Beitrag aus dem «Liechtensteiner Volksblatt» vom 10. Februar 2003.

Triesen ist die einzige liechtensteinische Anliegergemeinde, die keine eigene Brücke über den Rhein besitzt. Zwei Projekte, die in den Jahren 1991 und 2003 geplant wurden, scheiterten aus unterschiedlichen Gründen am Widerstand in der Schweiz.

1991 – Das Oberland richtete den Blick auf das im folgenden Jahr bevorstehende Jubiläum «650 Jahre Grafschaft Vaduz». Die Gemeinde Triesen wollte zu dieser Feier einen besonderen Beitrag leisten. Etwas, was Bestand haben sollte für fast ewige Zeiten: eine Rheinbrücke, eine Verbindung für Fussgänger und Radfahrer über den Rhein in die Schweiz, ein Näherrücken zu den Nachbargemeinden Wartau und Sevelen. Das Projekt hatte auch einen symbolischen Charakter, denn mit dieser Brücke würde Triesen gleichziehen mit den anderen Gemeinden entlang des Rheins, die über eine Brücke mit der Schweiz verbunden sind: Ruggell, Gamprin-Bendern, Schaan, Vaduz und Balzers. Die Triesner wollten mit der neuen Brückenverbindung auch an frühere Zeiten anschliessen, denn nach Überlieferungen gab es einst eine Rheinbrücke in Triesen – schon lange bevor in den anderen Gemeinden die Brücken erstellt wurden.

Keine Subvention des Kantons – keine Brücke über den Rhein
Während die anderen Gemeinden auf der schweizerischen Rheinseite jeweils eine Gemeinde als Ansprechpartner hatten, die an einem Brückenbau interessiert war, fehlte diese Voraussetzung in Triesen. Wer vom Triesner Rheindamm in die Schweiz blickt, hat ein grosses Landwirtschaftsgebiet vor Augen, das sich die Gemeinden Wartau und Sevelen teilen. Als die Triesner Gemeindebehörden die Brückenpläne in den Ratsstuben von Sevelen und Wartau vorstellten, wurde die Vorstellung eines gemeinsamen Brückenschlags über den Rhein positiv aufgenommen. Die Planung vergaben die Behörden an eine gemischte Arbeitsgemeinschaft aus den beiden Ländern. Die Vorgaben lauteten: Errichtung einer Rheinbrücke für Fussgänger und Radfahrer in schlichter Bauweise – «weder ein Monument noch ein gigantisches Bauwerk». Die Brücke sollte sich nach den Ideen aus den Gemeinden unaufdringlich in die Landschaft einfügen, bei der Planung müsse «allergrösste Rücksicht auf die ökologische Vielfalt» genommen werden, was konkret hiess: «So wenig Eingriffe in die Natur wie möglich!»

Die ersten Kostenberechnungen und die Diskussionen über die Finanzierung habe allerdings die anfänglichen Optimismus über den Brückenbau etwas gedämpft, verlautete aus der Triesner Ratsstube. Weil die Idee des Brückenschlags eng mit dem Jubiläum «650 Jahre Grafschaft Vaduz» verknüpft wurde, setzte sich Triesen dennoch mit Nachdruck für eine Realisierung ein. Breiten Raum bei den folgenden Diskussionen erhielt die Frage, aus welchem Material die Brücke gebaut werden sollte: Holz, Beton oder Eisen? In einer ersten Runde wurde eine Eisenkonstruktion aus Kosten- und Unterhaltsgründen favorisiert, doch das Herz der Triesner schlug mehrheitlich für eine Holzbrücke. Genauere Abklärungen ergaben dann, dass eine Holzkonstruktion nur unwesentlich teurer sei als eine Eisenbrücke. Die Kosten für die knapp 138 Meter lange Brücke wurden mit 1,567 Millionen Franken berechnet. Die Gemeinden Triesen sowie Sevelen und Wartau hofften, dass sich der Kanton St. Gallen und das Land Liechtenstein im Sinne einer Subvention für ein bedeutendes Projekt für den Langsamverkehr an diesen Kosten beteiligen würden.

Diese Hoffnung zerschlug sich allerdings, wie die Gemeinde Triesen im Herbst 1992 der Öffentlichkeit mitteilte. Das Baudepartement St. Gallen hatte den Gemeinden Sevelen und Wartau mitgeteilt, dass eine Zusage für eine Mitbeteiligung des Kantons nicht gegeben werden könne. Ein Kantonsbeitrag könne nur in Anspruch genommen werden, wenn eine geplante neue Wegverbindung von kantonaler oder zumindest regionaler Bedeutung sei. Weiter gab das Departement zu verstehen, die Radweg-Planung im Bezirk Werdenberg sei noch nicht abgeschlossen. Ausserdem stelle sich die Frage, ob es sinnvoll sei, das auf Schweizer Seite gelegene Gebiet «Cholau», das zu den schützenswerten Lebensräumen gehöre, durch eine neue Verbindung zu erschliessen. Mit dieser Stellungnahme war das Projekt aus schweizerischer Sicht vorerst nicht realisierbar, während es von Triesner Seite hiess: aufgeschoben, aber nicht aufgehoben!

Auch zweite «Jubiläumsbrücke» im Jahr 2003 scheitert
Diese Hoffnung der Triesner erfüllte sich nur teilweise. Zum Jubiläum «200 Jahre Kanton St. Gallen», das im Jahr 2003 gefeiert wurde, gab es die nächste Planung für eine Brückenverbindung zwischen Triesen und Wartau/Sevelen. Alles war bestens vorbereitet, die Finanzierung der Kosten von 2,2 Millionen Franken gesichert, doch dann gab es sowohl in Wartau als auch in Sevelen ein Referendum gegen den Finanzbeschluss der Gemeinderäte. Während die Seveler dem Brückenprojekt zustimmten, lehnten die Wartauer ab – damit konnte das Projekt nicht verwirklicht werden.

Die Gemeinden Triesen, Sevelen und Wartau hatten sich 1999 darauf geeinigt, zum St. Galler Jubiläum eine Brücke zu erstellen. Wie schon beim abgelehnten Projekt von 1992 planten die Gemeinden eine Verbindung für Fussgänger und Radfahrer über den Rhein, die von der Triesner Blumenau zur Wartauer Cholau führen sollte. Die kühne Konstruktion war eine Mischung aus Stahl und Holz. Die Trägerkonstruktion bestand aus zwei durchhängenden Tragseilen aus Stahl, die Fahrbahnplatte war hingegen aus Holz geplant. Im damaligen Baubeschrieb hiess es: «Von der einen Krone des Rheindamms soll die Brücke in eleganter Leichtigkeit die 140 Meter bis zur gegenüberliegenden Dammkrone überwinden und mit einer transparenten Geländerkonstruktion für einen harmonisch in die Landschaft integrierten Anblick sorgen.»

Zusätzlich war von einem «Brückenschlag zwischen hüben und drüben» die Rede, womit die alten Beziehungen zwischen den benachbarten Gemeinden auf der schweizerischen und der liechtensteinischen Rheinseite erneuert werden könnten. Nachdem bei der ersten Brückenplanung noch Vorbehalte aus St. Gallen gegenüber dem Standort der Brücke vorhanden waren, konnten diese Einwände von den planenden Gemeinden ausgeräumt werden. Der Brückenstandort sei mit dem Planungsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Natur- und Landschaftsschutz, besprochen worden, verlautete aus den Ratsstuben. Das Amt habe ausserdem aus naturschützerischen Überlegungen keine Einwände gegen das Projekt oder den Standort vorgebracht. Kurzum: Die Brücke gefährde das auf Wartauer Seite geplante Familien- und Naturparadies nicht, weil sie ja nur Fussgänger und Radfahrer benützen könnten.

Die damaligen Gemeindepräsidenten von Sevelen und Wartau, Beat Tinner und Hans Leuener, sprachen sich für die Brücke aus. Tinner betonte in einem Interview, die Hängebrücke könnte zu einem «Wahrzeichen für die Region» werden, während Leuener davon sprach, die Brücke wäre ein Symbol der Zusammenarbeit über den Rhein. Ganz anderer Ansicht waren die Gegner, die sich in Wartau und Sevelen formierten. Einer der prominentesten Gegner, Johann Jakob Litscher, lehnte das Projekt mit dem Argument ab, die Brücke würde zu einem überdimensionierten Denkmal für Tinner und Leuener. Die geplante Verbindung bringe weder einen Nutzen noch bestehe ein Bedarf dafür. Einen Nutzen verspreche sich wohl nur die Gemeinde Triesen von der Rheinbrücke, denn Triesen habe die Landreserven bis an den Rheindamm überbaut. Damit fehle den Triesnern der Naherholungsraum: «Nun wollen sie einfach mit ihren Hunden in unseren Auenwäldern spazieren.»

Die Argumentation von Litscher, die Auenwälder auf der schweizerischen Seite zu schützen, verfing offenbar bei vielen Stimmberechtigten in Sevelen und Wartau. Am 9. Februar 2003 erteilten die Wartauer dem Brückenbau mit 941 Nein gegen 568 Ja eine klare Abfuhr. Die Seveler brachten zwar mit 551 Ja gegen 500 Nein eine knappe Zustimmung zustande, doch das Projekt konnte damit nicht verwirklicht werden. Der damalige Triesner Vorsteher Xaver Hoch zeigte sich in einer ersten Stellungnahme am Abstimmungssonntag überrascht vom Abstimmungsergebnis, insbesondere von der Ablehnung in Wartau. Gleichzeitig aber gab er die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch eine Brückenverbindung geben könnte: «Vielleicht finde man doch noch eine Lösung für einen Brückenbau.»