Ein fortdauernder Krieg im Iran hat signifikante Auswirkungen auf die Finanzmärkte und Hypothekenzinsen, primär getrieben durch Inflationsängste und Energiepreisschocks. Alex Biedermann, Kreditberater bei der LGT Bank AG, Vaduz, gibt im Interview einen Überblick.

Steigende Erdöl- und Erdgaspreise, fallende Aktienkurse und neue Inflationsängste sind die Auswirkungen des Iran-Krieges, die wiederum Festhypotheken in der Schweiz und Liechtenstein teurer machen. Wie sehen Sie die Entwicklung?
Alex Biedermann: Nach heutigem Stand sind die unmittelbaren Folgen des Iran-Konflikts für Weltwirtschaft und Finanzmärkte eher begrenzt, gleichzeitig ist die Unsicherheit erhöht. Spürbar sind vor allem Bewegungen bei den Energiepreisen und damit verbunden bei Inflationserwartungen und Zinsen. Wie dauerhaft das wirkt, hängt stark vom weiteren Verlauf ab. Wie sich Hypothekarzinsen in der Schweiz und Liechtenstein entwickeln, lässt sich nicht verlässlich prognostizieren – kurzfristige Schwankungen gehören dazu. In der Beratung fokussieren wir deshalb auf eine langfristig tragbare Finanzierung, die zur persönlichen Situation, zum Planungshorizont und zur Risikoneigung passt.
Wie teuer sind die Festhypotheken bei der LGT und sind Zinserhöhungen geplant?

Die Konditionen für Festhypotheken hängen von Laufzeit, Belehnung und der individuellen Ausgangslage ab und orientieren sich am Marktumfeld. Deshalb lässt sich ein Zinssatz nicht pauschal nennen. Wir planen keine Zinserhöhungen losgelöst vom Markt – Anpassungen ergeben sich aus der allgemeinen Zinsentwicklung. Über die aktuell geltenden Konditionen informieren wir transparent im persönlichen Gespräch.

Würden Sie auf eine Saron-Hypothek setzen? Und welchen Klienten würden Sie dazu raten?
Ob eine SARON-Hypothek sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation und der Risikoneigung ab. Sie kann für Kundinnen und Kunden passen, die Zinsänderungen akzeptieren und Flexibilität wünschen. Wer stabile, gut planbare Belastungen bevorzugt, ist mit einer Festhypothek oft besser bedient. Wir prüfen deshalb Tragbarkeit, Zeithorizont und Planungsbedarf – und wählen dann SARON, Festhypothek oder eine Kombination.

Wie sieht man in Bankenkreisen allgemein die Zinsentwicklung für die nächsten Jahre und von was hängt das ab?
Die Zinsentwicklung hängt vor allem von Inflation und Wachstum, der Geldpolitik der Notenbanken sowie Energiepreisen und geopolitischen Entwicklungen ab. Das Umfeld ist derzeit von moderatem Wachstum geprägt, gleichzeitig bleibt die Unsicherheit erhöht – Prognosen über mehrere Jahre sind naturgemäss mit Bandbreiten verbunden.

Für Hypothekarnehmende ist es daher meist sinnvoller, nicht auf eine einzelne Zinsprognose zu setzen, sondern eine Finanzierung zu wählen, die zur Tragbarkeit, zum Planungshorizont und zur Risikobereitschaft passt – und auch bei veränderten Zinsen funktioniert.