Gemeinsam mit dem Gemeinderat, der Verwaltung, der Wirtschaft und der Bevölkerung wurden zahlreiche Projekte in unterschiedlichsten Bereichen angestossen und umgesetzt.

Der Balzner Vorsteher Karl Malin lässt die vergangenen drei Jahre Revue passieren – mit angestossenen und umgesetzten Projekten, die seiner Meinung nach dank eines ausgeprägten Balzner «Metanand» von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung in dieser Form möglich waren.

 

Herr Gemeindevorsteher, das letzte Jahr Ihrer ersten Legislaturperiode im Amt bricht in Kürze an. Können Sie zwei Höhepunkte nennen?
Gemeindevorsteher Karl Malin:
Zu den Höhepunkten gehörten sicher die Fertigstellung und Eröffnung des Dorfplatzes und die Sicherstellung einer zukünftigen Alters- und Gesundheitsversorgung in Balzers mit der Integration der Lebenshilfe Balzers in die landesweit geschätzten und bewährten Organisationsstrukturen der LAK im stationären Bereich und der Familienhilfe Liechtenstein bei den ambulanten Dienstleistungen.

 

 

Burg Gutenberg – Schauplatz für schöne Erlebnisse

 

Welche Projekte konnten angestossen werden?
In den vergangenen drei Jahren konnten wir gemeinsam, also mit Gemeinderat, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung, zahlreiche Projekte in unterschiedlichsten Bereichen anstossen und umsetzen. Als Stichworte dazu: die Neugestaltung der Seniorenbetreuung, das Jugendprojekt «Umbau Jugendtreff», die gemeinsame Erarbeitung des neuen Leitbilds, die Überprüfung der Vertragsgestaltung mit der Bürgergenossenschaft, die intensive Weiterentwicklung unseres Wirtschaftsstandorts und das Projekt «Ärztehaus» als wichtiger Beitrag an die medizinische Grundversorgung in Balzers, um nur einige Themen zu nennen. Dieser «Balzner Schulterschluss» von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren zu einem Merkmal unserer Gemeinde geworden und machte dies alles erst möglich. Dafür gebührt allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön.

Für das Steuerjahr 2024 kamen erstmals 150 Prozent Gemeindesteuerzuschlag zur Anwendung. Wie sind die Auswirkungen dieses Entscheids einzuordnen? Wie fallen sie in Zahlen aus?
Der Wunsch nach einer Steuersenkung wurde von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern klar zum Ausdruck gebracht – ein Entscheid, den es vollumfänglich zu respektieren gilt. Gleichzeitig haben wir unseren eingeschlagenen Kurs der kleinen, aber permanenten Schritte konsequent weiterverfolgt und weiterhin grossen Wert auf einen verantwortungsvollen und haushälterischen Umgang mit den Gemeindefinanzen gelegt. Mit Erfolg. Dank verschiedener Sondereffekte wird der Jahresabschluss 2025 äusserst erfreulich ausfallen.

Was bedeuten die aus der Steuersenkung resultierenden Mindereinnahmen für die Arbeit der Gemeinde?
Auf die erwähnten Sondereffekte können wir für die kommenden Jahre nicht wiederkehrend verlässlich zählen. Umso wichtiger ist es, auch künftig konsequent auf einen sorgfältigen und haushälterischen Umgang mit den Ausgaben zu achten und die einzelnen Einnahmepositionen jeweils kritisch zu überprüfen.

Welche Rolle spielt dabei die Finanzkommission?
Gemeinsam mit der Finanzkommission wurde in diesem Zusammenhang erstmals ein Finanzleitbild inklusive eines entsprechenden Überprüfungswerkzeugs erarbeitet. Dieses soll künftig als wichtige Grundlage für eine nachhaltige Finanzpolitik dienen. Gleichzeitig sind wir als Gemeinde überzeugt, dass sich auch mit etwas geringeren Einnahmen weiterhin zahlreiche wichtige Projekte realisieren lassen. Ein gelungenes Beispiel dafür ist der neue Jugendtreffpunkt «Scharmotz» in der Alten Post.

Eine Massnahme, den Wegfall von Steuereinnahmen auszugleichen, ist das Anziehen neuer Steuerzahler. Balzers arbeitet zu diesem Zweck intensiv an der Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts. Wie ist der Stand und welches sind die nächsten Schritte?
Die Gemeinde liegt mit der Baulanderschliessung weiterhin auf Kurs: Mit Wirkung zum 23. März wurden in der Donatsbündt 2,1 Hektar neu als Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungszone ausgewiesen. Auf diese Weise werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, damit sich eines der grössten Balzner Unternehmen, die INFICON AG, weiterentwickeln kann. Gleichzeitig sind wir zuversichtlich, künftig zusätzliche Flächen für weitere Interessenten bereitstellen zu können.

Kürzlich hat die Gemeinde im Zusammenhang mit der Finanzlage auch angekündigt, dass sie die Sportanlagen Rheinau in mehreren Etappen sanieren wird.
Wesentliche Teile der im Jahr 1970 eröffneten Sportanlagen – darunter der Kunstrasenplatz, das Infrastrukturgebäude und die Tennisplätze – haben ihre Lebensdauer überschritten oder mittlerweile zumindest mehr als nur erreicht. Beim Gebäude des FC mussten bereits gegen Ende der letzten Legislaturperiode Container als provisorische Lösung für den Gastrobereich aufgestellt werden. Solche notwendigen Übergangsmassnahmen verursachen verhältnismässig hohe Kosten. Für uns ist das ein klares Zeichen, dass das Erstellen von weiteren Provisorien kein zielführendes und verantwortungsbewusstes Vorgehen wäre, weder aus finanzpolitischer noch aus baulicher Sicht.

Der Gemeinderat hat Anfang Februar einstimmig den Masterplan für die Sanierung und Neuerstellung der Sportanlagen Rheinau beschlossen. Dieser soll in sechs eigenständigen Teilprojekten in einem Zeitraum von rund zehn Jahren umgesetzt werden. Dabei wird beibehalten, was möglich ist, saniert, was sinnvoll ist, und neu erstellt, was notwendig ist.

Was waren die Hauptgründe für diese etappenweise Umsetzung?
Gerade in einer Zeit, die von geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist, wäre es aus Sicht des Gemeinderats kaum verantwortbar, einen mehrstufigen Masterplan mit einer Laufzeit von rund zehn Jahren bereits heute verbindlich festzulegen und mit einem Gesamtkredit zu hinterlegen.

 

 

Der ‹Balzner
Schulterschluss›
von Politik, Wirtschaft
und Bevölkerung ist in den
vergangenen Jahren zu einem Merkmal unserer Gemeinde
geworden und machte viele
Projekte erst möglich.

Karl Malin,
Gemeindevorsteher Balzers

 

Das Dorfleben in Balzers präsentiert sich lebendig und vielfältig.
Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die zahlreichen Vereine.

 

 

Können Sie das genauer erläutern?
Bei der Abstimmung über den Dorfplatz im Jahr 2020 konnte die Gemeinde noch mit einem flüssigen Finanzvermögen von rund 28 Millionen Franken rechnen. Seither haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen deutlich verändert. Somit ist eine etappenweise Umsetzung, die mit der laufenden Zehn-Jahres-Finanzplanung im Einklang steht, für die Gemeinde die einzig verantwortbare Umsetzungsweise.

Obwohl die Gastronomie in Balzers in den vergangenen Jahren einige Rückschläge hinnehmen musste – Stichwort: Betriebsschliessungen – scheint das Dorfleben von aussen betrachtet sehr intakt. Wie sehen Sie dies und worauf führen Sie es zurück?
Das Dorfleben in Balzers präsentiert sich lebendig und vielfältig – nicht zuletzt dank der zahlreichen Veranstaltungen auf dem Dorfplatz sowie dem «Engel», der sich zu einem zentralen Treffpunkt entwickelt hat. Besonders erfreulich ist, dass sich dort Menschen aller Generationen begegnen. Nachdem das Gebäude mehrere Jahre ungenutzt war, kann seine heutige Nutzung als echte Erfolgsgeschichte bezeichnet werden.

Einen ebenso wichtigen Beitrag zum aktiven Dorfleben leisten die zahlreichen Vereine. Eine Vielzahl an Konzerten wie zum Beispiel der Harmoniemusik, der Musical Company, aber auch Veranstaltungen wie das Turnerkränzle, das Feuerwehrtheater oder die Aufführungen der Operette Balzers bieten immer wieder Gelegenheiten, zusammenzukommen und gemeinsam gesellige Stunden zu verbringen. Diese Beispiele stehen stellvertretend für das vielfältige Dorfleben.

Die Jugend hat Ende des vergangenen Jahres ebenfalls einen neuen Treffpunkt bekommen, Sie haben es angesprochen. Wie haben Sie dessen Realisierung erlebt und wie kommt der neue «Scharmotz» an?
Der «Scharmotz 3.0» war eines unserer Herzensprojekte. Nach rund 30 Jahren am Standort Heiligwies konnte der Jugendtreff erfolgreich in die Alte Post verlegt werden und erhielt damit eine zeitgemässe neue Heimat. Bereits in der Planungsphase wurden die Jugendlichen aktiv einbezogen. Im Rahmen eines Workshops brachten sie ihre Ideen und Bedürfnisse ein, die in die konkrete Ausgestaltung des Treffpunkts eingeflossen sind.

Was war das Besondere an diesem Bauprojekt?
Lehrlinge konnten gemeinsam mit ihren Lehrmeistern wesentliche Teile des Projekts eigenständig planen, kalkulieren und schliesslich auch realisieren. Dieses praxisnahe Engagement verlieh dem Vorhaben zusätzlichen Charakter und förderte gleichzeitig den Nachwuchs im handwerklichen Bereich. Ende März wurde der neue Jugendtreff offiziell eröffnet. Die bereits jetzt erfreulichen Besucherzahlen zeigen deutlich, dass der «Scharmotz 3.0» von den Jugendlichen sehr gut angenommen wird und sich als lebendiger Treffpunkt etabliert.

Ein weiteres Thema, das kürzlich in den Medien aufgeschienen ist, ist die Sanierung des Pfarrhauses.
Pfarrer Christian Schlindwein hat im Mitteilungsblatt «Pfarrei aktuell» erstmals über das Vorhaben berichtet, nachdem sowohl die Pfarreistiftung als auch der Pfarreirat dem Projekt ihre Unterstützung signalisiert hatten. Die Frage einer Sanierung oder Teilsanierung des in den 1960er-Jahren errichteten Gebäudes beschäftigt die Gemeinde bereits seit einiger Zeit. Aufgrund einer historischen gesetzlichen Regelung aus dem 19. Jahrhundert ist die Gemeinde Balzers für den Unterhalt der sogenannten Pfrundbauten zuständig. Daraus ergibt sich, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Zukunft des Gebäudes unumgänglich ist. Gleichzeitig bietet ein gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten die Chance, eine zeitgemässe und ganzheitliche Lösung zu realisieren, anstatt einzelne Teillösungen isoliert umzusetzen. Im Rahmen erster Überlegungen wurden auch ein kleiner Pfarreisaal sowie ein Pfarrbüro mit Archiv ins Auge gefasst. Solche Nutzungen könnten im Kontext der Zentrumsentwicklung zusätzlichen Mehrwert für das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Balzers schaffen.

 

 

Sportanlagen Rheinau: beibehalten, was möglich ist, sanieren, was sinnvoll ist, und neu erstellen, was notwendig ist.

 

Auf der Parzelle, auf der das Restaurant Riet stand, soll ein Ärztehaus entstehen. Was sind die Überlegungen dahinter?
Nach der Schliessung der Praxis Bürzle – wie schon zuvor bei den Praxen einiger anderer Ärztinnen und Ärzte – besteht in Balzers ein spürbarer Mangel an hausärztlicher Versorgung. Auch die Bevölkerungsumfrage im Rahmen des Leitbildprozesses hat klar gezeigt, dass für die Einwohnerinnen und Einwohner eine adäquate medizinische Grundversorgung in Balzers zu den grössten Herausforderungen der nächsten Jahre zählt. Mit dem Bau eines Ärztehauses will die Gemeinde einen Beitrag dazu leisten.

Wie ist der aktuelle Stand und wie sieht der geplante Projektablauf aus?
Ende letzten Jahres hat der Gemeinderat das Baurecht für die Parzelle an der Rietstrasse vergeben, um den Weg für eine neue Arztpraxis vorzubereiten. Aufgrund einer Intervention bei der Regierung musste die Referendumsfrist vorübergehend unterbrochen werden, um rechtliche Fragen zu klären. Derzeit laufen intensive Gespräche zwischen der Gemeinde und dem Baurechtsnehmer über die konkrete Planung und die Vertragsausarbeitung. Sowohl die Verantwortlichen der Gemeinde als auch der Baurechtsnehmer zeigen sich zuversichtlich, dass in naher Zukunft die Suche nach geeigneten Ärztinnen und Ärzten starten kann. Ziel ist es, baldmöglichst die hausärztliche Versorgung für die Einwohnerinnen und Einwohner in Balzers wieder nachhaltig sicherzustellen.

In Balzers besteht ein spürbarer Mangel an hausärztlicher Versorgung. Mit dem Bau eines Ärztehauses will die Gemeinde
einen Beitrag zu einer wohnortsnahen medizinischen Grundversorgung leisten.

 

Welche Projekte stehen für das letzte Jahr der Legislaturperiode noch an?
Eines ist die Fertigstellung der gestalterischen Massnahmen im Zentrum, insbesondere die Umsetzung von Tempo-30-Zonen und der Begegnungszone, die das Ortsbild aufwerten sowie die Sicherheit der Schulkinder und die Lebensqualität aller generell erhöhen sollen. Ein weiteres ist die bereits angesprochene Umzonierung der Donatsbündt, die einerseits die Erweiterung der INFICON AG ermöglicht und andererseits neues Bauland für künftige Interessenten schafft. Aus Sicht eines ehemaligen Planers ist dies ein bedeutender Schritt, den ich gerne abschliessen würde.