Lesermeinung von Georg Kieber, Binzastrasse 8, Mauren 

Für die Liewo vom letzten Sonntag wurden Abgeordnete gefragt, wie sich Liechtenstein auf neue Bedrohungen einstellen solle. Achim Vogt sagte dazu: Als kleines Land sei „ein neutrales, defensives Verhalten auf der grossen Bühne überlebensnotwendig.“  Johannes Zimmermann hingegen verweist auf unsere vielen staatlichen Mitgliedschaften, Abkommen und Verträge, woraus sich ergebe, dass wir als „internationaler Player“ auch Sanktionen anderer mittragen. Insofern seien wir „angreifbar wie die Grossen auch“. (Cyberangriffe, Sabotageakte auf die Infrastruktur)

Allerdings meint er, es genüge, über keine Armee zu verfügen, um „als neutrales Land wahrgenommen“ zu werden. Das stimmt natürlich nicht. Kaum hatte ein russischer Soldat die Grenze überschritten, reiste unsere damalige Aussenministerin nach Kiew und liess sich solidarisch mit der Ukraine und als Gegnerin Russlands medienwirksam im Luftschutzbunker fotografieren. Das wird von niemandem als neutral wahrgenommen. Ausserdem gelten Sanktionen, die wir mittragen, als Teil eines Wirtschaftskrieges und liefern uns den Bedrohungen aus wie sie J. Zimmermann erwähnt, „wie du mir, so ich dir“.

Die vielseitigen Fragestellungen und unterschiedlichen Meinungen zu Neutralität werden im Rahmen eines Interviews von Johannes Kaiser mit Gebhard Frick in der Lie:zeit (09/26) im grösseren Zusammenhang kompetent und vertieft diskutiert. Gebhard Frick erklärt den Auslöser der Neutralitätsinitiative in der Schweiz, geht auf deren Bezug zum Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten ein und informiert über die Kernpunkte der Debatte in Österreich und Deutschland. Kleine Länder gerieten öfter in den politischen und wirtschaftlichen Würgegriff der Imperien. „Das ist brandgefährlich“, sagt Gebhard Frick. Daher, so seine Überzeugung, sei „unsere faktische Neutralität in der Verfassung zu festigen“. Neutralität biete ausserdem grösstmögliche Sicherheit. Der Souverän, Fürst und Volk, muss darüber entscheiden.

 

 

 

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