Der neue Stadttunnel Feldkirch – wie geht es weiter in Liechtenstein?

Der Liechtensteiner Verkehrsminister Daniel Oehry, Gastgeber Karlheinz Ospelt und der Feldkircher Stadtbaumeister Gabor Mödlagl (v. l.). Foto: Sven Beham

Der Mobilitätsverein Liechtenstein (move-li) hat seine Mitglieder sowie die Landtagsabgeordneten, Vorsteher und Gemeinderäte Liechtensteins am 12. Mai 2026 zum Thema Stadttunnel ins alte Kino Vaduz eingeladen.

Über 60 Personen folgten der Einladung und bekamen einen interessanten Einblick in die Thematik, wie eine Stadt sich vom ständigen Stau und Durchgangsverkehr mit einem Tunnel entlastet.

Im Alten Kino Vaduz informierte der Feldkircher Stadtbaumeister Gabor Mödlagl nicht nur über den aktuellen Stand beim «Stadttunnel Feldkirch», sondern auch über die Überwindung zahlreicher Hindernisse, Beschwerden und Enteignungsfragen in den vergangenen Jahren. In seiner Vorstellung ging er auch auf technische und gerichtliche Prozesse im Zusammenhang mit dem Jahrhundertprojekt ein.

Immissionen und Lärm aus der Stadt bringen
Dabei wurde deutlich, dass das 367 Millionen Euro teure Tunnelprojekt mit einer Länge von fast vier Kilometern während Jahren gerichtlich und politisch angefochten wurde. Bereits 1992 entstand mit dem Letzetunnel die Grundidee, den Verkehr via einer Umfahrungsstrasse aus den Wohn- und Stadtgebieten von Feldkirch herauszuführen. Nach diversen Variantenstudien erhielt die heutige Lösung als Bestvariante mit vier Tunnelästen den Zuschlag. Der Vorteil lag darin, dass mit der unterirdischen Umfahrung auch die durch den Stau verursachten Immissionen und der Lärm in der Stadt drastisch zurückgehen werden, was für die Stadt eine grosse Qualität darstellt, wie Stadtbaumeister Gabor Mödlagl anhand von Fakten darlegte. Er geht von einer Verkehrsreduktion für die Stadt von rund 25 Prozent, beim Schwerverkehr etwa 60 Prozent aus.

So können LKW weitgehend vom Feldkircher Stadtzentrum ferngehalten werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die bestehenden Strassen der Stadt nach Öffnung des Entlastungstunnels ab Ende 2030 weniger belastet sind und vermehrt für Fussgänger, Radwege, Grünflächen und den öffentlichen Verkehr zur Verfügung stehen.

Podiumsdiskussion: Ist Liechtenstein vorbereitet?
Nach der über einstündigen Vorstellung, während der das Publikum viele Fragen stellen konnte, wurde unter der Leitung von Vereinspräsident und Alt-Bürgermeister Karlheinz Ospelt auf dem Podium mit Regierungsrat Daniel Oehry und Gabor Mödlagl diskutiert.

Im Zentrum der Podiumsdiskussion standen insbesondere die Auswirkungen und die Frage, ob Liechtenstein gewappnet ist für die neue Verkehrslösung in Feldkirch.

Vor allem stellte sich die Frage, was das Land Liechtenstein in den letzten Jahrzehnten verkehrspolitisch unternommen hat. Während in Feldkirch, Buchs und in Sevelen Bahnunterführungen und Umfahrungsstrassen erstellt wurden, baute Liechtenstein die Landstrassen ohne vorherige Umfahrungen zu erstellen zurück.

Zuerst Umfahrungen – dann erst Strassengestaltung
Das sei gemäss Ospelt ein wesentlicher Unterschied zum Vorgehen in Feldkirch und Buchs, wo zuerst Umfahrungen erstellt wurden, bevor wichtige Strassen rückgebaut werden. Unter anderem daran scheiterte auch der Verpflichtungskredit für die S-Bahn FL.A.CH am 30. August 2020 mit über 62 Prozent Ablehnung. Trotz damaliger Zusage, unabhängig vom Ausgang der Abstimmung binnen Jahresfrist eine Lösung für die Bahnunter- oder -überführungen vorzulegen, ist in den fast sechs Jahren bis heute nichts umgesetzt.

Regierungsrat Oehry war bezüglich Mehrverkehr nach Liechtenstein mit dem Stadtbaumeister einig: ca. 1’300 zusätzliche Fahrzeugbewegungen seien zu erwarten.

Ferner verwies Oehry auf die aktuelle Ausarbeitung des Konzepts Raum und Mobilität 2050 und weitere Studien. Er erklärte weiter, dass der Leidensdruck in Liechtenstein bislang kleiner sei als in Feldkirch. Gleichzeitig wurde betont, dass ein künftiger Richtplan die gesamte Verkehrs- und Landesplanung Liechtensteins aufzeigen müsse.

Zwanzig Jahre ohne Ergebnis beim Industriezubringer Vaduz-Triesen
Auf die Frage, wann mit dem Bau des Industriezubringers Vaduz-Triesen begonnen werde, antwortete Regierungsrat Oehry, dass dies voraussichtlich 2027 der Fall sei. Dann werden mehr als zwanzig Jahre vergangen sein, seitdem die Gemeinden Vaduz und Triesen 2026 mittels Gemeinderatsbeschlüssen die dafür nötigen Grundstücke entlang des Rheindamms dem Land dafür zur Verfügung gestellt und das Projekt befürwortet hatten, stellte Ospelt fest.

Ein anderer Diskussionspunkt war die Vernehmlassung 2024 für ein Radroutenkonzept, welches auf grossen Widerstand stiess und mit über 60 Mio. Schweizer Franken Kosten veranschlagt ist. Ospelt fragte, weshalb dieses im neuen Landesrichtplan weiterverfolgt werde, obwohl es bis heute nicht im Landtag behandelt wurde. Ausserdem seien im Entwurf zum Landesrichtplan teilweise andere Wegführungen enthalten als in den Gemeinderichtplänen, welche ja auch von der Regierung genehmigt sind. Dies führte zur Frage, welches Planungsinstrument nun Vorrang habe.

Konsequent und gemeinsam vorgehen
Politisch zeigte sich erneut, dass das Projekt Stadttunnel Feldkirch in Liechtenstein unterschiedlich beurteilt wird. Stadtbaumeister Gabor Mödlagl machte deutlich, dass Feldkirch ursprünglich gemeinsam mit Liechtenstein habe planen wollen. Da von Liechtensteiner Seite jedoch keine gemeinsame Planung zustande gekommen sei, habe Feldkirch den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgt.

Auf die Frage, was letztlich zum Erfolg des Projekts führte, antwortete Mödlagl: langjährige Zusammenarbeit zwischen der Stadt Feldkirch und dem Land Vorarlberg waren entscheidend für den bisherigen Fortschritt, ebenso Einigkeit und konsequentes Handeln. Einig waren sich alle: Der Strassentunnel werde die Verkehrssituation der gesamten Region nachhaltig verändern – auch über die Landesgrenzen hinaus.

 


 

Mobilitätsverein Liechtenstein
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Wer detaillierte Informa­tionen sucht,
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