Politforum: Martin Seger, DpL-Abgeordneter, Schaan
Während in gewissen gesellschaftlichen Kreisen über 72 oder noch mehr Geschlechter diskutiert wird, bleibt ausgerechnet beim Kinderkriegen eine biologische Tatsache erstaunlich hartnäckig: Für die Zeugung eines Kindes braucht es weiterhin eine Eizelle und eine Samenzelle. Ideologien können vieles umdefinieren aber die menschliche Fortpflanzung offensichtlich nicht.
Noch interessanter wird es bei der aktuellen Diskussion über die Fristenlösung. Ein immer wieder vorgebrachtes Argument lautet, es sei nicht länger hinnehmbar, dass Schwangerschaftsabbrüche in Liechtenstein nicht durchgeführt werden und Frauen dafür ins Ausland fahren müssen. Die sogenannte «Exportlösung» wird kritisiert und als unzumutbar dargestellt.
Doch wo bleibt diese Empörung bei der Leihmutterschaft?
Warum setzen sich dieselben gesellschaftlichen Kreise nicht mit gleicher Vehemenz dafür ein, dass Leihmutterschaft auch in Liechtenstein angeboten wird? Weshalb ist beim Schwangerschaftsabbruch der Weg ins Ausland plötzlich ein gesellschaftspolitischer Missstand, während man bei der Leihmutterschaft offensichtlich problemlos wegschaut, wenn Schwangerschaft und Geburt ins Ausland ausgelagert werden?
Vielleicht deshalb, weil die Realität unangenehm ist.
Denn es stellt sich die Frage, wie viele Frauen sich im wohlhabenden Liechtenstein finden würden, die für einige Tausend Franken neun Monate lang ein Kind für fremde Auftraggeber austragen, sämtliche körperlichen und gesundheitlichen Risiken übernehmen und das Kind nach der Geburt abgeben.
Genau deshalb führt der Weg bei der Leihmutterschaft häufig in wirtschaftlich schwächere Länder. Dort wird aus dem Kinderwunsch zahlungskräftiger Menschen ein Geschäftsmodell, bei dem das wirtschaftliche Gefälle eine entscheidende Rolle spielen kann. Die viel beschworene Selbstbestimmung erhält damit plötzlich einen bitteren Beigeschmack.
Man kann nicht beim Schwangerschaftsabbruch gegen eine «Exportlösung» argumentieren und gleichzeitig schweigen, wenn bei der Leihmutterschaft Schwangerschaft, Geburt und deren Risiken ins Ausland exportiert werden.
Wer Selbstbestimmung fordert, muss auch beantworten, wo freie Entscheidung endet und wirtschaftlicher Druck beginnt. Und wer von Menschenwürde spricht, sollte erklären, ob der Körper einer wirtschaftlich schlechter gestellten Frau zur Dienstleistung für den Kinderwunsch Wohlhabender werden darf.
Fortschritt bedeutet nicht, alles zu erlauben, was medizinisch und finanziell möglich ist. Eine Gesellschaft muss auch den Mut haben, Grenzen zu setzen.

