Seit dem 11. Juni ist der Liechtensteiner Alexander Ospelt
Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS

Der 11. Juni war ein historischer Tag. Der Liechtensteiner Rechtsanwalt Alexander Ospelt wurde in Belgrad mit 65:64 Stimmen gegenüber dem bisherigen Amtsinhaber, dem Schweden Johan Eliasch, zum neuen Präsidenten des Internationalen Skiverbandes FIS gewählt. Ein Liechtensteiner ist also weltweit der höchste Funktionär im Skisport.

Interview: Chrisi Kindle

Nicht nur für den 58-jährigen Ospelt bedeutet diese Wahl etwas ganz Besonderes, es ist auch eine grosse Ehre für das Land Liechtenstein.

Wie gut hat sich der neue FIS-Präsident schon in sein neues Amt eingelebt, was sind seine grössten Herausforderungen und wie will er die Wogen innerhalb des Internationalen Skiverbandes glätten?

Inwiefern hat sich dein Leben seit der Wahl am 11. Juni verändert?
Alexander Ospelt: Es ist tatsächlich so, dass die Anzahl an WhatsApp-Nachrichten, E-Mails und Telefonaten um ein Mehrfaches zugenommen hat. Man ist praktisch rund um die Uhr im Einsatz – sozusagen ständig auf Pikett. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich 24 Stunden am Tag arbeite. Für die FIS wende ich rund 60 Prozent meiner Arbeitszeit auf. Hinzu kommen auch repräsentative Verpflichtungen wie Einladungen zu Vorträgen, gesellschaftlichen Anlässen und sportlichen Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Entsprechend hat auch meine Reisetätigkeit deutlich zugenommen.

 

 

«Ich war überhaupt nicht nervös»

 

Was war dein erster Gedanke, als du das Wahlresultat am Bildschirm gesehen hast?
Zunächst war da grosse Erleichterung, dass es gereicht hat. Gleichzeitig hat mich fasziniert, dass am Ende tatsächlich nur eine einzige Stimme den Ausschlag gegeben hat. Rückblickend überrascht mich, dass ich während der gesamten Gespräche, der Vorbereitungen und auch während der Wahl nie nervös war –
bis auf die letzten zehn Minuten vor der Bekanntgabe des Resultats. Ich hatte das
Gefühl, für diese Aufgabe bereit zu sein und Verantwortung übernehmen zu wollen.

Es gab 64 Stimmen für deinen Gegenkandidaten Johan Eliasch, hast du auch Gegenwind für deine Kandidatur gespürt?
Eigentlich weniger Gegenwind als vielmehr Respekt vor der Ausgangslage. Wir sind gegen einen amtierenden Präsidenten angetreten. Viele waren der Meinung, dass es kaum möglich sei, einen Amtsinhaber zu schlagen – selbst jene, die mich unterstützt haben, beispielsweise Italien. Umso mehr hat es mich gefreut, dass wir am Ende so viele Verbände von unseren Ideen überzeugen konnten. Als amtierender Präsident verfügte Johan Eliasch naturgemäss über ein Netzwerk und langjährige Beziehungen zu den Mitgliedsverbänden. Hinzu kommt seine Rolle als Eigentümer der Skifirma Head. Persönlichen Gegenwind habe ich jedoch nicht gespürt. Nach der Wahl organisierte der Liechtensteinische Skiverband einen Empfang, an dem praktisch alle Verbände teilnahmen und mir ihr Vertrauen aussprachen.

 

Alexander Ospelt freut sich über seine Wahl zum Präsidenten des Internationalen Skiverbandes FIS. Auf den Liechtensteiner wartet viel Arbeit.

 

Verschiedene Interessen zusammenführen

Die grossen Verbände stehen hinter dir. Um wie vieles erleichtert das deine Amtsführung?
Ich weiss nicht, ob es die Amtsführung wirklich erleichtert. Mit meiner Wahl vertrete ich die Interessen aller FIS-Mitgliedsverbände. Natürlich gibt es dazu unterschiedlichste Erwartungen und Vorstellungen. Meine Aufgabe ist es, die verschiedenen Interessen zusammenzuführen und im Sinne der gesamten FIS zu handeln.

Was waren deine ersten Amtshandlungen und was werden die nächsten sein?
In den mittlerweile gut 50 Tagen im Amt war es mir wichtig, die Organisation der FIS neu aufzustellen. Im Einklang mit den Statuten haben wir wieder einen Generalsekretär eingesetzt und verzichten auf die bisherige CEO-Struktur, da die Statuten bestimmte Verantwortlichkeiten ausdrücklich dem Generalsekretär zuweisen. Zudem arbeiten wir intensiv daran, die Corporate Governance und die Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Ich habe ausserdem die in meinem Wahlprogramm angekündigte NSA-Connector-Plattform initiiert. Derzeit prüfen wir zudem, ob Weltmeisterschaften – mit Ausnahme von Olympiajahren – künftig jährlich durchgeführt werden könnten.

Darüber hinaus habe ich die Kostenstruktur analysiert und entsprechende Massnahmen zur Kostensenkung eingeleitet. Gleichzeitig führe ich Gespräche mit Sponsoren und Partnern, um die Einnahmen der FIS nachhaltig zu steigern. Auch die Teilnahme an der IOC-Session in Lausanne war ein wichtiger Termin, zumal die Vorbereitungen auf die nächsten Olympischen Spiele derzeit bereits sehr intensiv laufen.

Ziel: Jedes Jahr eine WM

Steht es wirklich so schlecht um die Finanzen bei der FIS?
Den jährlichen betrieblichen Ausgaben von rund 31 Millionen und den zusätzlichen Ausschüttungen an die Mitgliedsverbände von rund 25 Millionen stehen Einnahmen gegenüber, die diese Aufwendungen nicht vollständig decken. Wir leben derzeit also teilweise von unserer Substanz. In den vergangenen vier Jahren hat sich das Eigenkapital von rund 80 Millionen auf etwa 40 Millionen halbiert. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass die Ausgaben künftig wieder vollständig durch die Einnahmen gedeckt werden.

Was sind die grössten Veränderungen, die du anstreben wirst?
Mir ist wichtig, die Kultur innerhalb der FIS zu verbessern. Der Sport soll wieder mehr Freude bereiten – für die Athletinnen und Athleten ebenso wie für Funktionärinnen und Funktionäre. Zudem wollen wir die Infrastruktur im Sinne unserer Athletinnen und Athleten weiterentwickeln. Wir müssen die Stärken aller Disziplinen besser nutzen. Besonders im Freestyle sehe ich grosses Potenzial für eine stärkere Vermarktung.

Gemeinsam mit verschiedenen Programmanbietern arbeiten wir derzeit an einer Serie über unsere Athletinnen und Athleten, um sie dem Publikum näherzubringen. Gleichzeitig prüfen wir, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit, Weltmeisterschaften künftig jährlich durchzuführen.

Liechtenstein stark vertreten

Inwiefern kann Liechtenstein von deiner Wahl als FIS-Präsident profitieren?
Es ist schön zu sehen, dass die Wahl bei vielen Menschen Interesse an Liechtenstein geweckt hat. Liechtenstein ist zudem in der Vorbereitung auf die nächsten Olympischen Spiele aussergewöhnlich stark vertreten: In der zwölfköpfigen Arbeitsgruppe wirken mit Prinzessin Nora und mir gleich zwei Vertreter unseres Landes mit. Für ein kleines Land wie Liechtenstein ist das eine bemerkenswerte Präsenz.

Allein die Wahl des FIS-Präsidenten wurde gemäss einer Medienanalyse der FIS weltweit von rund 120 Fernsehsendern ausgestrahlt und in rund 1800 Print- und Onlinemedien aufgegriffen. Hinzu kamen Millionen von Aufrufen auf Onlineplattformen. Der Artikel der «New York Times» erzielte beispielsweise rund 145 Millionen Aufrufe. Einige haben Liechtenstein dadurch vermutlich überhaupt erst wahrgenommen und nach der Wahl zunächst einmal gegoogelt, wo es überhaupt liegt. Die Wahl hat damit sicher dazu beigetragen, Liechtenstein international sichtbarer und bekannter zu machen.

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