Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen, gehört zu den schwersten Momenten im Leben. Für viele ist es wichtig, diesen Abschied persönlich zu gestalten. Sie wünschen sich eine individuell gestaltete Abschiedsfeier, die persönliche Erinnerungen aufgreift und einen würdevollen Rahmen für das gemeinsame Abschiednehmen schafft. Dabei sollen die Persönlichkeit und das Leben des verstorbenen Menschen spürbar werden. Auch die Form der Bestattung kann Teil dieser persönlichen Gestaltung sein. Die Gruppe «Abschied in Würde» des Vereins für eine offene Kirche bietet verschiedene Formen von Abschiedsfeiern und Begleitungen bei Bestattungen an. Sandra Büchel-Thalmaier und Margot Hassler informieren über das Angebot und die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten.

Interview: Johannes Kaiser

Wie haben sich die Wünsche und Bedürfnisse rund um Abschiedsfeiern in den vergangenen Jahren verändert?
Sandra Büchel-Thalmaier: Der Wunsch nach einer persönlichen Form des Abschiednehmens ist in den vergangenen Jahren deutlich stärker geworden. Viele Angehörige möchten die Abschiedsfeier so gestalten, dass der verstorbene Mensch mit seiner Persönlichkeit, seiner Lebensgeschichte und den gemeinsamen Erlebnissen nochmals spürbar wird.

Erinnerungen wie Fotos, Musik und Texte spielen dabei eine wichtige Rolle. Der Verein für eine offene Kirche hat dieses Bedürfnis aufgegriffen und die Gruppe «Abschied in Würde» einen Rahmen ausgearbeitet, in dem Abschiedsfeiern individuell und nach den persönlichen Vorstellungen der Angehörigen gestaltet werden können.

Warum ist die Nachfrage zusehends gewachsen?
Margot Hassler: Unsere Lebens- und Glaubenswelten verändern sich stark. Traditionelle Formen des Abschiednehmens, gerade in einem kirchlichen Rahmen, entsprechen nicht mehr für alle Menschen den eigenen Vorstellungen. Gleichzeitig ist das Bedürfnis gewachsen, Abschiedsfeier und Bestattung persönlicher zu gestalten und dabei das Leben und die Persönlichkeit des verstorbenen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Coronazeit hat zudem nochmals verdeutlicht, wie wichtig das gemeinsame Abschiednehmen im Kreis von Familie und Freunden ist. Unser Anliegen ist es, Angehörige dabei zu begleiten und gemeinsam mit ihnen eine Form des Abschieds zu finden, die für sie stimmig ist und dem verstorbenen Menschen gerecht wird.

Wer gehört zur Gruppe «Abschied in Würde» und begleitet die Angehörigen bei der Vorbereitung und Gestaltung einer Abschiedsfeier?
Sandra Büchel-Thalmaier: Wir sind von unserem Hintergrund her christliche Theologinnen und Theologen sowie Religionspädagoginnen und -pädagogen. Wir bieten unser Angebot aber allen Menschen, unabhängig von einer Religion, an und bereiten die Abschiedsfeier in persönlichen Gesprächen gemeinsam mit den Angehörigen vor. Dabei nehmen wir uns Zeit, ihre Wünsche und Bedürfnisse kennenzulernen und zu erfahren, was ihnen für den Abschied wichtig ist. Persönliche Texte, Fotos, Symbole, Musik und weitere Gestaltungselemente können in die Abschiedsfeier einfliessen. Wobei die Abschiedsfeier von der Bestattung auch getrennt werden kann. Manche wünschen nur eine Abschiedsfeier oder eine Bestattung, andere beides. So entsteht eine Form des Abschieds, die auf den verstorbenen Menschen und die Trauernden abgestimmt ist.

Todesfälle in einer Familie bilden einen emotionalen Ausnahmezustand.
Margot Hassler: Nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen befinden sich die Angehörigen in einer emotional schwierigen Situation. In den Gesprächen geht es deshalb zunächst darum, zuzuhören und wahrzunehmen, was die Menschen beschäftigt und was sie in dieser Situation brauchen. In einem vertraulichen Rahmen besprechen wir ihre Wünsche und Vorstellungen und überlegen gemeinsam, wie Abschiedsfeier und Bestattung gestaltet werden können.

Sandra Büchel-Thalmaier: Abschiednehmen ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit. Gemeinsam ausgewählte Musik – beispielsweise das Lieblingslied des verstorbenen Menschen –, der Lebenslauf, Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben, ein persönlicher Brief, Fotos aus verschiedenen Lebensphasen oder ein Gegenstand mit besonderer Bedeutung können Erinnerungen lebendig werden lassen und dem Abschied eine persönliche Form geben. Die Abschiedsfeier schafft dafür einen gemeinsamen Rahmen und gibt der Trauer Raum.

Was ist euch in den Gesprächen mit den Trauerfamilien besonders wichtig?
Sandra Büchel-Thalmaier: Die Gespräche mit den Angehörigen finden in einem vertrauensvollen und offenen Rahmen statt. Neben der konkreten Vorbereitung der Abschiedsfeier kommen dabei oft auch Fragen zu Leben und Tod, zu Glauben und persönlichen Vorstellungen zur Sprache. Für all das soll Platz sein, je nachdem, was die Familie wünscht. Gemeinsam schauen wir, was den verstorbenen Menschen ausgemacht hat und was davon in die Abschiedsfeier einfliessen soll. Manchmal haben Verstorbene selbst Wünsche für ihre Verabschiedung oder Bestattung geäussert. Diese Wünsche aufzunehmen und gemeinsam eine Form des Abschieds zu finden, die dem verstorbenen Menschen und den Angehörigen entspricht, kann vielen helfen, sich mit dem Verlust auseinanderzusetzen und nach und nach mit der veränderten Lebenssituation umzugehen.

Margot Hassler: Jede Familie geht anders mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen um. Deshalb ist es uns wichtig, zunächst herauszufinden, welche Art des Abschiednehmens die Angehörigen wünschen. Manche kommen bereits mit klaren Vorstellungen zur Abschiedsfeier und zur Bestattung, andere wünschen sich mehr Orientierung und konkrete Vorschläge. Darauf stellen wir uns ein. Wir zeigen verschiedene Möglichkeiten auf und entwickeln gemeinsam mit der Familie eine Feier, die ihren Bedürfnissen entspricht. Dabei können sich die Angehörigen natürlich jederzeit selbst einbringen – mit Texten, dem Lebenslauf, Musik oder eigenen Beiträgen.

Was bedeutet es euch persönlich, Angehörige bei der Gestaltung eines würdevollen Abschieds zu begleiten?
Sandra Büchel-Thalmaier: Menschen in einer so herausfordernden Phase ihres Lebens begleiten zu dürfen, bewegt mich sehr. In den Gesprächen entsteht ein Bild davon, was den verstorbenen Menschen und seine Persönlichkeit geprägt hat und welche gemeinsamen Erlebnisse und Erinnerungen für die Angehörigen von besonderer Bedeutung sind. Gemeinsam daraus eine Abschiedsfeier zu entwickeln, in der diese Verbundenheit und die gemeinsamen Erinnerungen zum Ausdruck kommen, empfinde ich als eine sehr sinnvolle Aufgabe.

Margot Hassler: Mich berührt besonders das Vertrauen, das uns die Angehörigen in diesen Gesprächen entgegenbringen. Dabei kommen oft grundlegende Fragen zu Leben, Tod und Abschied zur Sprache – Fragen, auf die es nicht immer abschliessende Antworten gibt. Manchmal fehlen auch einfach die Worte. Dann können ein bestimmtes Lied, ein Text, ein Bild oder eine symbolische Handlung ausdrücken, was sich nur schwer sagen lässt. Gemeinsam eine Form des Abschieds zu finden, die für die Angehörigen stimmig ist und ihnen in ihrer Trauer hilft, ist für mich ein wichtiger Teil unserer Begleitung.



Kontakt

Abschied in Würde
(Verein für eine offene Kirche)

Tel.: Abschied in Würde +423 789 00 99
E-Mail: verein@offenekirche.li

Previous articleBalzers 2 sichert sich letztes Viertelfinalticket
Next articleWie war das jetzt noch mit den Krankenkassen-Beiträgen?