Leserbrief von Initiative A
Im Leserbrief «Medienhaus hofft auf Lotto-Sechser» bringt der langjährige «Vaterland»-Geschäftsführer Reinhard Walser Wesentliches auf den Punkt. Eine neue Trägerschaft wird meist gesucht, wenn man etwas loswerden will. Diese soll viel Geld haben und den schlingernden Dampfer «MS Vaduzer Medienhaus» in sichere Gewässer führen. Als Steuerzahler stellt sich die Frage: Warum jährlich 1,3 Millionen Franken in ein solches Konstrukt pumpen?
Früher sorgten in Liechtenstein zwei schlanke Zeitungen mit kaum mehr als zehn, meist ungelernten Redaktoren – ohne staatliche Förderung – für mehr Meinungsvielfalt als heute das «Vaterland»-Medienhaus mit über 30 Redaktionsmitgliedern. Darunter sind viele ausgebildete Journalisten, die wissen müssten, dass ihre Kernaufgabe kritisches Hinterfragen ist – nicht PR für die Politik.
Bevor die Verantwortlichen den «schlingernden Dampfer» in neue Hände geben, müssten sie ihn flott machen, damit er für eine neue Trägerschaft überhaupt erst von Interesse ist. Stattdessen verpuffen personelle und finanzielle Ressourcen. Inserate-Magazine und defizitäre Printprodukte wie «KuL» binden Kapazitäten, ohne substanziell zur Meinungsvielfalt beizutragen. Auch Formate wie «Liewo» bestehen überwiegend aus PR. De facto agiert das Medienhaus in weiten Teilen als PR-Haus.
Staatliche Förderstrukturen tendieren systemisch dazu, bestehende Aktivitäten zu konservieren und organisatorisch auszuweiten, ohne dass daraus zwingend Produktivitäts- oder anderweitige Gewinne für die Gesellschaft resultieren. Eine Medienförderung ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Steuerzahler dafür auch eine repräsentative Meinungsvielfalt erhalten. Es müsste Fürstenhaus und Politik zu denken geben, dass es früher mit einem Bruchteil der Ressourcen mehr veröffentlichte Meinungsvielfalt gab.
Das Gebot der Stunde: Konzentration auf das Wesentliche. Weniger PR-Produkte und die freiwerdenden Ressourcen für echten Journalismus und Abbildung der Meinungsvielfalt einsetzen. Nur so wird staatliche Medienförderung in Millionenhöhe sachlich begründbar statt politisch angreifbar.
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