Im Rahmen eines geselligen Künstler-Apéros präsentierte Julia Kaiser Steinskulpturen und Malereien in ihrem Atelier in Schaan.
20 Minuten vor Vernissage-Beginn. «Komm ruhig schon rein», sagt Julia Kaiser, strahlt übers ganze Gesicht und öffnet die grosse Eingangstür im Erdgeschoss. Die Treppen sind liebevoll mit Kerzen beleuchtet, und das reichhaltige Buffet steht ebenfalls bereit. Noch sind keine Gäste da, aber die Künstlerin führt mit ihrem einnehmenden Wesen, grosser Vorfreude und wohlverdientem Stolz durch ihr Reich.

Fasziniert vom Wunder der Natur
Zahlreiche gross- und vereinzelte kleinformatige Bilder schmücken die Wände ihrer Atelierräumlichkeiten. Dazwischen stehen stolze Steinskulpturen. Denn das gelernte Handwerk und die grosse Leidenschaft von Julia Kaiser ist die Bildhauerei.
Die Künstlerin ist fasziniert von der Vielseitigkeit der Steine und erfreut sich im Arbeitsprozess an der Entwicklung der Skulptur, stets im Austausch und in Verbindung mit dem Material. «Der Stein und ich sind eins», sagt sie. «Man spricht fast miteinander.» Liebend gern spielt Julia Kaiser mit Gegensätzlichkeiten. Erscheint die Figur auf den ersten Blick mächtig und stark, so zeigen sich beim Drehen plötzlich zarte Linien und sanfte Züge. Die Oberfläche lebt ebenfalls durch ihre Verschiedenheit. So ist die Struktur auf der einen Seite naturbelassen und rau, auf der anderen glattpoliert. «Berühr sie ruhig mal mit geschlossenen Augen», ermutigt sie und streicht selbst sanft über die Skulptur. «Wie fühlt sich das an? Wo beginnt die Form? Wo geht sie hin?»
Auch der Überraschungseffekt der Farben fasziniert die Bildhauerin. Beim Kauf sei ein Stein entweder dunkel oder hell, viel mehr sei oft nicht zu erkennen. Die Wahl treffe sie intuitiv. Doch kaum werde der Stein angefeuchtet und geschliffen, zeigten sich plötzlich sehr besondere Farben. «Wie kann ein Stein so schön sein?», fragt sich Kaiser demütig. «Es ist ein Wunder, was die Natur gemacht hat.»
Auch aus Resten entsteht Kunst
Und auch wenn einmal etwas entzwei gehen sollte, werde es nicht entsorgt: «Mir täte das Herz weh, das einfach wegzuwerfen», sagt Julia Kaiser. Stattdessen entstehen aus den Teilen neue Kunstwerke, indem sie Schleifreste wie kleine Steinchen oder Schleifstaub in ihre Leinwandmalereien integriert und damit Tiefe, Struktur und eine natürliche Erhabenheit erzeugt.
Im Matsch spielende Jungs, eine von Händen getragene Frau, ein schwarzer Schwan … Auch Kunstwerke aus Acryl sind in der Galerie zu bewundern, welche die jeweilige Stimmung der Künstlerin beim Malen widerspiegeln. So unterschiedlich ihre Werke auch sein mögen – Bilder, Skulpturen, mal realistisch, mal abstrakt –,
so lässt sich dennoch eine Gemeinsamkeit entdecken, die sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht: Kraft und Eleganz harmonisch vereint.
Dieser Artikel erschien am 30. März 2026 im «Vaterland».


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