Leserbrief von Jo Schädler, Bendern
Eingebettet in den Europäischen Zentralismus, der inzwischen Länder und Kommunen epidemisch erfasst und an dessen Spitzen sich in ihrer Heimat ausrangierte Politiker, die Beutel füllen, mäandert Liechtenstein in einem beängstigenden Schlendrian, willfährig dem Monster Bruxelles hinterher, in dessen Rachen Unsummen Geld verschwinden.
Auch hierzulande wird alles was nach Arbeit und Verantwortung riecht, nach Vaduz und von dort, nach Belgien geschoben. Bilaterale Verträge werden hervorgezaubert, die Gemüter verstummen zu lassen, oder ihnen gleich aufs Maul zu hauen. Und der Landtag mutiert immer mehr zum Jasager der Regierungsvorlagen und hechelt ihren Wünschen im vorauseilenden Gehorsam hinterher. Während der Bürger noch an die Demokratie glaubt, ist jene längst im Besitz ein paar weniger. Der Rebell im Lande ist verstummt und das hehre Blut in seinen Adern ein trübes Süppchen geworden. Hatte er noch zu Schupplers Zeiten, Rückgrat, Kampf und Freiheitswillen, ist er in der Zwischenzeit vor den Göttern, die er selber rief, regelrecht eingebrochen. Wohlstand und Medien sorgen täglich dafür, dass alles in geordneten Bahnen verläuft und die Zäune um uns herum immer höher werden.
Und jener der es wagt darüber zu blicken wird schnell zum Verräter. In diesem Sumpf leidet der freie Walser, der vor 800 Jahren ins Land kam und dem Freiheit und Selbstbestimmung das höchste Gut sind, Höllenqualen. Ohnehin gibt es für ihn hier nichts mehr zu tun. Er hat das Alpengebiet unter bittersten Entbehrungen gerodet und urbar gemacht, ohne jemals einen Dank dafür zu bekommen. Mit seinem enormen Arbeitswillen, seinem Mut auch dann anzupacken, wenn es steil und unwegsam ist, war er stets dem Neid, der Häme und der Missgunst der Talbewohner ausgesetzt, die seine Freiheitsbriefe längst zerfetzten. So wird es für ihn Zeit, seinem Urtrieb zu folgen, sein Bündel zu schnüren und weiterzuziehen. Dorthin, wo er wieder neu erblühen und zu seinen freien Wurzeln zurückkehren kann.



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