wurde der direkte Wasserbezug aus dem Reservoir der Wasserversorgung der Gemeinde Vaduz ermöglicht. Auch die im Jahr 2022 beschlossene Strategie zur Weiterent-wicklung von Malbun/Steg sieht die Sicherung des Winterangebots und Investitionen in die Optimierung der Beschneiung vor, weist jedoch keine vertiefte Neubeurteilung einer Speicherlösung aus.
Vor dem Hintergrund der heutigen Verbrauchszahlen, des hohen Trinkwasseranteils sowie der veränderten klimatischen und technischen Rahmenbedingungen erscheint es angezeigt, diese früheren Annahmen und Entscheide neu zu beurteilen. Dabei soll insbesondere geprüft werden, ob eine Speicherlösung heute einen substanziellen Beitrag zur Reduktion des Trinkwasserbezugs, zur betrieblichen Optimierung der Beschneiung und gegebenenfalls zur Weiterentwicklung des bestehenden Winterangebots leisten könnte.
Ziel des Postulats ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage für den Entscheid über eine
mögliche Realisierung eines multifunktionalen Mehrzweckspeichers oder einer anderen
Speicherlösung. Zu klären ist, ob eine solche Anlage technisch, ökologisch, rechtlich und
wirtschaftlich vertretbar ist, in welchem Umfang sie den Trinkwasserbezug reduzieren oder
ersetzen und die Versorgungssicherheit des bestehenden Beschneiungsbetriebs verbessern
kann und ob sie darüber hinaus eine gezielte Weiterentwicklung der Beschneiung ermöglichen könnte.
Die Herausforderung der künftigen Wasserversorgung liegt nicht allein in der verfügbaren
Gesamtwassermenge, sondern zunehmend auch in deren zeitlicher und räumlicher Ver-fügbarkeit. Für den Beschneiungsbetrieb kann daher weniger die Jahresgesamtmenge als vielmehr die Verfügbarkeit während einer kurzen, kritischen Beschneiungsphase ausschlag-gebend sein. Mit dem Rückgang der natürlichen Speicherwirkung von Schnee und Eis sowie häufigeren Trockenperioden gewinnt die gezielte Speicherung von Wasser in Zeiten aus-reichender Verfügbarkeit an Bedeutung. Eine Speicherlösung könnte dazu beitragen, Wasserentnahme und Wasserverbrauch zeitlich zu entkoppeln: Wasser könnte dann gefasst werden, wenn es in ausreichender Menge verfügbar ist, und zu einem späteren Zeitpunkt bedarfsgerecht genutzt werden. Dadurch könnten Entnahmen aus der Trinkwasser-versorgung und aus Oberflächengewässern während wasserwirtschaftlich oder ökologisch sensibler Perioden reduziert, Nutzungskonflikte vermindert und die Planungssicherheit für den Winterbetrieb verbessert werden.
Über die Entlastung der Trinkwasserversorgung hinaus ist deshalb zunächst zu prüfen, in
welchem Umfang eine Speicherlösung die Versorgungssicherheit und Optimierung des heute beschneiten Gebiets verbessern könnte. In einem weiteren Schritt ist zu beurteilen, ob und unter welchen Voraussetzungen das verfügbare Wasser auch eine gezielte Er-weiterung des Beschneiungsbetriebs auf zusätzliche Pistenflächen ermöglichen könnte. Dabei ist auch die Sareiser Seite als mögliche Variante zu prüfen. Eine solche Erweiterungs-variante ist der Beibehaltung der heu-gen beschneiten Pistenfläche gegenüberzustellen und hinsichtlich zusätzlichem Speichervolumen, Wasser- und Energiebedarf, technischer Infra-struktur, Kosten, Bewilligungsfähigkeit und Umweltauswirkungen transparent auszuweisen.
Gleichzeitig sind die Auswirkungen auf Natur, Landschaft, Gewässer, Boden, Alpbe-wirtschaftung und Energieverbrauch sorgfältig zu prüfen. Eine Speicherlösung darf nicht isoliert als technische Anlage betrachtet werden, sondern muss in eine Gesamtbetrachtung zur Zukunft des Naherholungsgebiets Malbun eingebettet werden.
Dazu gehört auch die Frage, ob eine solche Anlage ausserhalb der Beschneiung einen
zusätzlichen Nutzen schaffen könnte, etwa für die Alpbewirtschaftung, als Lösch-wasserreserve sowie im Sommer als landschaftsverträglicher Erholungsraum, Naturerlebnis oder Biodiversitätsfläche oder, sofern machbar und bewilligungsfähig, als Bade- oder Aufenthaltsbereich. Eine solche Mehrfachnutzung könnte den Nutzen einer allfälligen Investition erhöhen und Malbun als Ganzjahres-Naherholungsgebiet stärken.
Auch aktuelle Untersuchungen aus der Schweiz zeigen, dass alpine Speicher angesichts zu-nehmender Nutzungskonflikte und veränderter Wasserverfügbarkeit verstärkt multi-funktional gedacht und für unterschiedliche Nutzungen eingesetzt werden können.
Das Postulat verlangt daher eine ergebnisoffene Prüfung. Es soll geklärt werden, welche
Varianten technisch machbar, ökologisch vertretbar, finanziell realistisch und politisch
verantwortbar sind. Auf dieser Grundlage kann der Landtag entscheiden, ob weitere Schritte angezeigt sind.

