Während sich die Nachrichten über Wasserknappheit aus anderen Ländern über den Sommer häuften und kommunale Sparmassnahmen sogar auf der Schweizer Seite des Rheins ergriffen wurden, war Liechtenstein in der glücklichen Lage, stets genug Wasser zu haben. Eine Knappheit drohte zu keinem Zeitpunkt, wie GWO-Präsident Christoph Beck und WLU-Geschäftsführer Georg Matt versichern.
Text: Heribert Beck
«Im Sorgenbarometer, das jeden Sommer vom ‹Liechtensteiner Vaterland› und vom Liechtenstein Institut erhoben wird, fehlen die Wasserversorgungen Liechtensteins gänzlich», sagt Georg Matt, Geschäftsführer der Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland (WLU). 9 Prozent der Teilnehmenden hingegen nannten die steigenden Energiepreise als eine ihrer grössten Sorgen. Dass das wichtigste Grundnahrungsmittel trotz der grossen Sommerhitze der vergangenen Jahre aber mit keiner Silbe erwähnt werde, zeige deutlich: «Es ist bei uns zur Selbstverständlichkeit geworden, dass die Wasserversorgung ganzjährig unterbruchsfrei funktioniert.»
Dass dem so ist, verdanken die Liechtensteiner Wasserkunden einerseits der glücklichen geografischen Lage des Landes zwischen Rhein und Quellen an den talseitigen Berghängen sowie im Alpengebiet. Sie verdanken es aber auch der stetigen Arbeit der Wasserversorger. Neben der WLU, in der alle Unterländer Gemeinden zusammengeschlossen sind, gehören dazu die Wasserwerke der sechs Oberländer Gemeinden. Sie sind dezentral organisiert, aber – mit Ausnahme von Planken, das über reichlich Quellwasser verfügt – über die Gruppenwasserversorgung Liechtensteiner Oberland (GWO) zusammengeschlossen. Die Netze sind so organisiert, dass sich die Gemeinden bei Knappheit oder temporärem Ausfall von Anlagen gegenseitig aushelfen können. Das gilt auch über den Scheidgraben hinweg. «Mit dem Netzverbund über Schaan ist die WLU mit allen GWO-Partnergemeinden verbunden. Es könnte beispielsweise bei Bedarf und in Notlagen Wasser von Balzers nach Ruggell und umgekehrt geleitet beziehungsweise gepumpt werden», sagt der Triesenberger Vorsteher und GWO-Präsident Christoph Beck. In der Praxis fliesst das Wasser zwar tendenziell eher von Süden nach Norden, da die WLU nicht auf den Wasserreichtum des Oberlands zurückgreifen kann. Sollten im Oberland aber einmal bedeutende Anlagen ausfallen, kann die GWO genauso auf die WLU zählen wie umgekehrt.
Priorität: Nutzung von Quellwasser
Das Oberland verfügt aber nicht nur über mehr Wasser als das Unterland, sondern verbraucht aufgrund seiner Einwohnerzahl und Wirtschaftsstruktur auch deutlich mehr. Knapp 5,1 Millionen Kubikmeter waren es im Jahr 2025 – wobei gut 1,3 Millionen über die Selbstversorgung der Industrie gedeckt wurden. Die öffentliche Versorgung durch die GWO lieferte im vergangenen Jahr knapp 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser an die Verbraucher. Sie greift dazu auf Quell- und Grundwasser zurück. «In erster Priorität wird das anfallende Quellwasser genutzt, das restliche benötigte Wasser wird durch Grundwasser gedeckt», sagt Christoph Beck. Im Jahr 2025 wurden 72 Prozent durch Quellwasser und 28 Prozent durch Grundwasser gewonnen. Im Juli 2026 betrug der Anteil des Quellwassers hingegen lediglich 45 Prozent, der des Grundwassers 55 Prozent. «Wobei der Quellertrag im heissen Juli deutlich geringer war als im Jahresschnitt und der Gesamtverbrauch naturgemäss höher lag.»
Zählt man die Höchstverbrauchstage aller GWO-Mitgliedsgemeinden zusammen, kommt man für 2025 auf 18’000 Kubikmeter, 2026 auf 24’000 Kubikmeter. «Wobei dies keine genaue Auswertung für die gesamte GWO ist, da die Höchstverbrauchstage der einzelnen Gemeinden nicht auf dasselbe Datum fallen müssen», sagt Christoph Beck. Was sich aber definitiv sagen lässt: «Der Gesamtverbrauch im Juni 2026 lag zirka 10 Prozent höher als im Vorjahr, jener im Juli 2026 rund 25 Prozent.» Der August war zum Redaktionsschluss noch nicht ausgewertet.
«Extrem war es in diesem Sommer nie»
Georg Matt wiederum relativiert den direkten Zusammenhang zwischen Hitzesommer und Extremverbrauch. Die WLU, die 2025 knapp 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser an ihre Kunden lieferte, verzeichnete in den vergangenen zwei Monaten einen stetig hohen Verbrauch. «Er war jedoch nie extrem», sagt der Geschäftsführer. «Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass ein Grosskunde weniger Wasser bezogen hat und die meisten Abnehmer sorgsam und haushälterisch mit dem Wasser umgegangen sind. Recht herzlichen Dank dafür an unsere Kunden. Jedoch gab es auch einzelne Kunden, die ihren Verbrauch gegenüber den Wintermonaten um den Faktor 40 angehoben haben.»
Georg Matt präsentiert ausserdem weitere Werte, die den Verbrauch im Sommer 2026 relativieren: «Am Höchstverbrauchstag im laufenden Jahr, am 26. Juni, bezogen unsere Kunden 9697 Kubikmeter Wasser. Dieser Wert wurde in den vergangenen 20 Jahren neunmal übertroffen.» Der Gesamtverbrauch für den Juli, wurde allein in den drei Vorjahren zweimal übertroffen. Eine Ausnahme bildet lediglich der verregnete Juli 2025.
Und auch im Unterland unterliegt das Verhältnis zwischen Quell- und Grundwasser starken Schwankungen. «Im Jahresdurchschnitt seit 1961 betrug der Quellwasseranteil zwischen 75 und 30 Prozent, wobei bei den niedrigen Anteilen auch Ausserbetriebnahmen von Quellen infolge von Sanierungen oder ähnlichem zu berücksichtigen sind. Der Quellwasseranteil pro Woche schwankte 2025 zwischen 18 und 55 Prozent.»
GWO-Mitglieder und WLU planen für die Zukunft
Sowohl Christoph Beck als auch Georg Matt können bestätigen, dass im Sommer 2026 zu keiner Zeit eine Wasserknappheit drohte. Damit dies in Zukunft so bleibt, investieren die Mitgliedsgemeinden der GWO und die WLU stetig in die Zukunft. Schaan und Vaduz beispielsweise bauen derzeit gemeinsam ein Grundwasserpumpwerk südlich der Schaaner Sportanlage Rheinwiese. Das Pumpwerk Wiesen II ist auf eine Fördermenge von rund 200 Liter pro Sekunde ausgelegt, soll bis Herbst 2027 fertiggestellt sein und dann seinen Beitrag leisten, die Versorgung zu stärken und zu sichern, selbst wenn der Klimawandel den Verbrauch erhöht und die Ergiebigkeit der Quellen senkt.
Ein wichtiger Beitrag der WLU zur Versorgungssicherheit ist wiederum die Reduktion der Netzverluste durch Lecks. Seit sieben Jahren liegt er unter 2 Prozent, was einem aussergewöhnlich guten Wert entspricht. Georg Matt erklärt, wie dies gelingen konnte: «Dank Smart Metering wissen wir bei der WLU mittlerweile täglich, wie viel Wasser wir am Vortag ins Netz eingespeist und wie viel wir an die Kunden abgegeben haben. Wird diese Differenz unerklärlich gross, liegt ein Leck vor, das anschliessend gesucht und geflickt wird. Und das in relativ kurzer Zeit. Somit können die Verluste kleingehalten werden.» Warum dies der WLU so wichtig ist, rechnet der Geschäftsführer anhand eines Beispiels vor: «Wenn wir 30 Prozent Verlust hätten, wie noch 1986, wäre die Wassermenge am Höchstverbrauchstag 2026 auf 12’697 Kubikmeter gestiegen. Dies wäre für die WLU ein absoluter Rekord. Diese Verlustmenge ganzjährlich zu pumpen, würde Kosten in Höhe von rund 100’000 Franken verursachen.» Dann ergänzt Georg Matt: «Aus Sicht der Geschäftsführung kann es auch nicht angehen, dass die WLU Wasser zukaufen muss, um die Löcher im eigenen Netz zu ‹versorgen›. Ausserdem wäre es ein Unding, die Kunden zum Wassersparen aufzufordern, um die Versorgung sicherzustellen, während wir das Wasser gleichzeitig über Leckagen verlieren.»
Zudem bereitet sich die WLU seit 20 Jahren vorsorglich auf den Bau eines weiteren Grundwasserpumpwerks vor. In absehbarer Zeit wird sie ein Baugesuch einreichen, damit zu einem derzeit noch nicht vorhersehbaren Zeitpunkt kurzfristig ein Baustart erfolgen könnte. «Die Verbrauchszahlen der WLU sind derzeit im Jahrestotal rückläufig, womit dieser Bau im Moment nicht dringlich ist. Fehlmengen der WLU können ausserdem dankenswerterweise von der GWO respektive von Schaan bezogen werden. Die Verbrauchszahlen sind jedoch Schwankungen unterworfen, und daher kann es gut sein, dass die Wasserbeschaffung der WLU einmal andere Prioritäten erhält», sagt Georg Matt.
So sorgen die WLU und die GWO mit ihren Investitionen und Planungen dafür, dass das Sorgenbarometer auch künftig frei von Ängsten vor einer Wasserknappheit bleibt. Und dies zu günstigen Konditionen.

