Rheinaufweitung: Zielkonflikte nicht wegreden

Leserbrief von Uwe Fischer, Rötis 25, Eschen 

Die Aussage, die Rheinaufweitung spiele Landwirtschaft und Ökologie nicht gegeneinander aus, klingt versöhnlich. Sie beantwortet aber die entscheidende Frage nicht: Wie gehen wir mit einer knappen Ressource wie Landwirtschaftsboden um? Wenn behauptet wird, es gehe «kein landwirtschaftlich genutztes Kulturland verloren», darf man sich nicht mit dieser formalen Feststellung begnügen.

Entscheidend ist, welche Flächen künftig welcher Nutzung zur Verfügung stehen, welche Bewirtschaftungsmöglichkeiten eingeschränkt werden und welche Auswirkungen sich auf Boden und Grundwasser ergeben. Landwirtschaftlicher Boden ist nicht beliebig vermehrbar und deshalb besonders sorgfältig zu behandeln.

Auch die Zustimmung einzelner Grundeigentümer ist kein Beweis dafür, dass damit eine ausgewogene Lösung für die Allgemeinheit gefunden wurde. Private Zustimmung und öffentliches Interesse sind zwei verschiedene Dinge. Gerade bei einem Generationenprojekt muss die gesamte Gesellschaft beurteilen können, ob der Nutzen den Verlust an anderen Nutzungsmöglichkeiten rechtfertigt.

Dass neue Dämme gebaut werden sollen, ist grundsätzlich zu begrüssen. Doch auch hier sollte nicht nur mit dem Etikett «verbesserter Hochwasserschutz» argumentiert werden. Entscheidend sind konkrete Zahlen: Wie viel zusätzlicher Schutz wird erreicht, welche Flächen werden dafür benötigt und welche Kosten entstehen?

Natürlich kann eine naturnahe Aufweitung ökologisch wertvoll sein. Das bestreitet niemand. Aber Ökologie, Hochwasserschutz, Erholung und Landwirtschaft beanspruchen teilweise dieselbe begrenzte Fläche. Das ist ein Zielkonflikt und ihn zu benennen bedeutet nicht, Landwirtschaft und Natur gegeneinander auszuspielen.

Wer diesen Konflikt mit dem Hinweis auf «verschiedene Interessen» auflöst, bevor er ihn überhaupt offenlegt, macht es sich zu einfach. Eine ernsthafte Diskussion muss deshalb auch die Frage zulassen, ob die gewählte Lösung tatsächlich die beste ist und nicht nur, ob sie bewilligungsfähig und politisch mehrheitsfähig ist.

Die Rheinaufweitung verdient eine sachliche Prüfung. Dazu gehört aber ebenso, den Wert unseres knappen Landwirtschaftsbodens ernst zu nehmen. Ökologie darf nicht zum Argument werden, mit dem jede andere Nutzung automatisch als nachrangig gilt.

Alternativvorschlag: Das Projekt „Ausleitkraftwerk“ bei Ruggell bietet weit mehr: Ökologie ergänzt mit umweltschonendster Energieerzeugung, Naherholungsgebiet, Schwimm-und Badesee, Tier- und Pflanzenreservat, Wasserreservoir für Notfälle bspw. Brandbekämpfung, Bewässerungsreservoir für Landwirtschaft in Trockenperioden.

 

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