2026 ist in Schaan ein Jahr der Eröffnungen, denn eine Reihe von Projekten konnte kürzlich abgeschlossen werden. Andere stehen kurz vor der Vollendung oder befinden sich in der Anfangsphase. Sie alle verfolgen das Ziel, die Lebens- und Standortqualität zu steigern. Und auch in die Lösung des Verkehrsproblems kommt neue Bewegung. Gemeindevorsteher Daniel Hilti gibt einen Einblick in diese Projekte und seine Arbeit.

die Industriestrasse unterirdisch bis zur Zollstrasse zu verlängern.
Herr Gemeindevorsteher, in diesen Tagen startet in Schaan eine Reihe von Tiefbauprojekten. Was ist der Hintergrund?
Gemeindevorsteher Daniel Hilti: Der Bahnbauverbotsbereich. Das klingt jetzt sehr bürokratisch, bedeutet im Prinzip aber nichts anderes, als dass Bauarbeiten nicht in der Nähe der Gleise ausgeführt werden dürfen, wenn Züge verkehren. Es betrifft Werkleitungsarbeiten genauso wie den Strassenbau. Pausen im Bahnbetrieb wollen folglich gut genutzt sein – und eine solche erlebt Schaan vom 14. Juni bis zum 14. Oktober. Dann sanieren die ÖBB die Brücken wie die Kanalbrücke oder das Vorlandtragwerk, das die Schienen zur Rheinbrücke führt. Ausserdem erfolgt eine Ertüchtigung der Bahnübergänge. In den vier Monaten, in denen der Bahnbetrieb stillsteht, haben sich die Gemeinde Schaan und das Land die Umsetzung von drei grossen Projekten vorgenommen. Einerseits ist da die Nordausfahrt des Bushofs zur Strasse Im Bretscha. Zu diesem Zweck entsteht eine 120 Meter lange Busspur. Wenn die Fahrzeuge der LIEmobil sich den Umweg über das Dorfzentrum sparen können, wird dieses entlastet und gleichzeitig die Fahrplanstabilität verbessert. Diese Busspur ist ein Projekt des Staats. Damit zusammenhängend muss die Gemeinde aber ihre Werkleitungen teilweise umlegen, vergrössern oder neu erstellen. Zudem realisiert die Gemeinde eine moderne LED-Strassenbeleuchtung. Das zweite Projekt bezieht sich auf das Werkleitungsnetz zwischen Pardiel und Bahnhofstrasse. Zur Förderung des Langsamverkehrs wird der Fuss- und Radweg in der Egerta ausserdem auf drei Meter verbreitert, während die Fahrbahn für Motorfahrzeuge verengt wird. Und auch von der Egerta über den Bahnweg zum Pardiel entsteht eine zeitgemässe LED-Strassenbeleuchtung. Als Drittes nimmt sich die Gemeinde die Kreuzung der Wiesengass mit der Rheindamm-Radroute und dem Binnendamm vor. Unter dem Vorlandtragwerk mit seiner unübersichtlichen Verkehrsführung kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Um das künftig zu vermeiden, wird die Gemeinde Schaan separate, breite Spuren einbauen.

Nun erhält es eine neue Umgebungsgestaltung.
Die Ertüchtigung der Bahnübergänge klingt nach Stau. Wird sich das Schaaner Verkehrsproblem in den kommenden vier Monaten noch verschärfen?
Ich rechne nicht mit grossen Behinderungen. Die meiste Zeit werden die Bahnübergänge offen sein, und die Ertüchtigungsarbeiten sind gut durchgeplant. Generell wird das Verkehrsproblem aber nicht kleiner, weshalb wenn wir uns gerade derzeit wieder mit einer langfristigen Lösung beschäftigen.
Worauf spielen Sie an?
Um ein bisschen weiter auszuholen: Zu Beginn der 2010er-Jahre konnten wir den Verkehr mit der Einbahnführung im Zentrum entflechten und so die Quartiere entlasten, weil es auf den Hauptstrassen schneller vorangegangen ist als auf Schleichwegen. Eine vergleichbare Auswirkung hatte die Industriestrasse. Mittlerweile haben die steigenden Fahrzeugzahlen diese positiven Effekte aber wieder weitestgehend ausgeglichen. Die Schaaner Bevölkerung hat daher verständlicherweise inzwischen mehr als genug vom vielen Verkehr im Zentrum und in den Quartieren. Dies zeigt sich auch deutlich in der Bevölkerungsumfrage, welche die Gemeinde 2025 durchgeführt hat. 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für die Weiterführung der Industriestrasse ausgesprochen. Für mich ist also klar, dass der Ziel- und Quellverkehr aus dem Dorf hinaus muss, wenn wir die Lebensqualität erhalten oder noch fördern und gleichzeitig den öffentlichen Verkehr staufrei durch Schaan führen wollen. Natürlich ist uns allen bewusst, dass es noch ein langer Weg ist, bis eine potenzielle Nordumfahrung einmal realisiert sein kann, und es handelt sich um eine Landstrasse. Aber selbstverständlich beschäftigt sich auch der Gemeinderat mit dem Thema. Ende Mai hat er sich dafür ausgesprochen, dass die Umfahrungsstrasse unterirdisch geführt werden soll, um Lärm und ein Zerschneiden der Landschaft zu vermeiden. Wir haben die Regierung in diesem Zusammenhang gebeten, eine Strategische Umweltprüfung in die Wege zu leiten. Denn wir sind uns sicher, dass mit Weiterführung der Industriestrasse die Quartiere Tröxlegass, Bahnstrasse und Im Malarsch vom Durchgangsverkehr vollständig befreit würden. Aber auch die Quartiere Im Rossfeld, Im Ganser, Saxgass und Im Pardiel sowie die Gapetschstrasse wären weniger verkehrsbelastet, weil die Umfahrung wieder mehr Platz auf den Hauptstrassen schafft. Sie wird denselben positiven Effekt haben, den wir schon nach der Inbetriebnahme der ersten Etappe der Industriestrasse festgestellt haben.
Die Schaaner Bevölkerung
hat inzwischen verständlicherweise mehr als genug vom
vielen Verkehr im Zentrum und in den Quartieren.Für mich ist also klar, dass der Ziel- und Quellverkehr aus dem Dorf hinaus muss.

Vom Tief- zum Hochbau. Auch diesbezüglich hat sich in Schaan in der jüngsten Vergangenheit viel getan. Welche Projekte beschäftigen Sie derzeit?
Die Neugestaltung der Sportanlage Rheinwiese und die Arbeiten an der Kulturbrauerei an der Feldkircher Strasse stehen kurz vor ihrem Abschluss. Den Sportplatz haben wir bekanntlich zusammen mit dem Liechtensteiner Fussballverband fast komplett neugestaltet und dabei grossen Wert darauf gelegt, dass die Dorfvereine, welche die Anlage nutzen, möglichst optimale Bedingungen vorfinden. Das reicht bis hin zu einer Indoor-Sprintbahn im Tribünentrakt. Die Kulturbrauerei entsteht in den denkmalgeschützten Räumlichkeiten der Brauerei Quaderer, die bis 1917 in Schaan Bier produziert hat. Sie wird künftig nach dem Konzept «Artists in Residence» betrieben. Es sieht vor, dass in dem historischen Gebäude Kunstschaffende aus Liechtenstein und dem Ausland gemeinsam für einige Zeit leben und sich mit ihrer Arbeit gegenseitig inspirieren. Die ersten Nutzer werden voraussichtlich Anfang 2027 einziehen. Sowohl die Rheinwiese als auch die Brauerei werden ihrer Bestimmung nach der Sommerpause übergeben. Weitere Projekte, die uns derzeit beschäftigen, sind beispielsweise das Schaffen von erschwinglichem Wohnraum, die Umgebungsgestaltung beim Schul- und Gemeinschaftszentrum Resch und die Weiterentwicklung des Friedhofs, wo in den nächsten Wochen in einem ersten Schritt neue Urnennischen entstehen werden. In den folgenden Etappen stehen dann unter anderem eine zusätzliche Aufbahrungshalle, die barrierefreie Zugänglichkeit aller Ebenen und ein neues Gemeinschaftsgrab auf dem Plan.

Was hat es mit dem erschwinglichen Wohnraum auf sich?
Wir haben kürzlich das Projekt «Zukunftswohnen Schaan» ins Leben gerufen. Es beschäftigt sich damit, wie trotz hoher Bodenpreise gute und leistbare Wohnungen entstehen können. Wir prüfen dazu mehrere Ansätze: Flächen klüger nutzen, gemeinsame Angebote schaffen, einfacher und damit günstiger konstruieren. Wir stellen aber auch die ehrliche Frage, wie viele Quadratmeter eine junge Familie, ein Paar im Ruhestand oder alleinerziehende Eltern wirklich brauchen. Um die Ideen greifbar zu machen, haben wir das Ganze zusammen mit Fachleuten an einem konkreten Ort durchgespielt: auf der Wiese neben dem Friedhof, dem Kaiserböhel. Wir haben skizziert, wie ein lebendiges Quartier für 250 bis 400 Personen aussehen könnte. Es handelt sich dabei ausdrücklich nicht um fertige Baupläne, sondern um eine Studie, die zeigt, was Wohnen tatsächlich kostet und wo sich sparen lässt, ohne an Qualität zu verlieren. Sichtbar wird zum Beispiel, wie geteilte Angebote die Mietkosten spürbar senken können – etwa Auto-Sharing statt eines Tiefgaragenplatzes für jede Wohnung. Im September werden wir der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Studie präsentieren.
Und worum geht es beim Schul- und Gemeinschaftszentrum genau?
Im Mittelpunkt stehen mehr Grünstrukturen in Pausen- und Spielbereichen, die Umwandlung von aktuell weitgehend brachliegenden Bereichen in attraktive, spielerisch nutzbare Räume und eine bessere Vernetzung der Verbindungswege. Die Umsetzung ist in mehreren Etappen geplant. Deren erste beginnt im Sommer. In ihrem Rahmen entsteht auf einem Teil des Rasenfelds auf der westlich gelegenen, unteren Ebene ein Kunstrasen. Ausserdem ist eine Minipitch-Anlage vorgesehen – ein ganzjährig bespielbares, umzäuntes Fussballfeld. Sind diese Arbeiten abgeschlossen, wird sich die Gemeinde dem Innenhof auf der Ebene unterhalb des Haupteingangs und dem «Schwarzen Platz» auf dem Turnhallendach annehmen. Das vom Gemeinderat gutgeheissene Gesamtkonzept sieht auch dort jeweils mehr Grün und Schatten sowie mehr Spiel- und Aufenthaltsqualität vor. Pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum, das die Anlage dieses Jahr feiert, erfährt sie also auch eine deutliche Aufwertung, wobei die Arbeiten selbstverständlich über 2026 hinaus andauern werden.

Aufenthaltsqualität ist ein gutes Stichwort. In Schaan sind zwei neue Naturräume entstanden. Was hat es mit dem Lindagarta und dem Park im Äscherle auf sich?
Der Lindagarta, den wir am 22. Mai eröffnet haben, ist eine kleine, aber feine grüne Oase im dichtbebauten Bahnhofsdreieck. Ein Ort, der auflockert, der Raum zum Durchatmen schafft. Genau solche Plätze sind für die Bevölkerung von grosser Bedeutung. Plätze, an dem man neue Energie tanken kann, Freunde auf einen Schwatz trifft oder einfach für einen Moment zur Ruhe kommt. Besonders wichtig war uns dabei die Mitwirkung der jungen Generation. So stand der Kinder- und Jugendmitwirkungstag im Frühling 2024 unter dem Motto «Auf die Plätze». Viele der Ideen, die dabei zur Gestaltung des Lindagarta eingebracht wurden, sind heute sicht- und erlebbar. Dazu gehören etwa spielerische Elemente wie das Wackelschaf und das Sprachrohr für die Kleinsten, aber auch der Boule-Bereich oder der Tischfussballkasten.
Mit dem knapp 26’400 Quadratmeter grossen Park im Äscherle, nördlich des Werkhofs gelegen, hat die Gemeinde Schaan im vergangenen Jahr einen attraktiven Naherholungsraum geschaffen. Er hat sich mittlerweile als beliebtes Spazierziel etabliert. Die Integration eines Agroforstsystems auf den landwirtschaftlichen Freiflächen hat das Projekt ergänzt. Agroforstsysteme sind multifunktionale Landnutzungssysteme, die Bäume und Sträucher mit Ackerkulturen und/oder Viehhaltung auf einer Fläche kombinieren. Ergänzt wird das Ganze durch Biodiversitätselemente wie Sandlinsen oder Ast- und Steinhaufen, welche die Forst- und Umweltkommission im vergangenen November zusammen mit der Bevölkerung angelegt hat. An diesem Samstag übergeben wir auch den Park im Äscherle seiner Bestimmung.


Es klingt angesichts all dieser Projekte nicht so, als würden Sie in Ihrem letzten Jahr im Amt kürzertreten.
Ich habe es jedenfalls nicht vor (schmunzelt). Wie ich schon an anderer Stelle gesagt habe: Zu tun gibt es noch einiges. Mein wichtigstes Ziel war es aber immer und ist es nach wie vor, meinem Nachfolger eine lebendige Gemeinde mit hoher Lebensqualität, eine funktionierende Gemeindeverwaltung und solide Finanzen zu übergeben. Ich denke, wir sind dabei auf dem richtigen Weg.


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