Angebot und Nachfrage – so einfach ist es

Leserbrief von Silvia Ritter, Rennhofstrasse 39, Mauren

Markus Sprenger bezeichnet den Liewo-Beitrag «Günstiger Wohnraum – aber für wen?» zum bezahlbaren Wohnraum als «fachlich unqualifiziert» und «populistisch». Ausgerechnet ein Architekt blendet einen entscheidenden Teil des Wohnungsmarktes aus – die Nachfrage.

Selbstverständlich beeinflussen Bodenpreise, Baukosten, Baulandreserven und Finanzierungsvorschriften die Wohnkosten. Aber der Preis einer Wohnung entsteht eben nicht nur auf der Angebotsseite. Liechtenstein verfügt über eine begrenzte Fläche und damit über begrenzten Wohnraum. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung vorwiegend aus Zuzug. Jeder zusätzliche Einwohner benötigt Wohnraum.

Mehr Menschen bedeuten mehr Nachfrage nach Wohnungen. Wächst das Angebot nicht im gleichen Umfang, steigt der Wettbewerb um den vorhandenen Wohnraum. Darüber kann man politisch streiten, ökonomisch lässt sich dieser Zusammenhang aber kaum wegdiskutieren und sollte einem Architekten bekannt sein.

Sprengers Antwort scheint vor allem zu lauten: mehr Bauland mobilisieren, mehr bauen und stärker verdichten. Dass dies im Interesse eines Architekten liegt ist naheliegend. Genau hier stellt sich jedoch eine andere Frage: Müssen wir zuerst immer mehr Nachfrage schaffen und anschliessend unser Land immer dichter verbauen, um diese zusätzliche Nachfrage wieder aufzufangen?

Natürlich müssen auch Baukosten, Bodenpreise und Finanzierung betrachtet werden. Aber weshalb soll ausgerechnet das Bevölkerungswachstum bei der Wohnraumfrage tabu sein und was ist die Agenda von Sprenger? Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss beide Seiten betrachten: Angebot und Nachfrage.

Persönliche Etiketten wie «populistisch» ersetzen dieses Argument nicht. Von einem Architekten dürfte man eigentlich erwarten, dass ihm nicht nur das Bauen von Wohnraum interessiert, sondern auch die Interessen der Einheimischen.

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