Gamprin wächst in vielerlei Hinsicht – sowohl in Bezug auf die Reserven als auch auf den Wirtschaftsstandort, gewissermassen sogar in Bezug auf die Gemeindefläche – und entwickelt sich auch sonst ganz nach Plan. Gemeindevorsteher Johannes Hasler gibt einen Einblick in das Erfolgsgeheimnis.

Interview: Heribert Beck

 

Herr Gemeindevorsteher, vor der Sommerpause konnten Sie die Gampriner Gemeinderechnung für das Jahr 2025 publizieren und komfortable Zahlen verkünden. Wie beurteilen Sie die Finanzlage und wofür schafft die Gemeinde ihre Reserven?
Gemeindevorsteher Johannes Hasler: Wir freuen uns sehr über den grossartigen Jahresabschluss mit einem Gewinn in der Erfolgsrechnung von 5,7 Millionen Franken. Er resultiert einerseits aus Einnahmen, die höher ausgefallen sind, als wir es uns erwartet hätten, andererseits haben wir aber auch die Ausgaben bestens im Griff. Die Kombination aus beiden Faktoren sorgt für dieses für Gamprin sehr erfreuliche Ergebnis. Erfreulich war aus dem finanziellen Blickwinkel aber nicht nur das Jahr 2025. Wenn wir auf die vergangenen zwölf Jahre zurückblicken, zeigt sich, dass wir unser Eigenkapital von 43 auf 112 Millionen Franken erhöhen konnten. Der Hauptgrund dafür ist sicher, dass wir durch unsere aktive Standortpolitik grossartige Unternehmen anziehen konnten, die sich in unserer Gemeinde ausserordentlich wohl fühlen. Der Grossteil unserer Reserven steckt dabei in Liegenschaften. Bei einer Bank würde das Geld vielleicht eine Rendite abwerfen. Aber Liegenschaften, Grund und Boden, geben uns als Gemeinde den Handlungsspielraum für eine aktive Raumplanung, und dies ist auf lange Sicht viel entscheidender. Eine solche Raumplanung hat die Gemeinde schon unter Donath Oehri betrieben, und der Erfolg gibt uns recht, wie die Zahlen zeigen. So ist Gamprin Gebergemeinde im Rahmen des horizontalen Finanzausgleichs – wenn auch klar nicht im selben Ausmass wie die beiden finanziellen Schwergewichte Vaduz und Schaan.

 

Durchdachte Bepflanzungen lassen erahnen, wie Unterbendern einst aussehen wird.

 

Wenn Sie von aktiver Raumplanung sprechen, meinen Sie sicher auch das Projekt Unterbendern. Wie hat es sich inzwischen entwickelt und wie geht es mittelfristig weiter?
Wir haben im ersten Halbjahr 2026 zwei künftige Baufelder genauer unter die Lupe genommen und den Masterplan in diesem Bereich weiterentwickelt. Unterstützt haben uns Expertenbüros aus Wien und Zürich – bewusst gewählt aus dem Osten und dem Westen. Bei dieser Konkretisierung ging es darum, sagen zu können, was auf diesen Baufeldern baulich konkret möglich ist, wie sie aufgeteilt und erschlossen werden können. Für potenzielle Investoren ist das selbstverständlich ein ganz entscheidender Aspekt. Derzeit ist der Synthesebericht in Arbeit, der diese Phase der Testplanung abschliesst.

Um die künftige Entwicklung des Areals teilweise zu visualisieren, haben wir uns übrigens für eine besondere Massnahme entschieden. Über Bepflanzungen mit Bäumen und Blumen machen wir sichtbar, wo sich Strassen und Baufelder befinden werden. Vom Kirchhügel aus sollte das bald ein einzigartiges Bild ergeben – immer vorausgesetzt, die Trockenheit macht uns keinen Strich durch die Rechnung.

Kommen wir zur Gampriner Exklave: Die Alpe Rauz ist seit über 100 Jahren im Besitz der Gemeinde und übertrifft sie mit ihren rund sieben Quadratkilometern sogar an Fläche. Inzwischen ist sie noch etwas grösser geworden. Was ist der Hintergrund?
Wir hatten die einmalige Gelegenheit, ein direkt anstossendes Grundstück in der Nähe der Alphütte zu erwerben. Für 58‘000 Quadratmeter haben wir 50‘000 Euro bezahlt. Es handelt sich damit um den grössten einzelnen Bodenerwerb von Gamprin seit dem Kauf der Alpe im Jahr 1914, und es geht um Flächen, die ohnehin seit Jahrzehnten durch unseren Alpbetrieb in Pacht bewirtschaftet worden sind. Durch den Kauf konnten wir die Bewirtschaftung stärken und für die Zukunft sichern.

Die Rauz war für die Gemeinde in der jüngeren Vergangenheit nicht nur als Viehalp von Bedeutung, sondern auch aufgrund der potenziellen Windkraftnutzung. Was gibt es diesbezüglich Neues?
Der 80 Meter hohe Messmast, den wir zusammen mit den Illwerken VKW ein Jahr lang in Betrieb hatten, ist Ende Juli abgebaut worden. Nun warten wir auf die Auswertung der Ergebnisse. Auf deren Basis werden wir dann über allfällige nächste Schritte entscheiden.

Neben den Abklärungen zur Windkraftnutzung hat Gamprin auch in Sachen Künstlicher Intelligenz eine Vorreiterrolle in Liechtenstein eingenommen. Wie setzen Sie die KI mittlerweile ein und was bedeutet dies für den Kontakt zur Bevölkerung?
Wir haben uns 2024 erstmals intensiver mit KI befasst. Vergangenes Jahr dann hatten alle Mitarbeitenden mit Büroarbeitsplatz Schulungen, um ihnen aufzuzeigen, welche Anwendungen sie auf welche Weise unterstützen können. Damit hatten sie die Chance, ihre persönlichen Fähigkeiten für ein neues Zeitalter weiterzuentwickeln, und sie haben diese Chance gerne genutzt. Mit unserer Gemeinde-KI verfügen sie über einen intelligenten Assistenten, der ihnen dabei hilft, Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen. So ist die KI mittlerweile ein fester Bestandteil unserer internen Arbeit geworden, und wir haben ein stabiles Fundament geschaffen. Wir machen uns allerdings auch nichts vor: Die Entwicklung geht rasant weiter. Wir werden sie im Auge behalten und uns weiter anpassen. Was mir aber besonders wichtig ist: Mit den Einwohnerinnen und Einwohnern kommunizieren wir nicht über KI. Wir haben aber durch effizientere interne Prozesse Zeit für die Bevölkerung und ihre Anliegen und nehmen sie uns gerne.

 

Die Kooperation über die
Gemeindegrenzen mit Ruggell und Schellenberg hat bereits eine lange Geschichte.

Im Forstbereich arbeiten wir seit Jahrzehnten zusammen. Eine gemeinsame Seniorenkoordination haben wir seit März 2022.

Nun sind wir überzeugt, dass wir mit der neuen Sportkoordination ähnliches erreichen können. Denn nicht alle Gemeinden brauchen die gleiche Sport- und Freizeitinfrastruktur.

Johannes Hasler
Gemeindevorsteher vom Gamprin

 

 

Gamprin hat seine Geschichte in den vergangenen fünf Jahren intensiv aufgearbeitet. Neben unzähligen Daten zu den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern haben dabei auch Fotos, wie diese Klassenaufnahme von 1947, eine wichtige Rolle gespielt.

 

Die Einwohnerinnen und Einwohner – oder besser gesagt die Bürgerinnen und Bürger – sind ein gutes Stichwort. Gamprin konnte seine Arbeiten an der Ahnenforschungsdatenbank familienchronik.li kürzlich abschliessen. Zumindest, was die Vergangenheit betrifft. Nun gilt es die Daten einfach noch aktuell zu halten. Welche Bedeutung hatte das Projekt für Sie?
Wir haben im Hintergrund fünf Jahre lang intensiv Daten erhoben und uns dazu externe Unterstützung erfahrener Ahnenforscherinnen geholt. Heute sind wir in Sachen Datenqualität sehr gut aufgestellt. Dafür gilt diesen Expertinnen und Alfred Hasler, dem früheren Vorsitzenden der Kulturkommission, die sich alle mit viel Herzblut für das Projekt eingesetzt haben, mein herzlicher Dank. Für uns war es auch von Anfang an klar, dass wir uns an der gemeindeübergreifenden Plattform familienchronik.li beteiligen, denn das schafft einen wirklichen Mehrwert. Folglich gehörte Gamprin zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Familienchronik Liechtensteiner Gemeinden. Nun hoffe ich, dass sich die drei Gemeinden, die dem Verein noch nicht angeschlossen sind und deren Bürgerinnen und Bürger auf der Plattform nicht verzeichnet sind, ebenfalls für eine Mitgliedschaft entscheiden, um den Mehrwert der Datenbank nochmals zu steigern.

 

 

Austausch auf dem Sofa: Kommenden Mittwoch bietet Gemeindevorsteher Johannes Hasler nochmals die Gelegenheit zu Gesprächen in ungezwungener Atmosphäre.

 

Gamprin ist auch bekannt für seine grenzüberschreitende Kooperation mit Ruggell und Schellenberg. Neu haben diese drei Dörfer gemeinsam einen Sportkoordinator angestellt. Was sind die Hintergründe und wie ist sein Aufgabenbereich definiert?
Die angesprochene interkommunale Zusammenarbeit hat bereits eine lange Geschichte. Unter anderem im Forstbereich arbeiten wir seit Jahrzehnten zusammen. Eine gemeinsame Seniorenkoordination haben wir seit März 2022. Das hat sich beides sehr bewährt. Nun sind wir überzeugt, dass wir im sportlichen Bereich ähnliches erreichen können, indem wir unsere Angebote zwischen den Gemeinden und mit den Vereinen abstimmen. Es ist ohnehin schon so, dass zum Beispiel der FC Ruggell der Fussballclub für Ruggell, Gamprin und Schellenberg ist. Gleiches gilt für den Skiclub Gamprin. Auch unser samstägliches Sportprogramm auf der Freizeitanlage Grossabünt ist für jeden offen, und alle sind willkommen. Das, und was überhaupt angeboten wird, wollen wir künftig noch stärker zeigen, indem wir beispielsweise gemeinsam und mit einem Logo mit hohem Wiedererkennungswert auftreten. Denn nicht alle Gemeinden brauchen die gleiche Sport- und Freizeitinfrastruktur, wenn sie zusammenarbeiten. Unser auf zwei Jahre befristet angestellter Sportkoordinator hat in den vergangenen Monaten viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Akteuren wie Vereinen und Kommissionen geführt, um den Stand zu erheben. Nun schauen wir drei Vorsteher uns das Ergebnis an und entscheiden zusammen mit dem Sportkoordinator über das weitere konkrete Vorgehen.

 

Auf der Grossabünt ist immer etwas los – beispielsweise beim Daydance.

 

Im Juni war die Gampriner Feuerwehr die Gastgeberin des Landesfeuerwehrtags.

 

Die Grossabünt, auf der insbesondere im Sommer viel los ist, haben sie bereits kurz angesprochen. Wie haben Sie die bisherige Saison erlebt?
Bei warmem Wetter – und das hatten wir in diesem Jahr ja oft – ist die Grossabünt «the place to be», wie man auf Neudeutsch so schön sagt.

Besonders beliebt waren neben den sportlichen Samstagen die kulturell geprägten Mittwochstreffs, das Landesfeuerwehrfest sowie der Daydance. Ausserdem habe ich diese Woche wieder auf dem Sofa platzgenommen und mich mit den Einwohnerinnen und Einwohnern zu allem ausgetauscht, was sie bewegt. Dieses 2025 ins Leben gerufene Format hat eine neue Möglichkeit des direkten Austauschs in persönlicher Atmosphäre geschaffen, die immer wieder gerne genutzt wird. Nächste Woche besteht nochmals die Gelegenheit.

 

Die gemeinsame Sportkoordination schweisst Gamprin, Ruggell und Schellenberg noch näher zusammen. Das Bild zeigt die Vorsteher der drei Gemeinden, Dietmar Lampert (l.), Johannes Hasler (2. v. l.) und Christian Öhri (4. v. l.) zusammen mit Sportminister Hubert Büchel (Mitte) und Jürgen Tömördy von der Stabsstelle für Sport.

 

In den kommenden Wochen hat Ihre Gemeinde eine doppelte Möglichkeit, der Öffentlichkeit ihre vielfältigen Errungenschaften zu präsentieren: Gamprin ist Gastgemeinde am Staatsfeiertag und an der LIHGA. Was erwartet die Gäste?
Am 15. August werden wir den Peter-Kaiser-Platz in Vaduz mit sechs Vereinen beleben. Sie sorgen für ein spezielles kulinarisches Angebot, wobei unser Alpe-Rauz-Chalet und unsere Grossabünt-Oase sicher besonders hervorstechen. Freuen dürfen sich die Gäste auch auf ein reichhaltiges musikalisches Programm. An der LIHGA sind es 30 Unternehmen aus Gamprin und Bendern, die zusammen mit der Gemeinde den grössten Gastauftritt auf die Beine stellen, den die Messe bisher erlebt hat. Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich dort von den Dienstleistungen und Produkte aus unserer Gemeinde überzeugen. Das Liechtenstein-Institut mit Sitz in Bendern hat ausserdem eine Zeitreise erarbeitet, die alle Interessierten zu den wichtigsten Meilensteinen in der Geschichte von Gamprin und Bendern und in ihrer ökonomischen Entwicklung mitnimmt. Enden wird diese Zeitreise in der Zukunft mit dem Projekt Unterbendern und seinem Wert für Gemeinde und Wirtschaft. Für das leibliche Wohl zum geselligen Austausch im Gampriner Zelt sorgt das «Rhistaurant». Der Auftritt ist bestens durchdacht, und ich bin mir sicher, dass er ein voller Erfolg wird.

Fast zum Schluss noch eine Frage an den Präsidenten der Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland, kurz WLU: Die Gebührenerhöhung, die Sie vor einigen Monaten verkündet haben, ist nicht überall auf Begeisterung gestossen. Das war bei einer Erhöhung auch nicht anders zu erwarten. Warum haben sich die Verbandsgemeinden dennoch zu diesem Schritt entschieden?
Das Gewässerschutzgesetz aus dem Jahr 2023 besagt, dass für Trink- und Abwasser kosten- und verursachergerechte Gebühren zu erheben sind. Das ist beim Wasser und insbesondere beim Abwasser aber bei Weitem nicht der Fall. Daher war allen fünf Unterländer Gemeinderäten klar, dass sie die Sache angehen müssen, um dem Gesetz gerecht zu werden – und persönlich frage ich mich, warum die Regierung als Aufsichtsbehörde in dieser Angelegenheit nicht schon längst tätig geworden ist.

Nun ganz zum Schluss die persönliche Frage: Wo haben Sie im Sommer neue Energie für die zweite Jahreshälfte gesammelt?
Ich war mit meiner Frau Daniela in der Bretagne und habe, wie immer, recht aktive Ferien verbracht. Bei interessanten Aktivitäten und spannenden Entdeckungen kann ich am besten abschalten.

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