Wir stellen vor: Gemeinde Eschen-Nendeln

Drohnenaufnahme: Eschen, Liechtenstein. Foto: ©Paul J. Trummer

Eschen-Nendeln hat im vergangenen Jahr in absoluten wie relativen Zahlen das grösste Bevölkerungswachstum der Unterländer Gemeinden verzeichnet. Vorsteher Tino Quaderer zeigt im Interview auf, was das Dorf als Wohngemeinde, aber auch als Wirtschaftsstandort so attraktiv macht und was die Verantwortlichen unternehmen, um die Lebensqualität noch zu steigern.

Herr Quaderer, der Eschner Gemeinderat hat sich für die Legislaturperiode 2023 bis 2027 in einem Programm 37 Ziele gesetzt. Was waren die Beweggründe hinter diesem Schritt?
Gemeindevorsteher Tino Quaderer: Schon seit mehreren Legislaturen erarbeitet der Gemeinderat nach den Wahlen jeweils ein gemeinsames Programm mit Zielen für die neue Legislatur. Das hat sich absolut bewährt, hilft dabei, von Beginn an ein gemeinsames Verständnis zu schaffen und vor allem Schwerpunkte zu setzen. Dabei bleiben wir aber immer flexibel genug, um auch Projekte und Themen abseits dieser Ziele aufzugreifen oder die Ziele bei Bedarf zu überarbeiten.

Wie läuft die Umsetzung des aktuellen Legislaturprogramms und was konnte bisher erreicht werden?
Insgesamt sind wir sehr gut auf Kurs. Die überwiegende Mehrheit der Ziele befindet sich derzeit in der Umsetzung, und es konnten auch schon einige der Ziele abgeschlossen werden. So beispielsweise die Sanierung der Kapelle in Nendeln oder die Erarbeitung eines Kulturgüterkonzeptes.

 

Tino Quaderer,
Gemeindevorsteher von Eschen-Nendeln

 

Es ist für die Entwicklung
einer Gemeinde zentral,
dass sie auf soliden Planungsinstrumenten und auf klaren Zielbildern beruht.

 

Solche Projekte umzusetzen, kostet Geld. Andererseits kommt Eschen seiner Bevölkerung mit der Senkung des Gemeindesteuerzuschlags entgegen. Wie wirkt sich diese Senkung in Zahlen aus und wie kann Eschen diese Mindereinnahmen kompensieren?
Auch die Senkung des Gemeindesteuerzuschlags auf das gesetzliche Minimum von 150 Prozent ist ein Legislaturziel. Zwei Reduktionsschritte haben wir seit 2023 bereits umgesetzt, und der letzte folgt im nächsten Jahr. Dadurch fehlen uns rechnerisch gesehen dann jährlich rund drei Millionen Franken an Vermögens- und Erwerbssteuern. Zugleich dürfen wir aber feststellen, dass das Steuersubstrat in diesem Bereich erfreulicherweise deutlich zugenommen hat, sodass wir trotz der bislang zwei Reduktionsschritte per Ende 2025 höhere Erträge aus der Vermögens- und Erwerbssteuer haben als 2023. Bei dieser Steuerart liegen wir pro Einwohner betrachtet mittlerweile an fünfter Stelle unter den elf Gemeinden.

Wie laufen die Bestrebungen zur Ansiedlung neuer Unternehmen und welchen Einfluss hat dies auf die Gemeindefinanzen?
Insgesamt befinden wir uns auch auch diesbezüglich auf Kurs, und Eschen-Nendeln zählt per Ende 2025 nach Vaduz, Schaan und Triesen mit 589 am viertmeisten Arbeitsstätten in Liechtenstein. Erfreulicherweise sind die Ertragssteuern im Jahr 2025 deutlich gestiegen, wobei man klar anmerken muss, dass sich Eschen-Nendeln in diesem Bereich trotz der vielen Arbeitsplätze im Dorf seit vielen Jahren auf deutlich tieferem Niveau bewegt als andere Gemeinden mit vielen Arbeitsplätzen.

Zum Thema Verkehr: Wie steht es um die Umsetzung der Tempo-30-Zonen und wie sind die Rückmeldungen?
Wir haben das ganze Ortsgebiet untersucht und letztlich in neun Zonen unterteilt. Auf dieser Basis hat der Gemeinderat sich für die Einführung von Tempo 30 in drei dieser Zonen ausgesprochen. Im grössten dieser drei Gebiete – in der Halde in Eschen – wird die Umsetzung über den Sommer erfolgen. In den beiden anderen Gebieten – rund um das SZU in Eschen und im betreffenden Teilgebiet Nendeln – gibt es noch Abhängigkeiten zu anderen Projekten. Einerseits zur geplanten Sanierung der Fronagass und andererseits zum ÖBB-Projekt zur Sanierung der Bahninfrastruktur in Nendeln.

 

Rund um das Schulzentrum Unterland entsteht eine der Tempo-30-Zonen der Gemeinde Eschen.

 

In Sachen Nahversorgung der Bevölkerung hat sich in Eschen in der jüngeren Vergangenheit einiges getan. Der Migros wird zum Coop, der Denner sucht einen neuen Standort, ein Lidl kommt hinzu. Wie beurteilen Sie die Situation?
Ganz offensichtlich ist Eschen ein sehr interessanter Standort für solche und ähnliche Anbieter. Entsprechend spüren wir derzeit ein enormes Interesse an Projektentwicklungen entlang der Essanestrasse. Vor diesem Hintergrund haben wir mit unserem «Zukunftsbild Essanestrasse» einen klaren Weg aufgezeigt, wie wir die Entwicklung dieser Achse sehen. Dort wird in den nächsten Jahren noch viel Spannendes passieren.

 

An der Essanestrasse stehen verschiedene Neuansiedlungen an.

 

Das hat dann aber immer unmittelbar wieder Auswirkungen auf das Zentrum. Was ist dort angedacht?
Diesbezüglich wollen wir mit dem Prozess «Zukunftsbild Eschner Zentrum» ebenfalls eine Entwicklungsperspektive aufzeigen, die auf alle wesentlichen Themenbereiche eingeht. Dieser Prozess mit breiter Bevölkerungsbeteiligung ist schon weit fortgeschritten, sodass wir in den nächsten Wochen und Monaten wichtige Ergebnisse präsentieren können. Das alles natürlich mit dem Ziel, in diesem Thema eine ähnliche Dynamik auslösen zu können wie mit dem «Zukunftsbild Essanestrasse».

 

Der Sportpark Eschen/Mauren wird nach der Sanierung in neuem Glanz
erstrahlen.

 

Die Freizeitgestaltung der Bevölkerung wird von der Gemeinde Eschen aktiv unterstützt. Beispielsweise ist die Sanierung des Sportparks so gut wie abgeschlossen. Wie lautet ihr vorläufiges Fazit und was erhoffen Sie sich von der neugestalteten Anlage?
Der Sportpark Eschen/Mauren ist nach wie vor ein Referenzprojekt der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit. Seit 51 Jahren arbeiten zwei Gemeinden in diesem Bereich partnerschaftlich und vor allem erfolgreich zusammen. Daher war es für die beiden Gemeinden auch klar, dass wir wieder investieren wollen, damit die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer weiterhin eine gepflegte Anlage vorfinden, die den heutigen Bedürfnissen entspricht.

 

Die Bahninfrastruktur in Nendeln soll in diesem Jahr komplett saniert
werden. Das historische Bahnhofgebäude bleibt erhalten.

 

Ein neues Gesicht erhält auch der Bahnhof in Nendeln, sie haben es bereits angetönt, wobei die von der Gemeinde gewünschte Unterführung für den Langsamverkehr nicht realisiert wird. Welche Vorteile haben die baulichen Massnahmen dennoch für die Bevölkerung?
Von der kompletten Erneuerung der Bahninfrastruktur in Nendeln sind verschiedene Veränderungen zu erwarten. Durch den neuen Aufbau des Gleiskörpers und der Weichen sollte künftig beispielsweise die Belastung für die direkten Anwohner durch Lärm und Vibrationen deutlich weniger werden. Zudem dürfte eine zeitgemässe Infrastruktur auch für die Bahnbenutzer Vorteile bringen. Als Gemeinde haben wir im Rahmen des eisenbahnrechtlichen Bauprojektes indes verschiedene Optimierungen respektive Anliegen eingebracht. Es wird sich noch zeigen, inwieweit diese von Land und ÖBB tatsächlich berücksichtigt werden.

Wichtig ist für uns an diesem aktuellen Projekt zudem, dass ganz grundsätzlich gegenüber dem Projekt von vor drei Jahren verschiedene unserer Kritikpunkte berücksichtigt wurden. So wird im Rahmen des neuen Projektes beispielsweise der historische Bahnhof, den wir seitens Gemeinde ganz klar als schützenswert erachten, nicht abgerissen.

 

Eschen-Nendeln ist es in der jüngeren Vergangenheit gelungen, neue Unternehmen anzusiedeln.

 

Generell wird das Wachstum der Eschner Bevölkerungszahlen sich auf die Infrastrukturanforderungen auswirken. Welche Herausforderungen stellen sich und wie können sie bewältigt werden?
Gemäss den vorläufigen Zahlen des Amts für Statistik ist die Bevölkerungszahl von Eschen-Nendeln per Ende 2025 um 51 Personen gewachsen. Das ist unter den Unterländer Gemeinden sowohl relativ als auch absolut betrachtet das grösste Wachstum. Dabei befinden wir uns in einer Situation, in der wir relativ «kostenneutral» wachsen können, da beispielsweise die wesentlichen Infrastrukturen mehrheitlich bereits heute ausreichend dimensioniert sind. Zudem achten wir bei Sanierungen oder dergleichen natürlich immer vorausschauend darauf, dass beispielsweise Werkleitungen jeweils auf den langfristig zu erwartenden Bedarf dimensioniert werden.

Hat diese Entwicklung auch einen Einfluss auf das Ortsbild, insbesondere das Dorfzentrum, das Sie bereits angesprochen haben?
Es ist für die Entwicklung einer Gemeinde zentral, dass sie auf soliden Planungsinstrumenten und auf klaren Zielbildern beruht. Das ist umso wichtiger in Phasen mit dynamischer Entwicklung. Daher ist und war es für Eschen-Nendeln zentral, dass wir in dieser Hinsicht beispielsweise mit dem «Zukunftsbild Essanestrasse», dem «Zukunftsbild Eschner Dorfzentrum», verschiedenen Richtplänen letztlich bis hin zu konkreten Planungsinstrumenten zeitgemäss aufgestellt sind und diese Entwicklung in eine Richtung lenken können, die den ortsplanerischen Zielsetzungen entspricht.

 

50 Jahre nach Renovation und Umbau der Pfrundbauten feiert
die Gemeinde dieses Jubiläum.

 

Dorfzentrum ist auch ein gutes Stichwort im Hinblick auf das Jubiläum der Pfrundbauten, das die Gemeinde 50 Jahre nach ihrer Sanierung im Jahr 1976 begeht. Was für ein Programm ist vorgesehen und welche Bedeutung hat das historische Ensemble für Sie als Vorsteher?
Die Pfrundbauten sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung von historischer Bausubstanz in fünf Jahrzehnten verändern kann: Vor etwas mehr als 50 Jahren noch von vielen als Schandfleck empfunden, der dem Fortschritt im Weg steht, sind die Pfrundbauten heute ein identitätsstiftendes Wahrzeichen von Eschen. Das wollen wir aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums der Sanierung gebührend feiern – mit verschiedenen Veranstaltungen und der einen oder anderen Überraschung.

Ihr historisches Erbe will die Gemeinde Eschen auch sonst pflegen und hat dafür ein Kulturgüterkonzept erarbeitet. Was hat es damit auf sich?
Der Gemeinderat hat dieses Kulturgüterkonzept sowie begleitend dazu eine rollende Fünfjahresplanung mit diversen Massnahmen im vergangenen Dezember nach einiger Vorarbeit verabschiedet. Das Ziel dabei ist es, einerseits verschiedene Herausforderungen in diesem Bereich anzugehen, die teils schon seit vielen Jahren anstehen. Andererseits sollen die unterschiedlichen Bereiche unserer Arbeit im Kulturgüterbereich enger verzahnt werden, insbesondere die mobilen und die immobilen Kulturgüter.

Welche weiteren Pläne haben Sie bis zum Ende der Legislaturperiode im kommenden April?
Die Arbeit wird uns auch bis zum Ende der Legislatur nicht ausgehen, und wir wollen noch möglichst viele der definierten Legislaturziele voranbringen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns dies im Gemeinderat gelingen wird, da die Zusammenarbeit sehr gut und konstruktiv ist.