Lynette Evers und Oliver Hausammann siegen bei Liechtenstein Open – Lisa Sele und Yannick Zurflüh neue Liechtensteiner Golf-Landesmeister
Mit 10 unter Par gewinnt der Schweizer Oliver Hausammann die Liechtenstein Open 2026 überlegen. Bei den Damen siegt die Deutsche Nachwuchshoffnung Lynette Evers mit einem Schlag Vorsprung auf die türkische Titelverteidigerin Deniz Sapmaz. Die Liechtensteiner Landesmeistertitel 2026 gehen an Yannick Zurflüh und Lisa Sele.
Am vergangenen Wochenende wurden die Liechtenstein Open des Golfverband Liechtenstein (GVL) und die Liechtensteiner Golf-Landesmeisterschaft erneut zeitgleich und auf dem gleichen Parcours, dem Heimplatz des GVL in Gams-Werdenberg, ausgetragen. Der Sieg bei der über drei Runden (54 Löcher) führenden Liechtenstein Open wird mit Punkten fürs World Amateur Golf Ranking (WAGR) belohnt. 15 Damen und 33 Herren aus sieben Nationen – Deutschland, Liechtenstein, Niederlande, Österreich, Schweiz, Türkei und USA – hatten sich für die Liechtenstein Open 2026 eingeschrieben. Ein kleines, aber hochkarätiges Feld; knapp die Hälfte der Teilnehmenden – sechs Damen, 16 Herren – traten mit einem Plus-Handicap an.
Überzeugende Schweizer, verletzter Titelverteidiger
Trotz der vorangegangenen Hitzeperiode präsentierte sich der Parcours des GC Gams-Werdenberg für die Liechtenstein Open in hervorragendem Zustand. Allerdings startete das sportlich wichtigste Turnier des GVL mit einem Regentag. Die Startrunde musste am frühen Freitagnachmittag gar für drei Stunden unterbrochen werden – sechs Greens standen temporär unter Wasser –, konnte aber noch gleichentags zu Ende gespielt werden. Und der Freitag hielt noch einen weiteren Wermutstropfen bereit: Titelverteidiger Alexander Ströher aus Österreich musste in Runde 1 verletzt aufgeben.
Der Österreichische Golfverband hatte mit dem Kärntner Nico Muellner noch einen zweiten heissen Kandidaten für den Turniersieg in die Schweiz geschickt. Mit einem Handicap von +5.2 war Muellner auf dem Papier der stärkste Spieler im Feld und meldete am Starttag mit einer 69er-Runde (3 unter Par) seine Ambitionen an. Doch einer hielt dagegen: Der Schweizer Oliver Hausammann unterschrieb am Freitag ebenfalls eine 69er-Karte. Der Spieler des GC Limpachtal entpuppte sich am Wochenende als der konstanteste im Feld und blieb an allen drei Turniertagen «in den Sechzigern». Mit Runden von 69, 68 und nochmals 69 Schlägen konnte Hausammann die Konkurrenz um vier und mehr Schläge distanzieren. «Auch wenn die Resultate von Konstanz zeugen, mein Spiel war am ersten Tag am besten», sagte Hausammann am Sonntag nach dem letzten Putt. «Heute musste ich etwas kämpfen, konnte aber aus allen Lagen Up-and-Downs machen und dadurch auch das Turnier gewinnen», freute sich der Schweizer, der Ende des Jahres zu den Professionals wechseln möchte.
Auf dem Podest der Liechtenstein Open standen in diesem Jahr bei den Herren nur Schweizer: Rang zwei holte sich Noé Kappeler (GC Bern) mit insgesamt 6 unter Par, Rang 3 teilten sich Theo Zimmermann (GC Zürichsee) und Jonas Müller (GC Wylihof) mit jeweils drei unter Par. Ebenfalls unter dem Platzstandard blieben der Österreicher Muellner und der Türke Muhsin Aras Biçer mit jeweils zwei unter Par sowie Luca Zimmermann (GC Zürichsee) mit eins unter Par; Biçer gelang mit einer 67er-Karte am Samstag die beste Runde des Turniers. Als bester «Local» klassierte sich der Vorarlberger Lucas Hepberger (GC Montfort Rankweil) mit Level Par auf Rang 8. Die GVL-Nationalkaderspieler Yannick Zurflüh (23.), Fernando Roth (27.) und Fabrice Roth (29.) konnten in diesem hochklassigen Teilnehmerfeld nicht ganz mithalten, sammelten aber wertvolle Erfahrungen.
Lynette Evers entthront Deniz Sapmaz
Auch bei den Damen brachte der Freitag der Titelverteidigerin kein Glück: Die Türkin Deniz Sapmaz, die 2024 mit ihrem Team die European Team Shield Championship auf dem Heimplatz des GVL gewonnen und letztes Jahr bei der Liechtenstein Open am ersten Extraloch den Titel erobert hatte, erwischte einen rabenschwarzen Tag. Mit 80 Schlägen wies sie nach Tag 1 bereits sechs Schläge Rückstand auf die führende Lynette Evers aus Deutschland auf und lag damit auch hinter ihrer Landsfrau Sude Bay und der Amerikanerin Zorah Williams, die mit jeweils 75 Schlägen am ersten Tag mit Evers Schritt halten konnten. Am Wochenende startete Sapmaz eine beeindruckende Aufholjagd; 71 Schläge am Samstag und 68 am Sonntag – die beste Runde bei den Damen – brachten die Titelverteidigerin auf 3 über Par fürs Turnier. Doch die junge Deutsche konnte dem Druck standhalten: Evers benötigte am Samstag 74 Schläge, blieb am Sonntag mit 70 Schlägen unter dem Platzstandard und sicherte sich damit ihren ersten Sieg bei der Liechtenstein Open mit einem Schlag Vorsprung auf die routinierte Türkin. Rang drei teilten sich Williams und Bay mit einem Gesamtscore von jeweils 5 über Par.
Wie ihre männlichen Kollegen taten sich die GVL-Nationalspielerinnen in diesem starken internationalen Teilnehmerfeld schwer. Valentina Roth (10.), Nina Mathis (12.) und Lisa Sele (13.) bewiesen Kampfgeist und nutzten die Chance, auf diesem Niveau Erfahrungen zu sammeln.
Zurflüh im Stechen, emotionaler Sieg für Sele
Wie die Liechtenstein Open war auch die Landesmeisterschaft offen ausgeschrieben, führte aber nur über zwei Runden (36 Löcher). Bei der Titelvergabe gibt es Einschränkungen – Landesmeisterin oder Landesmeister kann nur werden, wer die Liechtensteiner Staatsbürgerschaft besitzt oder mindestens seit einem Jahr in Liechtenstein wohnt und Mitglied des GVL ist. 13 Damen und 20 Herren erfüllten diese Bedingungen und kämpften am Samstag und Sonntag bei schönstem Sommerwetter um die Titel in den Kategorien Aktive, Seniorinnen, Senioren und Boys.
Hoch spannend verlief der Kampf um den Landesmeistertitel bei den Herren. In Abwesenheit von Titelverteidiger Sebastian Schredt und Seriensieger Elias Schreiber lief alles auf einen Zweikampf zwischen Yannick Zurflüh und Maurizio Sozzi hinaus. Die beiden hatten sich in der Vergangenheit mehrfach mit Ehrenplätzen begnügen müssen. Zurflüh, der Anfang des Monats bei den European Team Shield Championships das GVL-Herrenteam als Playing-Captain angeführt hatte, erwischte am Samstag mit einer 75er-Runde den besseren Start in die Landesmeisterschaft und konnte Sozzi auf Distanz halten. Am Sonntag ein ganz anderes Bild. «Ich musste vom ersten Schlag an kämpfen, Maurizio dagegen hat richtig gut gespielt und viel Druck gemacht», sagte Zurflüh am Sonntagabend. Druck, dem Zurflüh standhalten und am letzten Loch noch einen Schlag gutmachen konnte, um den stark aufspielenden ehemaligen GVL-Nationalspieler Sozzi in ein Play-Off zu zwingen, das Zurflüh am ersten Extraloch für sich entschied. «Ich freue mich über den Titel und bin stolz, dass ich heute nicht aufgegeben habe, aber mit meinem Spiel bin ich nicht zufrieden», so der frisch gebackene Landesmeister.
Auch bei den Damen war es eine enge Angelegenheit, allerdings zwischen zwei GVL-Nationalspielerinnen, die bereits mehrmals den Landesmeistertitel gewinnen konnten: Titelverteidigerin Christine Tinner-Rampone fand am Samstag nicht wie gewünscht ins Turnier und musste mit drei Schlägen Rückstand auf Lisa Sele in die Finalrunde gehen, wo sie allerdings bis auf einen Schlag an ihre Clubkollegin herankam. Für Sele ist dies ihr dritter Golf-Landesmeistertitel – sie konnte 2008 die erste offizielle Liechtensteiner Golf-Landesmeisterschaft gewinnen und 2012 nachdoppeln. Nach ihrem dritten Titel zeigte sich die aktuelle Nationalspielerin dankbar und emotional: «Der Sieg bedeutet mir sehr viel. Das letzte Mal konnte ich vor 14 Jahren gewinnen und nun hat es endlich wieder gereicht, wenn auch sehr knapp. Nach dem guten Start ins Turnier am Samstag war der Druck heute gross, auch weil nicht alles so geklappt hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe deshalb bis zum letzten Loch gekämpft und bin sehr glücklich, dass es am Ende gereicht hat.» Vor allem aber: «Heute ist zudem ein besonderer Tag für mich, denn meine Eltern hätten heute ihren 40. Hochzeitstag gefeiert. Ich glaube, Papa hat mich im Geiste unterstützt.»
Deutlich klarer fielen die Entscheidungen in den verschiedenen Alterskategorien: Bei den Senioren holte sich Joachim Gantner den im Vorjahr an Christoph Schredt verlorenen Titel zurück. Bei den Seniorinnen musste Titelverteidigerin Cornelia Fassold-Gantner nach einem rabenschwarzen Samstag den Titel an Gaby Zurflüh abtreten. Und bei den Boys schliesslich holte sich Fernando Roth den im Vorjahr an Sebastian Marxer verlorenen Titel zurück.
Liechtensteiner Landesmeisterschaft & Liechtenstein Open 2026
Golfplatz Gams-Werdenberg, Par 72.
Liechtenstein Open Herren (3 Runden): 1. Oliver Hausammann (GC Limpachtal/CH) 206 (69/68/69); 2. Noé Kappeler (GC Bern/CH) 210 (73/70/67); 3. Theo Zimmermann (GC Zürichsee/CH) 213 (72/72/69) und Jonas Müller (GC Wylihof/CH) 213 (71/71/71). 5. Nico Muellner (GC Wörthersee/AUT) 214 (69/71/71) und Muhsin Aras Biçer (Olympos GC/TUR) 214 (72/67/75). Ferner: 22. Maurizio Sozzi (GC Gams-Werdenberg/LIE) 237 (81/81/75); 23. Yannick Zurflüh (GC Gams-Werdenberg/LIE) 240 (84/75/81); 27. Fernando Roth (GC Domat/Ems/LIE) 247 (89/77/81); 29. Fabrice Roth (GC Gams-Werdenberg/LIE) 252 (89/82/81). Alexander Ströher (GC Finkenstein/AUT/Titelverteidiger) verletzt aufgegeben.
Liechtenstein Open Damen (3 Runden): 1. Lynette Evers (GC Rheintal/GER) 218 (74/74/70); 2. Deniz Sapmaz (Atasehir GC/TUR/Titelverteidigerin) 219 (80/71/68); 3. Zorah Williams (Stonington GC/USA) 221 (75/76/70) und Sude Bay (Gloria GC/TUR) 221 (75/74/72). Ferner: 10. Valentina Roth (GC Domat/Ems/LIE) 254 (82/88/84); 12. Nina Mathis (GC Gams-Werdenberg/LIE) 257 (86/85/86); 13. Lisa Sele (GC Bad Ragaz/LIE) 264 (97/81/86).
Landesmeisterschaft Herren: 1. Yannick Zurflüh (GC Gams-Werdenberg) 156 (75/81), Sieg am ersten Extra-Loch; 2. Maurizio Sozzi (GC Gams-Werdenberg) 156 (81/75); 3. Fernando Roth (GC Domat/Ems) 158 (77/81).
Landesmeisterschaft Damen: 1. Lisa Sele (GC Bad Ragaz) 167 (81/86); 2. Christine Tinner-Rampone (GC Bad Ragaz/Titelverteidigerin) 168 (84/84); 3. Nina Mathis (GC Gams-Werdenberg) 171 (85/86).
Landesmeisterschaft Senioren: 1. Joachim Gantner (GC Montfort Rankweil / Titel-verteidiger) 172 (84/88); 2. Christoph Schredt (GC Bad Ragaz/Titelverteidiger) und Urs Senteler (GC Bad Ragaz) je 178 (86/92).
Landesmeisterschaft Seniorinnen: 1. Gaby Zurflüh (GC Gams-Werdenberg) 181 (90/91); 2. Cornelia Fassold-Gantner (GC Montfort Rankweil/Titelverteidigerin) 190 (100/90); 3. Regula Seger (GC Gams-Werdenberg) 200 (102/98).
Landesmeisterschaft Boys: 1. Fernando Roth (GC Domat/Ems) 158 (77/81); 2. Sebastian Marxer (GC Bad Ragaz/Titelverteidiger) 165 (83/82); 3. Christian Ivanov (GC Gams-Werdenberg) 199 (92/107).

