Leserbrief von Beat Schurte,
Breiten 19, Eschen
Der Geschäftsführer vom Medienhaus Liechtensteiner Vaterland fordert im FL1-Interview mehr Qualität, kritisiert journalistische Inhalte bei anderen Medien, verlangt insgesamt mehr Qualität, angeblich: dass man sich im Ausland nicht zu schämen brauche und deshalb verlangt er hohe Anforderungen für Medienförderung. Das klingt vernünftig – nur vermissen viele kritische Leser und Steuerzahler genau diese Ansprüche seit Jahren auch beim Vaterland selbst.
Unabhängiger Journalismus bedeutet nicht, Macht zu begleiten, sondern Macht kritisch zu kontrollieren, zu hinterfragen. Doch gerade diese kritische Distanz zur Politik wird von vielen Lesern vermisst. Zu oft entsteht der Eindruck, dass unbequeme Themen nur zurückhaltend aufgegriffen werden, während politische Verantwortung eher erklärt als hinterfragt wird.
Noch bemerkenswerter ist, dass die Bevölkerung über politische Missstände, Affären oder heikle Entwicklungen im eigenen Land nicht selten zuerst aus ausländischen Medien erfährt. Dabei wäre genau das der Kernauftrag einer unabhängigen Zeitung: Missstände aufdecken, bevor es andere tun.
Wer im Interview Qualitätsstandards einfordert, sollte sich deshalb dieselbe Frage stellen, die viele Leser stellen: Weshalb findet man vieles von dem, was öffentlich eingefordert wird – kritische Recherche, Distanz zur Macht, hartnäckiges Nachfragen und investigative Aufarbeitung – im eigenen Blatt nur allzu selten?
Qualität beginnt nicht mit Forderungen an andere. Qualität beginnt mit Selbstkritik. Eine Demokratie braucht Medien, die den Mächtigen auf die Finger schauen – nicht Medien, denen der Vorwurf gemacht wird, den Mächtigen zu oft über die Schulter zu schauen.

